30.04.2018 - 14:32 Uhr
Oberpfalz

Störnsteiner Jugendliche klauen Neustädter Jubiläumsbaum Sag mir, wo der Maibaum ist ...

Wie Guerrilleros, die eine feindliche Haubitze erbeutet haben, posieren Mitglieder der Störnsteiner Landjugend auf ihrer Facebook-Seite. In der Nacht zum Sonntag ist es ihnen gelungen, den Neustädter Maibaum zu klauen. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Kreisstadt.

Wären Palmen zu sehen und das Foto schwarz-weiß, könnte man glatt an Fidel Castros Revolutionäre denken, nachdem sie 1956 erste Siege zur Eroberung Kubas eingefahren hatten. Der Coup der Störnsteiner Landjugend tut es auch eine Nummer kleiner, wenngleich er ziemlich spektakulär ist. Die Truppe freut sich über ihren Maibaumklau in Neustadt. Bild: exb
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Neustadt/Störnstein. Das Bekennerschreiben ließ nicht lang auf sich warten. "Sehr geehrte Damen und Herren! Hocherfreut geben wir bekannt: Seit den frühen Morgenstunden ist der 800-Jahre-Jubiläums-Maibaum in unserer Hand! Um eine Verarbeitung in Brennholz zu vermeiden, sind wir bereit über eine Auslöse zu verhandeln ..." Am Montagmorgen ging es dann tatsächlich um den Freikauf des Frühlingsboten, der am Dienstagnachmittag zentrales Element der Maifeier am Stadtplatz sein soll. Nachdem Mitarbeiter des Neustädter Bauhofs sich davon überzeugt hatten, dass der Stamm beim Abtransport nicht schaden genommen hat, blieb Bürgermeister Rupert Troppmann gar nichts anderes übrig, als das Lösegeld zu begleichen: 2 Hektoliter Bier und eine warme Brotzeit für rund 25 Jugendliche, die an dem Coup beteiligt waren. Die kommen der Stadt aber ihrerseits ein Stück weit entgegen. Am Dienstag fahren sie ihre hölzerne Geisel in einer Art Umzug zum Stadtplatz. Das Störnsteiner Feuerwehrauto bildet die Eskorte, die Jugendlichen tauschen ihre schwarzen Kapuzenjacken von der Diebstahlsnacht gegen schicke Tracht. Um 11.30 Uhr kommt es zur offiziellen Übergabe. Schaulustige sind ausdrücklich willkommen. Damit können die Neustädter pünktlich um 14 Uhr ihren Jubiläumsbaum in die Höhe hieven und um 14.30 Uhr wie vorgesehen ihr Maibaumfest mit Stadtkapelle, Oberpfälzer Waldverein, Bürgerwehr und Trachtenverein starten. Nachdem alles glattgegangen ist, verrät Felix Kraus, der Vorsitzende der Störnsteiner KLJB, auch, wie seine Truppe das geschafft hat. "Wir sind in der Richtung sehr aktiv und haben uns im Vorfeld überall ein bisschen umgeschaut", sagt er verschmitzt. "Dann haben wir diesen Baum in einer ehemaligen Halle von Zaunbau Adam entdeckt."

Dort, an der alten Tirschenreuther Straße, waren die Türen zwar verschlossen, durch ein Seitenfenster gelang den Entführern aber der Einstieg. Am Sonntag gegen 3 Uhr am Morgen öffneten sie von innen die Tore und transportierten ihren Fang mit einem Traktor nach Störnstein.

Diese Vorgehensweise findet Neustadts Bürgermeister Rupert Troppmann nur bedingt gelungen. "Ich will hier nicht der Spaßverderber sein und zahle die Auslöse, aber ob es etwas mit Brauchtum zu tun hat, wenn man in einem Gebäude ein Fenster eindrückt, weiß ich nicht." Ärgerlich: Der Baum war extra nicht wie bisher auf dem Bauhofgelände gelagert, wo ihn ein Trupp von Antenne Bayern vor drei Jahren klaute und die Neustädter eine Riesensause für die Radiohörer ausrichten mussten.

So gesehen sind die 200 Liter Bier und ein paar Bratwürste oder Leberkäs geradezu ein bescheidener Tarif.

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