03.07.2017 - 19:40 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Sabine Frank leitete internationalen Workshop in Teheran Als Frau nie unwohl gefühlt

In den Köpfen spuken die Klischees von Sittenwächtern, autoritärem Gottesstaat, Todesstrafe oder Steinigung nach Ehebruch: Wenn vom Iran die Rede ist. Ein ganz anderes Bild gewinnt die Oberpfälzer Design-Beraterin Sabine Ivey-Frank von diesem Land.

Nur gute Eindrücke im Iran gewonnen: Mit diesem Schal bedeckte Design-Beraterin Sabine Ivey-Frank ihr Haar. Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Neustadt/Teheran. Die Neustädterin - Spross aus der regionalen Glas-Dynastie Nachtmann - leitete in Irans Hauptstadt Teheran einen internationalen Workshop. Sie weilte das zweite Mal in Persien.

Wie kamen Sie zum Iran in wirtschaftlichen Kontakt?

Sabine Ivey-Frank: Über eine in der Maschinenbau-Branche tätige Freundin, die international unterwegs ist. Es ging bei meinem einwöchigen Aufenthalt in Teheran um konkrete Projekte für das Design von Glas. Ich konnte ein wenig in die Kultur reinschnuppern und in das Alltagsleben eintauchen.

Iran und Glas?

Mein Partner ist ein alteingesessenes Familien-Unternehmen im Iran. Der mittelständische Betrieb fertigt in riesigen Stückzahlen Gläser, Schalen oder Teller preiswert für den inländischen Markt.

Wo liegen die Unterschiede im deutschen und persischen Glas-Design?

In Deutschland ist das Design puristisch und minimalistisch geprägt. Im Iran fällt die Glas-Deko viel reicher aus, auch in den Farben. Ein phantastischer Schatz! Bisher lehnte sich der Iran häufig an das Design deutschen und böhmischen Glases aus dem frühen 20. Jahrhundert an.

Wir wollen zu einem eigenständigen - persischen - Design kommen, und dafür in die Kultur des Landes eintauchen, beispielsweise die Deckengewölbe von Moscheen mit ihren floralen Mustern als Inspiration.

Wie fühlten Sie sich als - westliche - Frau im Iran?

Zu keinem Zeitpunkt unwohl. Bei meinem ersten Besuch im Januar war ich arg nervös. Ich bin immer mit Iranern unterwegs gewesen, die in den USA oder Großbritannien studiert haben. Die Verständigung erfolgte problemlos in Englisch. Es ist keinesfalls so, dass man auf den Straßen angestarrt wird. Der Norden Teherans ist reich und modern, der Süden ärmer und konservativer. Natürlich sticht man hier als Europäerin etwas hervor.

Wie steht es um die Verhüllung der Haare?

Per Gesetz besteht Kopftuch-Pflicht beim Verlassen des Flugzeugs. Ich sah im Iran zwar viel Polizei, aber keine Sittenwächter. Während des Ramadans durfte in der Öffentlichkeit nichts gegessen und getrunken werden. Bei den Konferenzen war ich aber gut vorsorgt. Die persische Küche ist ein Traum. Im Norden Teherans herrscht ein gehobenes Preisniveau, vergleichbar mit München.

Ihr Fazit?

Ich begegnete einer Kultur, die ich sonst nie kennengelernt hätte. Ich hoffe, bald wieder im Iran zu sein, den ich jeden Touristen nur nahe legen kann. Die Menschen sind gast- und kontaktfreundlich. Es wird einem leicht gemacht, positive Eindrücke zu sammeln.

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