16.08.2017 - 18:28 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Sommer-Gewitter bei der AWO Streit um Kasse des Seniorenclubs eskaliert

Sommerfest: Das klingt nach Entspannung und leichter Muse. Beim Seniorenclub der Arbeiterwohlfahrt im "Weißen Rössl" war es gerade zehn Minuten im Gange, schon drohte der AWO-Vorstand der ehemaligen Clubleiterin und zweien ihrer Begleiter mit der Polizei.

Franz Witt (links) und Ilse Lütkemeyer (stehend, rechts) werden womöglich in Zukunft über Anwälte miteinander kommunizieren. Der Streit um die Absetzung Lütkemeyers als Seniorenclubleiterin ließ die Mitglieder beim Mittagessen im "Weißen" Rössl" sichtlich konsterniert zurück. Bild: phs
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Eigentlich ist das Fest des Seniorenclubs keine richtige Party, sondern ein Mittagessen mit anschließendem Kaffeetrinken. Doch obwohl Grillfleisch und Feldsalat äußerst appetitlich aussahen, hat es wohl keinem recht geschmeckt. Als die Kellnerin das Essen aufträgt, hat der Streit zwischen der abgesetzten Clubleiterin Ilse Lütkemeyer und AWO-Chef Franz Witt (wir berichteten) gerade die nächste Eskalationsstufe erreicht.

Schon die kurze Begrüßungsansprache Witts am Mittwochmittag war für das Lütkemeyer-Lager ein Sprengsatz. Der AWO-Chef ging ganz kurz auf die Absetzung ein, sagte aber dann, dass alle Mitglieder Hintergründe am 30. August beim Clubnachmittag im AWO-Heim erfahren könnten. Dabei werde der Vorstand Rede und Antwort zu Lütkemeyers Vorwürfen stehen, bei der Kassenführung gehe es nicht rechtens zu. "Heute aber wollen wir feiern, liebe Mitglieder, wir wollen den Streit nicht auf eurem Rücken austragen."

Das blieb keine halbe Minute lang ein Wunsch. Dann stand Günter Mohr auf. Er leitet einen AWO-Ortsverein am Chiemsee, wo der gebürtige Neustädter heute wohnt, und ist ein Cousin Lütkemeyers. Mohr begleitete seine 90-jährige Mutter, die Mitglied im Seniorenclub ist.

"Ich nehme das persönlich und bin am 30. August nicht da", fing Mohr an. Daher wolle er jetzt eine zehnminütige Erklärung verlesen, die damit begann, dass die Absetzung seiner Cousine nicht rechtskräftig sei.

Witt entzog ihm das Wort. "Sie sind nicht Mitglied, und ich bin der Vorsitzende." Sein Vize Horst Washausen assistierte ihm: "Jetzt ist Sommerfest, und wir haben das Hausrecht." Lütkemeyer nannte Witt daraufhin einen "feigen Kerl". Ihr Rauswurf sei im Vorstand nicht einstimmig erfolgt. Und wenn er ein friedliches Sommerfest hätte haben wollen, hätte Witt den Seniorenclub-Damen schon zwei Wochen vorher Bescheid sagen können.

Giftige Wortwechsel

"Unverschämt, das ist die Höhe", hieß es aus den Reihen von Witt, Washausen und AWO-Schriftführerin Karin Rößler. Sie baten Lütkemeyer, ihren Mann Ronald und Mohr, den Saal zu verlassen. Die drei dachten aber nicht daran, zu gehen, sondern hielten in einer Ecke des Gasthauses Kriegsrat. Derweil überlegte sich die AWO-Spitze, die Polizei zu holen, was sie dann aber doch nicht tat. Während auf einigen Plätzen das Fleisch kalt wurde und die betagten Damen die Köpfe schüttelten, flogen die Fetzen über zwei Tische hin und her. Tumultartig wurde es, als Lütkemeyer Witt angiftete, er sei nur da, um auf Kosten des Seniorenclubs zu essen. "Ich zahle alles selbst. Und bevor es heißt, ich fresse mich hier so durch, gib du, geben Sie erstmal den Schlüssel für unser Heim zurück", biss Witt zurück.

Den Schlüssel will Lütkemeyer nicht rausrücken. Washausen brachte rechtliche Schritte ins Spiel. Auch Lütkemeyer überlegt sich einen Anwalt. Zunächst will sie sich beim AWO-Bezirksverband beschweren. Ihr Cousin Mohr hält die Absetzung durch den Vorstand ohnehin nicht für gültig. So etwas habe eine Jahreshauptversammlung zu entscheiden.

Damit war das eingetreten, was der Vorstand vermeiden wollte. Der Konflikt krachte auf die Rücken der Mitglieder. Wer zu welchem Lager gehörte, war im Saal schwer auszumachen. Der größere Teil hält offenbar zu Vorstand Witt, wobei Lütkemeyer unabhängig von der Affäre um die Kasse von den Frauen unter Beifall Dank für ihre engagierte Arbeit in den vergangenen drei Jahren erntete.

Schnaps zum Abschied

Sie räumte aber ein, dass sie sich etwas mehr Unterstützung in der Kassenaffäre von "ihren Damen" erhofft habe. Trotzdem verabschiedete sich von ihnen mit Schnaps und Pralinen. Die seien eigentlich für eine Tombola gedacht gewesen, wenn sie denn das Sommerfest noch hätte leiten dürfen. "Ich kann euch zum Schluss nur sagen: Passt auf euer Geld auf."

Witt ließ diese Anspielung nicht stehen. "Das Geld ist da, alles ist aufgelistet, tut euch nicht ab." Am 30. August könne das jeder einsehen. Zeit für Kaffee und Kuchen.

Ich kann euch zum Schluss nur sagen: Passt auf euer Geld auf.Ilse Lütkenmeyer
Bevor es heißt, ich fresse mich hier durch, gib du, geben Sie erstmal den Schlüssel für unser Heim zurück"Franz Witt zu Ilse Lütkemeyer

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp