30.05.2017 - 19:56 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Polizei durchsucht zwei Wohnungen in Neustadt und holt 37-Jährigen ab Terrorverdächtiger von nebenan

(arw/phs/fku/ui) Am späten Vormittag, ein paar Stunden danach, ist es ruhig um das Mehrfamilienhaus im Stadtteil Gramau. Die meisten Anwohner sind unterwegs, in der Arbeit. Die wenigen, die zu Hause sind, wissen auch nicht allzu viel zu berichten. "Recht unauffällig", stets "freundlich gegrüßt" - das ist es, was ihnen zu ihrem 37-jährigen Nachbarn einfällt.

Der Krieg in Syrien ist manchmal näher als gedacht. Das zeigt die Razzia am Dienstag. Bild: dpa
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Eine Beschreibung, die so gar nicht zu dem Bild passen will, das die Generalstaatsanwaltschaft München von ihm zeichnet: Der mehrfache Familienvater mit türkischer Staatsangehörigkeit sei Mitglied einer terroristischen Vereinigung. Deshalb rückten am frühen Dienstagmorgen Spezialkräfte der Polizei an und nahmen ihn fest. Er steht im Verdacht, Mitglied einer dschihadistischen Terrororganisation zu sein und in Syrien gekämpft zu haben.

In Neustadt fiel der mutmaßliche Gefährder bis dato nicht weiter auf. Von Vereinsmitgliedschaften ist nichts bekannt. "Wir sind eine Stadt, in der man sicher und gut lebt", sagte Bürgermeister Rupert Troppmann am Abend im Stadtrat. Die Bürger seien sehr tolerant, die Asylbewerber integriert. "Aber keine Stadt ist davor gefeit, dass sich jemand hier einmietet, der des Terrors verdächtigt wird."

Nach NT-Informationen ist der Festgenommene in Schwaz in Tirol geboren. Vor fünf Jahren hat er am Marmara-Meer eine Neustädterin mit türkischen Wurzeln geheiratet. Sie lebt mit den Kindern im Haus in der Gramau. Der Ehemann verlagerte seinen Wohnsitz 2013 wieder nach Österreich, soll aber öfter in die Kreisstadt gekommen sein.

Außer in der Gramau durchsuchten Polizisten eine weitere Wohnung im Osten Neustadts. Dort lebt ein 26-Jähriger, der aus der gleichen Großfamilie wie die Ehefrau des Festgenommenen kommt. Er ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß reagiert mit Lob und einer Mahnung auf die Nachricht von der Festnahme. Wichtig sei vor allem, dass nach seinen Informationen nie eine konkrete Gefahr für die Region bestanden habe. Außerdem "können wir froh sein, dass die Arbeit des LKA funktioniert", sagt Seggewiß. Trotzdem müsse man wachsam bleiben. Schließlich hätten die Behörden noch weitere Personen im Blick. "Dass wir diese Szene in der Region haben, ist seit Längerem bekannt."

Keine Stadt ist davor gefeit, dass sich jemand einmietet, der des Terrors verdächtigt wird.Rupert Troppmann, Bürgermeister von Neustadt

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.