18.04.2018 - 12:54 Uhr
Oberpfalz

Marina Fütterer aus Neustadt mit renommiertem Förderpreis ausgezeichnet: "Ich lebe meinen Traum"

Marina Fütterer kann stolz sein: Die 30-jährige Neustädterin hat am Mittwoch in Berlin zusammen mit zwei Kollegen einen renommierten Förderpreis bekommen. Drei bis vier Millionen Euro erhalten die drei Forscher, um ihr eigenes Pharma-Unternehmen zu gründen.

Marina Fütterer, gebürtige Neustädterin, mit Gruppenleiter Dr. Oliver Thorn-Seshold (links) und Projektleiter Dr. Petar Marinkovic. Das Forscherteam der Ludwig-Maximilians-Universität erhält am Mittwoch den renommierten Förderpreis der Gründungsoffensive Biotechnologie. Bild: exb
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Neustadt/Berlin. "Ich lebe meinen Traum", erzählt Marina Fütterer. "Wer hat schon in so jungen Jahren Gelegenheit, ein Pharma-Unternehmen zu gründen?" Die 30-Jährige hat nicht nur Grips, sondern auch Glück. Nach dem Abi 2007 am Gymnasium in Neustadt studierte sie Biochemie in München und promovierte am dortigen Helmholtz-Zentrum im Bereich der Diabetes-Forschung. Direkt danach hat sich die In-Vivo-Biologin erfolgreich für das Department Pharmazie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München beworben und ist in das nun ausgezeichnete Team aufgenommen worden. Zusammen mit Projektleiter Dr. Petar Marinkovic und Gruppenleiter Dr. Oliver Thorn-Seshold arbeitet sie seitdem am Ziel, ein Start-up-Unternehmen im Biotechnologie- und Pharma-Bereich zu gründen.

Damit wollen sie ein Medikament auf den Markt bringen, das die Chemotherapie von Tumorpatienten verbessert. "Die Studien in diesem Bereich sind langwierig und teuer. Es gibt ein riesiges finanzielles Loch zwischen der Forschung und der Praxis", erklärt die 30-Jährige. "Wir können an der Universität Basis-Experimente machen, aber die sind für die Zulassung des Medikaments zur Anwendung im Menschen nicht ausreichend. Und die Deutsche Forschungsgesellschaft vergibt zwar durchaus viel Geld, aber nicht für Gründungsvorhaben mit wirtschaftlichem Potenzial."

Drei bis vier Millionen Euro bekommt das Team vom größten Förderprogramm Deutschlands zur Unterstützung von Biotec- und Pharma-Start-ups. "Der genaue Betrag steht erst Ende diesen, Anfang nächsten Jahres fest." Mit dem Geld soll nicht nur später das Unternehmen gegründet, sondern die Forscher auch "zu Gründern werden, die das Unternehmen leiten", sagt Fütterer. Teil des Programms sind daher MBA- und BWL-Fortbildungen sowie Business-Coachings.

Die Neustädterin hat sich "vorweg schon sehr für Start-ups interessiert und an die Gründerszene herangetastet", zum Beispiel durch die erfolgreiche Teilnahme an einem Businessplan-Wettbewerb. In der ersten Auswahlrunde für die Förderung im Juni 2017 gab es 68 Bewerber-Teams. "15 davon kamen in die Endrunde. Wir mussten einen Businessplan und unsere Vision vorstellen. Wir haben bis 2028 alles durchgeplant." Nach der Abschlusspräsentation blieben acht Teams übrig, die nun gefördert werden.

Das Thema, an dem die drei Forscher arbeiten, macht Hoffnung, wenn auch sehr vage. Das Medikament, das auf den Markt gebracht werden soll, soll idealerweise zwei grundlegende Probleme der derzeitigen Chemotherapie lösen: die mangelhafte Wirksamkeit und starke Nebenwirkungen. Dies konnte auch bereits in ersten Laborversuchen gezeigt werden. Geeignet sein soll es "gerade für Patienten mit schwer zu behandelnden Tumorarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs". Fütterer sieht darin vor allem einen "Gewinn an Lebensqualität, auch für solche Patienten, die nur noch kurze Zeit zu leben haben".

Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun, und das Risiko ist hoch: "Unser Vorhaben ist patentrechtlich noch nicht in trockenen Tüchern. Wir wollen 2024 mit den klinischen Studien am Menschen beginnen, idealerweise erfolgt 2028 die Zulassung. Aber es kann noch alles schiefgehen."

Am Mittwoch nahm das Team bei den Biotechnologie-Tagen in Berlin die Auszeichnung von Staatssekretär Georg Schütte entgegen und feierte dies. Kurzes Durchatmen, bevor die Arbeit am Projekt und den Studien weitergeht.

Gründungsoffensive Biotechnologie

Mit der Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio) unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Wissenschaftler aus den Biowissenschaften. Weil die Studien in diesem Bereich langwierig, kostenintensiv und damit risikoreich sind, wagen nur wenige Forscher den Sprung vom Labor in die Wirtschaft, heißt es auf der Website der Offensive. Das Förderprogramm schließe somit eine Finanzierungslücke und setze bewusst in der Frühphase der Projektentwicklung an. Dadurch "können die Teams unter optimalen Bedingungen ihre Ideen weiterentwickeln, um sie später im Zuge einer Unternehmensgründung in kommerzielle Produkte und Dienstleistungen zu transferieren", heißt es weiter. Das Programm beinhaltet daher auch die Vermittlung von unternehmerischem Know-How. "Durch die substanzielle Finanzierung, die praxisnahe Ausrichtung und das hohe Renommee gilt eine GO-Bio-Förderung sowohl bei wissenschaftlichen Teams als auch Investoren als Qualitätskriterium und ist deshalb äußerst begehrt." (jak)

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Mehr Informationen zum Förderprogramm:

www.go-bio.de

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