26.09.2017 - 17:02 Uhr
NiedermurachOberpfalz

Ausstellung in Pertolzhofener Kunsthalle über zeitgenössische Plastik Dem Biber klar überlegen

Rote Tupfen sind genauso erlaubt wie rostige Blechbahnen und Klebeband. Die zeitgenössische Skulptur darf das. Sie hilft sehen lernen, meint Künstler Heiko Herrmann - und stellt doch die provokative Frage: Sollen wir nicht das Arbeiten den Bibern überlassen?

von Monika Bugl Kontakt Profil

 Pertolzhofen. Auf dem Info-Zettel zur jüngsten Ausstellung in der "Pertolzhofener Kunsthalle" prangt ein Kunstwerk, das nicht auf das Konto eines Menschen geht. "Sieht doch aus wie ein Kopf", kommentiert der Pertolzhofener Kunstvereinsvorsitzende Heiko Herrmann das Foto von einem Baumstamm, den ein Biber angenagt hat. So ganz ernst aber nimmt er den tierischen Künstler nicht.

Im Kunst-Container am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg jedenfalls hat das Werk des Bibers nun doch keinen Platz gefunden. Dafür sind hier viele Künstler vertreten, deren Arbeiten den Stammgästen bei den "Pertolzhofener Kusntdingertagen" vertraut sind: Pomona Zipser hat ein hängendes Gebilde zurückgelassen, dessen Mechanismus sie bei dem 14-tägigen Symposium erforscht hat. Von Menno Fahl stammt eine Bronze-Skulptur, die in die Höhe strebt, und Martina Benz hat ein Ensemble mit Pflastersteinen zurückgelassen.

Heiko Herrmann selbst kann die mit ansehnlichem Rost überzogenen Objekte aus Metall für sich reklamieren. Inspiriert dazu hat ihn Willi Weiner, dessen Seenlandschaft aus Stahl auch mitten im Container gut zur Geltung kommt. Objekte von Harald Björnsgard, Hans Matthäus Bachmayer, Ossi Fink, Claudette Griffith und Sven Malvin ergänzen die Sammlung, die Kunst auch von der heiteren Seite beleuchtet.

"Es gibt in der Kunst immer eine Fraktion, die meint, dass Kunst aus Leid entstehen muss", berichtet Heiko Herrmann, der die Ausstellung zusammengestellt hat. "Ich denke, dass Kunst aus Freude am Leben entsteht", offenbart er seine ganz persönliche Sicht auf die Welt und ist überzeugt: "Ohne Kunst würde der Mensch gar nichts sehen: keinen Baum, kein Haus, keine Sonne. Das Erkennen läuft doch immer über Reflexion." Herrmann hat dafür auch ein Beispiel parat: "Die Impressionisten haben uns gelehrt, dass Luft eine Farbe hat, dass sie blau sein kann, aber auch gelb." Was die Kunst noch alles lehrt, darüber lässt sich auch beim Blick auf die "Positionen zeitgenössischer Plastik" grübeln, wenn Bronze eingekleidet in Farbe wie Holz daherkommt oder schwere Granitsteine sich in die Lüfte schwingen.

"Es bedarf eben doch einer gewissen Gestaltung, so einfach ist das nicht", meint Herrmann mit Blick auf den Konkurrenten aus der Tierwelt - "auch wenn es sicher einige gibt, die das, was der Biber macht, auch für Kunst halten".

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.