Weihnachten in der Wahlheimat Schweden
Glöck und Rentierbraten

Keine Sorge: Dieses Rentier landet bei Walter Heidenreich nicht auf dem Teller. Es gehört einem Freund, der Schlittentouren anbietet und mit dem der Oberpfälzer kurz vorher auf Tour war. Bilder: hfz/Heidenreich (2)
 
"Ständige Vertretung des Freistaates Bayern für Norrbottens Län.: W. Björnson alias Heidenreich", steht auf dem Schild, das ihm Freunde geschenkt haben. "Noch lieber gewesen wäre mir: Ständige Vertretung des Bezirks Oberpfalz."

Das Julbord hat Walter Heidenreich bereits hinter sich. "Das ist fast wichtiger als das Weihnachtsfest." Alle Dorfbewohner kommen da zusammen bei einem großen Büfett. 15 bis 20 sind das im Ort Murjek in Schweden: fünf Kilometer südlich vom Polarkreis.

Dazu reisen Freunde, Verwandte und ehemalige Dorfbewohner an. "Bei uns war das heuer in der ersten Adventswoche", erzählt Walter Heidenreich. Es wird groß aufgetischt: Rentierfleisch, Lachs, Hering, Salate, Fleischbällchen und der traditionelle Weihnachtsschinken. Gefeiert wird im Dorfgemeinschaftshaus. Ein wichtiger Tag ist auch das Lucia- Fest. Dieses Lichterfest wird am 13. Dezember in ganz Schweden gefeiert. Nach dem Gottesdienst trifft man sich zu Kaffee, Kuchen und ganz wichtig: Milchreis mit Zimt.

"Bei uns hier am Polarkreis ist schon einiges anders", sagt der ehemalige Kreisfachberater für Garten- und Landschaftsbau. 2012 hat er sich in Nordschweden niedergelassen, fühlt sich dort heimisch, redet von "uns" und "wir". Von Bevölkerungsdichte kann in seiner neuen Heimat keine Rede sein: 0,3 Menschen kommen in der Jokkmokk-Kommune, so nennt sich der Landkreis, auf einen Quadratkilometer. Am Donnerstagmorgen war er auf Fuchsjagd. Er hat nichts geschossen. Dafür ist es langsam hell geworden. "Es ist schön, das zu sehen."

Aktuell wird es in Murjek um 8.30 Uhr hell, um 15 Uhr dunkel. Von 6. Dezember bis 6. Januar bekommen die Bewohner die Sonne allerdings nicht zu sehen. "Sie spitzt erst am 6. Januar wieder über den Horizont. Für ein paar Minuten." Tagsüber wirkt der Himmel deshalb eher rötlich wie bei einem Sonnenuntergang. "Dafür ist es nachts glöckerlhell draußen, wenn wir Schnee haben und der Mond scheint."

Bis zu 1,5 Meter Schnee

50 Zentimeter der weißen Pracht liegen bisher. Ein Meter wird noch dazu kommen, rechnet der 65-Jährige. Genauso wie die Temperatur noch tiefer sinken dürfte. Mit minus 12 bis 15 Grad rechnet er über Weihnachten. "Normal wären aber minus 15 bis 25 Grad. Der Klimawandel lässt grüßen." Da kann man die Sauna so richtig genießen. Am Freitagabend vor Weihnachten stand sie bei Walter Heidenreich auf dem Programm. "Das ist ein Extra-Bau in unserem Dorf. Dort trifft man sich wie in der Oberpfalz im Wirtshaus." Dort gibt es Glöck, eine Art Glühwein aus Schwarzbeeren und Nüssen, dazu Lebkuchen. Quasi zum Aufwärmen für das Weihnachtsfest.

Den Heiligen Abend feiert Walter Heidenreich mit einer befreundeten Familie, die aus der Nähe von Frankfurt stammt. Die Weihnachtsmesse wird in Murjek am ersten Weihnachtstag um 9 Uhr abgehalten. "Es gibt hier nur drei Pfarrer, die viele weit verstreute Gemeinden zu betreuen haben." Heidenreich rechnet damit, dass fast alle Dorfbewohner kommen werden. Anschließend trinkt man gemeinsam Kaffee. Am Nachmittag gibt es ein Weihnachtskonzert. Abends feiert er mit einem Jagdfreund bei Rentierbraten, böhmischen Knödeln und Rotkappen.

Natur pur. Das fasziniert den 65-Jährigen an seiner neuen Heimat. "Bei uns gibt es noch Wild, das man in Bayern nicht sieht. Wölfe ziehen durch. Es gibt Bären und Luchse. Auerhuhn, Schnee- und Birkhühner sind hier so zahlreich, dass sie gejagt werden dürfen. In Bayern stehen sie auf der roten Liste." Im September ist er seinem ersten Braunbären begegnet. "Einer hat sich zwei, drei Meter vor mir aufgerichtet zum Scheinangriff. Da hab ich ihn angeschrien. Er ist wieder runter und im Wald verschwunden. Das ging alles ganz schnell. Ein tolles Erlebnis. Der zweite ist etwa 30 Meter entfernt an mir vorbeigezogen." Nicht zu vergessen die Elche und Rentiere.

Der nächste Laden ist 20 Kilometer entfernt. Wenn Heidenreich etwas besonderes benötigt, muss er sogar 160 Kilometer bis nach Lulea fahren. "Da darf man nichts vergessen", lacht er. Doch in vielen Dingen ist der passionierte Jäger - "mein Revier hier hat 4000 Hektar, ein Traum" - ohnehin Selbstversorger. Fische angelt er in Seen und Flüssen der Region oder im Meer bei Norwegen. Rentierfleisch erhält er vom befreundeten Sami, schließlich gehört die Region zu Lappland. Elche schießt Heidenreich selbst. Kein Wunder, dass der 65-Jährige sagt: "Mit Schweinefleisch haben wir es hier nicht so." Dafür ist Walter Heidenreich mit seinen böhmischen Knödeln, die er im Gemeinschaftshaus gekocht hat, bei allen gut angekommen. "Die wollten sie gerne wieder haben."

Hügel wie in der Oberpfalz

Doch, so wohl er sich auch in Schweden fühlt. Seine alte Heimat ist für ihn nicht vergessen. "Dieses Jahr war ich schon zwei Mal dort." Er findet sogar die Landschaft in seiner neuen Heimat sehr ähnlich. "Die sanften Hügel hier erinnern mich an die Oberpfalz."
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