21.03.2018 - 14:56 Uhr
Neustadt an der Waldnaab

Gemeinschaft Weiden tritt der großen Gemeinschaft Bayern bei Milcherzeuger suchen Schulterschluss

Die Mitgliederzahlen sinken von Jahr zu Jahr, die Menge der in den Mitgliedsbetrieben der Milcherzeugergemeinschaft Weiden (MEG) erzeugten Milch steigt dagegen kontinuierlich an. Knapp 99 Millionen Kilogramm lieferten die 356 Mitglieder an die Privatmolkerei Bechtel und damit die höchste Menge seit der Gründung im Jahr 1977. Die durchschnittlich erzeugte Menge je Betrieb kletterte auf einen Wert von 271 028 Kilogramm.

Die MEG Weiden blickte bei der Mitgliederversammlung auf das Jahr 2017 zurück (von links): Rechtsanwalt Roman Fischer, Geschäftsführer Hans Winter, AELF-Chef Dr. Siegfried Kiener, MdL Annette Karl, Vorsitzender Manfred Venzl, Kreisobmann Josef Fütterer sowie Georg Müller und René Guhl von den Naabtaler Milchwerken. Fotos: Benedikt Grimm
von Benedikt GrimmProfil

Damit sei fast die Marke von 275 000 Kilogramm erreicht, die sich finanziell positiv auf den Erzeugerpreis auswirken würde. Bei der Mitgliederzahl gab es neben 16 Abgängen auch drei Neuzugänge. Vorsitzender Manfred Venzl lobte die "immer freundlichen, konstruktiven, partnerschaftlichen und fairen Gespräche" mit Bechtel. Bei sechs Milchmarktgesprächen 2017 konnte im Schnitt ein Preis von 35,77 Cent je Kilo ausgehandelt werden. Das bedeute eine leichte Überzahlung von 0,03 Cent gegenüber dem von der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) Bayern ermittelten Wert. "Es wäre erfreulich, wenn wir diese Zahlen weiter hätten", sagte Venzl.

Lob für den "aktiven und immer gut vorbereiteten Vorsitzenden" sprach Geschäftsführer Hans Winter aus, der die Jahresrechnung der MEG vorstellte. "Es gibt neue Konstellationen, bei denen man etwas neu bewerten muss und ich denke, die haben wir jetzt", sagte Venzl mit Blick auf die anstehende Entscheidung über einen Beitritt zur Bayern-MEG.

Einige Kosten könnten dadurch eingespart werden. Auf der anderen Seite belasteten rund 4000 Euro Mitgliedsbeiträge. Als Vorteile der Bayern-MEG nannte Venzl die starke Gemeinschaft nach dem Agrarmarktstrukturgesetz mit einem starken Netzwerk, die eine kartellrechtskonforme Vermarktung und ein koordiniertes Auftreten gegenüber der Milchwirtschaft ermögliche. Zudem bestehe Zugriff auf tagesaktuelle Milchpreise von über 30 Molkereien.

"Ein ganz großer Punkt ist, dass die Satzung der Bayern-MEG vor drei Jahren geändert wurde - dahingehend, dass die MEGs weiterhin selbstständig entscheiden. Wir verlieren nichts an Eigenständigkeit", betonte Venzl. Einsparungen ergäben sich bei der Haftpflichtversicherung, der BBV-Rechtsberatung und bei der Milchberatungs-GmbH, so dass lediglich rund 1000 Euro Mehrkosten verblieben. Mit zwei Gegenstimmen votierte die Mitgliederversammlung für den Beitritt im Oktober 2018. Einstimmig fiel das Votum für die Beibehaltung des Mitgliedsbeitrags von 0,01 Cent der Milchmenge 2017.

Roman Fischer, Rechtsanwalt der Geschäftsstelle München, stellte einige Änderungen an der Satzung der MEG Weiden vor. Unter anderem soll es statt vier Stellvertretern künftig einen ersten und einen zweiten Stellvertreter sowie zwei weitere Beisitzer geben. Mit zwei Gegen- und 114 Ja-Stimmen wurde die Satzungsänderung wirksam beschlossen. Landtagsabgeordnete Annette Karl betonte, dass jeder siebte Arbeitsplatz in Bayern von der Landwirtschaft abhänge. BBV-Kreisobmann Josef Fütterer beklagte die neuen Vorgaben zur Düngebedarfsermittlung. Landwirte müssten sich teilweise eine Woche lang einarbeiten, um den komplizierten Anforderungen nachkommen zu können. "Eine so gewichtige Molkerei, wie die Naabtaler Milchwerke, braucht eine starke MEG um für die Milchbauern gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen angemessenen Erlös zu sichern, um die Volatilität der Märkte etwas abzupuffern und um den Milchbauern eine starke Position gegenüber dem Gesetzgeber zu schaffen", sagte Amtsleiter Siegfried Kiener, der letztmalig vor dem Ruhestand bei der MEG-Versammlung sprach.

Der Geschäftsführer der Naabtaler Milchwerke René Guhl sprach von 2017 als einem wichtigen Jahr, um sich nach den verheerenden 2016 und 2015 finanziell wieder erholen zu können. Im Binnenmarkt gehe die Nachfrage nach Konsummilch nach unten, am Weltmarkt sei seit 2015 eine deutlich langsameres Nachfragewachstum als in den ersten Jahren des Jahrzehnts zu verzeichnen. Das Drei-Jahres-Hoch bei 36 Cent je Kilogramm im Jahr 2017 sei vor allem durch hohe Fettverwertung erreicht worden.

Wir verlieren nichts an Eigenständigkeit.Manfred Venzl, Vorsitzender der MEG Weiden.

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