Kunstdingertage Pertolzhofen starten heuer in die 25. Saison
In 25 Treffen viel "erpinselt"

Die Ausstellung zum Abschluss der Kunstdingertage bietet Einblick in das Werk vieler Künstler mit unterschiedlichen Ansätzen.
Kultur
Niedermurach
12.01.2018
102
0
 
Im Pertolzhofener Atelier von Heiko Herrmann treffen sich jeden Sommer für zwei Wochen Künstler aus allen Himmelsrichtungen und lassen hier das Landleben auf sich wirken. Die Ergebnisse können Interessierte auch heuer zum Abschluss der "25. Kunstdingertage" am 30. Juni bewundern. Archivbilder: Bugl (2)

Wer Lüngerl mit Knödel nicht mag, ist in der Computerbranche besser aufgehoben als in der Kunst. Diese Weisheit hat Heiko Herrmann ein Lehrmeister mit auf den Weg gegeben. In seinem Pertolzhofener Atelier macht der Künstler heuer zum 25. Mal auch noch Kollegen satt.

-Pertolzhofen. Dass Lüngerl mit Knödel als Spar-Menü heuer bei den "Pertolzhofener Kunstdingertagen" auf den Tisch kommt, ist eher unwahrscheinlich. Schließlich gibt es etwas zum Feiern: Zum 25. Mal versammeln sich heuer acht Künstler für zwei Wochen im früheren Zehentstadel von Pertolzhofen, den Künstler Herrmann zum Atelier umgebaut hat - ein kleines Jubiläum. Vor mehr als 25 Jahren hat damit die moderne Kunst den kleinen Ort erobert, ein Kunstverein sorgt für eine solide Basis, und sogar eine "Kunsthalle" hat sich etabliert.

Im Jubiläumsjahr der "Kunstdingertage" gibt es laut Organisator Herrmann ein Wiedersehen "mit allen erreichbaren Künstlern der letzten 25 Jahre aus der Sammlung König in München". Einige Werke sind aktuell bereits in der "Kunsthalle", dem Kunst-Container am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg, ausgestellt: "Positionen zeitgenössischer Plastik II" lautet der Titel dieser Schau, die noch bis 30. März zu sehen ist (siehe Info-Element). 25 Jahre Kunstdingertage sind untrennbar verbunden mit der Biografie von Künstler Heiko Herrmann, der - nach seinem Werdegang gefragt - häufig Lehrmeister Heimrad Prem zitiert. Der bringt dem jungen Maler bei, dass ein Künstler auch mit dem billigsten Essen in einer bayerischen Wirtschaft (Lüngerl mit Knödel) zufrieden sein muss, weil man von der Malerei kaum leben kann. Prem ist es aber auch, der ihm den Sinn für die Kunstgeschichte vermittelt. "Ein Maler muss genauso wie ein Elektriker wissen, was vor ihm gemacht und erfunden wurde, sonst kann er sein Handwerk nicht ausführen", zitiert Herrmann seinen früheren Mentor.

Malen mit Freunden

Prem hielt aber auch viel von Kunst in der Gruppe - und war damit wegweisend für die "Kunstdingertage". Denn sein "Lehrling" sammelte schon bald Erfahrungen als Mitglied des Kollektivs Herzogstraße. Ab 1976 entspann sich dort in München ein reger Austausch mit hitzigen Diskussionen über Kunst und Leben. 1991 führte die Spur schließlich nach Pertolzhofen, wo Herrmann ein zweites Domizil für sich entdeckte. "Der Zehentstadel ist geräumig und lud von Anfang an dazu ein, mit Malerfreunden dort zu arbeiten", erinnert sich der Künstler. So seien schließlich 1993 die "Pertolzhofener Kunstdingertage" entstanden, ein Künstlersymposium, oder wie der Urheber meint "wiederum ein Versuch, dem Geheimnis der Kunst und des Lebens gemeinsam auf die Sprünge zu helfen".

Kunstszene triff Blasmusik

Um das Projekt auf Dauer zu sichern, wurde 2005 der Kunstverein Pertolzhofen gegründet. Besonders präsent aber ist die moderne Kunst in dem kleinen Ort, wenn zum Abschluss von zwei Wochen befruchtender Arbeit die beteiligten Künstler ihre Werke in Atelier und Garten von Heiko Herrmann ausstellen und gemeinsam mit vielen Gästen aus dem Dorf und der Kunstszene sowie der Pertolzhofener Blaskapelle Erfolge feiern. Verpflegung gibt es dann auch, und die kann sich auch der Hausherr leisten. Er wusste schon vor seiner Pertolzhofener Zeit, worauf er sich da mit der Malerei eingelassen hat. "Es war wunderbar, als ich mir in den 80er Jahren in einer Wirtschaft Lüngerl und Knödel bestellte", rekapituliert der 64-Jährige sein Künstlerleben. Schon damals hat er bei dieser Mahlzeit ganz stolz zu sich gesagt: "Das hast du dir erpinselt."

Programm des KunstvereinsDer Kunstverein Pertolzhofen zeigt noch bis 30. März die Ausstellung "Positionen zeitgenössischer Plastik II" in der "Kunsthalle Pertolzhofen". Sie wird am 31. März abgelöst von Malerei aus Karlsruhe: Werke von Uwe Lindau unter dem Titel "Durst noch trotzdem" sind dort bis 17. Juni zu sehen. Die "Kunstdingertage" starten am 18. Juni und gipfeln in einem Abschlussfest mit Ausstellung am 30. Juni. Teilnehmer sind neben Hausherr Heiko Herrmann: Albert Beedi, Franz Burkhardt, Fink Ossi, Ruth Gilberger, Heribert Heindl, Pia Mühlbauer und Martin Schneider. Im Anschluss zeigt die Kunsthalle Werke von Teilnehmern der vergangenen 25 Jahre. Ab 4. August ist dann unter dem Titel "Corso" Armin Saub mit Malerei im Raum in der Kunsthalle zu Gast (bis 30. September). Für 8. September plant Heiko Herrmann den Start seiner Ausstellung zum Thema "Der Hackstock blüht". Es geht dabei um den Stock "in der Welt und in der Kunst". (bl) .
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.