24.05.2017 - 20:00 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Schatzmeister soll Kasse mit privatem Geld ausgeglichen haben - Vorsitzender Meier: Vorstand ... Feuerwehrverband: Selbstkritik und neue Fragen

Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes übt Kritik - an sich selbst, aber auch am Schatzmeister. Das will der Kassier aber nicht unkommentiert lassen.

Dicke Luft herrscht weiter beim Kreisfeuerwehrverband. Bild: Huber
von Franz Kurz Kontakt Profil

Beim in die Kritik geratenen Kreisfeuerwehrverband stellen sich neue Fragen - aufgeworfen von der Führung selbst. In einem Schreiben an die Mitglieder berichtet Vorsitzender Richard Meier von "einem Fehlverhalten des Schatzmeisters". Dieser habe es "über einen längeren Zeitraum" versäumt, "bei den Gemeinden teilweise die Vereinsbeiträge, vor allem aber die Erstattung der Lehrgangskosten einzufordern". Den daraus entstandenen Fehlbetrag habe der Kassier "aus eigenen, privaten Mitteln" ausgeglichen, "um laufende Zahlungen zu decken".

Forderungen verjährt?

Eine böse Absicht unterstellt dem Kassier also niemand. Trotzdem hätte das so nicht passieren dürfen, heißt es in dem Schreiben. Eine Konsequenz gebe es bereits: "Um den Schaden zu minimieren, werden umgehend die offenen Ansprüche durch einen unabhängigen Kassier bei den Gemeinden eingefordert. Forderungen, die vor der Verjährungsfrist vor drei Jahren entstanden, sind allerdings nicht mehr durchsetzbar." Die Verantwortung liegt laut Meier auf mehreren Schultern. Alles wäre "leicht zu verhindern gewesen, wäre eine Kontrolle durch den Vorstand erfolgt", schreibt er. Überhaupt hätten sich er und die übrige Führung des Verbandes falsch verhalten. "Mangelndes Pflichtbewusstsein und ungenügende Kontrolle führten in den letzten zehn Jahren zwangsläufig zu einer gefährlichen Schieflage des Vereines." Dafür entschuldige er sich "aus ganzem Herzen".

Wie berichtet, ist die Führung um Meier bei der Verbandsversammlung im April in die Kritik geraten. Zum einen, weil es die erste Versammlung seit zehn Jahren war - laut Satzung wäre eigentlich ein Treffen pro Geschäftsjahr vorgeschrieben. Zum anderen monierte der Letzauer Feuerwehrkommandant Karl Völkl damals, dass der Revisor erst am Nachmittag des Versammlungstags die Kasse geprüft habe. Letztlich fand der Revisor keine Unregelmäßigkeiten. Zuvor hatte auch die Staatsanwaltschaft die Kasse aufgrund einer Anzeige geprüft. Im Juli 2015 stellte sie das verfahren aber wieder ein, weil sich kein Hinweis auf Untreue gefunden habe. Trotzdem bot das Landratsamt bei der Verbandsversammlung an, dass sich ein Rechnungsprüfer die Bücher noch einmal ansieht.

Auf Nachfrage betont Meier, dass diese Prüfung noch nicht abgeschlossen ist. "Wir wollen das alles erst ausgearbeitet haben." Sobald ein endgültiges Ergebnis vorliege, würden die Mitglieder informiert. Gleichzeitig sind nach Meiers Worten die Vorgänge um den Kassier, wie sie in dem Schreiben dargestellt werden, noch nicht belegt. Es könne genauso gut sein, dass die Zahlungen einfach nur verspätet eingegangen seien. Dann hätte der Schatzmeister fehlendes Geld nur privat vorgestreckt, damit der Kreisverband Abgaben zahlen könne, so Meier.

Auch der Schatzmeister selbst, Josef Preßl, erklärt gegenüber dem NT, dass die jüngste Prüfung der Kasse erst noch abgeschlossen werden müsse. Ein paar Behauptungen will er dennoch in ein anderes Licht rücken. So hatte Kritiker Völkl gesagt, in den vergangenen zehn Jahren komme die Verbandskasse auf ein Umsatzvolumen von 200 000 Euro. Das, betont Preßl, sei falsch. Es gehe in Wahrheit um weniger als die Hälfte. Ebenso wenig will er nun als der Hauptverantwortliche für Probleme des Verbandes dastehen.

"Nach bestem Wissen"

Er habe seine ehrenamtliche Arbeit immer "nach bestem Wissen und Gewissen" erledigt. Nicht zuletzt die Untersuchung der Staatsanwaltschaft habe ja gezeigt, dass er sich nie selbst bereichert habe. Ein Problem hat es nach seinen Worten anderswo gegeben. So seien zwar die Abgaben des Kreisverbandes an Landes- und Bezirksverband im Lauf der Zeit gestiegen. Niemand habe aber entsprechend die Einnahmen angepasst - sprich: die Beiträge, die an den Kreisverband zu zahlen waren, erhöht. Dadurch habe es seit ein paar Jahren eine Unterdeckung in der Kasse gegeben.

Deshalb und weil Beiträge teils auch spät bezahlt wurden, habe er tatsächlich privates Geld vorgestreckt, um Abgaben des Verbandes zu zahlen. Verwerflich sei daran nun wirklich nichts. Preßl: "Ich habe dem Verband ja nicht geschadet - im Gegenteil." (Hintergrund)

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