Standesbeamtin Erika Kistenpfennig nach 48 jahren im ruhestand
Mit dem Fahrrad zum Bräutigam

Ein Bild von Andrea Sonnauer begleitetete Erika Kistenpfennig viele Jahre im Standesamt. Zum Abschied schenkte ihr Bürgermeister Rupert Troppmann die Stadtansicht von Neustadt. Jetzt hat die Rentnerin viel Zeit für ihre drei Enkel, für die ASV-Turnstunde und ihr Ehrenamt bei der evangelischen Kirche. Bild: Schönberger
Im Rathaus geht ein Stück Verwaltungsgeschichte zu Ende. Bürgermeister Rupert Troppmann verabschiedete nach 48 Jahren und 5 Monaten Erika Kistenpfennig in den Ruhestand. Sie war die dienstälteste Mitarbeiterin. Ihr Nachfolger ist Peter Spachtholz (39).

"Kiste", wie sie nur genannt wird, begann 1968 als Jungangestellte und arbeitete sich bis zur Standesbeamtin hoch. "Das war immer meins", blickt sie am letzten Arbeitstag zufrieden zurück. Die Tätigkeit sei interessant und abwechslungsreich gewesen. Damit sie im Standesamt bleiben konnte, drückte sie mit 50 Jahren noch einmal die Schulbank.

250 Todesfälle im Jahr

Die Neupensionistin hat im Personenstandswesen die ganze Entwicklung mitgemacht, von der handgeschriebenen Urkunde bis zum elektronischen Register. Bei ihrem Start gab es noch keinen Kopierer.

Damals war sie wegen der hohen Zahl an Geburten, die beurkundet werden mussten, eingestellt worden. Heute sind es die jährlich rund 250 Todesfälle in der Palliativstation auf dem Felixberg, die zu Buche schlagen. Am Montag hatte sie noch einmal 6 Sterbefälle zu beglaubigen. Die 64-Jährige hat den vier Bürgermeistern Hans Trottmann , Anton Binner , Gerd Werner und Rupert Troppmann sowie den vier Geschäftsleitern Georg Rebl , Josef Lang , Siegfried Fichtner und Peter Forster gedient. "Ali" Trottmann, damals ehrenamtliches Stadtoberhaupt, musste sie täglich die Tageszeitungen und den Schnupftabak ins Haus bringen.

An dessen letztem Arbeitstag traute er Erika Kistenpfennig und ihren Mann Alfons . So manch kuriose Geschichte hat Kistenpfennig in der langen Zeit im Amt erlebt. Ein Neustädter hatte den Hochzeitstermin ausgemacht. Dieser rückte näher, doch der Bräutigam meldete sich nicht mehr.

Daraufhin fuhr sie mit dem Fahrrad zu ihm nach Hause und erinnerte ihn an seine bevorstehende Trauung. Die Braut sei nicht mehr aktuell, antwortete er. Aber er wolle jetzt eine andere Frau ehelichen. Da müsse er aber erst wieder ins Rathaus kommen und die Formalitäten erledigen, klärte sie ihn auf.

Die Wünsche würden immer ausgefallener. Ein Paar wollte das eigene Hochzeitsbankerl von zu Hause ins Standesamt mitbringen, der Hund sollte die Ringe nach vorne tragen. Auch das lehnte Kistenpfennig dankend ab. Einmal musste sie ein Heiratsfähigkeitszeugnis aus der Südsee anfordern.
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