23.06.2017 - 16:36 Uhr
NiedermurachOberpfalz

Pertolzhofen bietet Künstlern zum 24. Mal Gelegenheit zum Austausch bei den "Kunstdingertagen" Das Fremde als Würze

Mitten in die ausgewogene Komposition mit transparenten Rot-Tönen platzt ein großer Klecks schwarze Farbe. "Ab und zu muss man etwas riskieren", sagt Künstler Heiko Herrmann und bricht eine Lanze für das Fremde - in der Kunst, aber auch im Leben.

von Monika Bugl Kontakt Profil

Neidermurach-Pertolzhofen. Von fremden Einflüssen, davon profitieren seit einem Vierteljahrhundert auch die "Pertolzhofener Kunstdingertage". Es ist die Begegnung mit anderen Ideen und neuen Herangehensweisen in ungewohnter Umgebung, die so ziemlich alle Teilnehmer an dem 14-tägigen Künstler-Symposium reizt, auch die fünf Gäste, die sich heuer bei der 24. Veranstaltung dieser Art um den Pertolzhofener Kunstvereinsvorsitzenden Heiko Herrmann versammelt haben: Martina Benz, Menno Fahl, Franz Pröbster Kunzel, Jürgen Palmtag und Pomona Zipser.

Gegen Abschottung

Mit fremden Elementen will Künstler Herrmann sich diesmal selbst überraschen, einen Kontrapunkt setzen zu dem, was in Europa gerade als "Abschottung gegen das Fremde" läuft. "Das Fremde macht das Leben erst interessant", hat er festgestellt. "Es gibt kein glückliches Leben, wenn alle gleich sind." Martina Benz ist zwar ihren Pflastersteinen treu geblieben, mit denen sie schon vor zwei Jahren in Pertolzhofen experimentiert hat. Doch ihre Arbeit lebt von der ganz "artfremden" Verwendung der kleinen Granitwürfel, die sich aufgefädelt auf Eisenstangen in die Luft schwingen. In Osnabrück hat sie mit schwerem Gestein das Thema "Wasser" beackert - und aus Kopfsteinpflaster eine Wolke konstruiert, die sich abregnet.

Auch Pomona Zipser reizt die Verfremdung. In den vergangenen Jahren hat sie Alltagsgegenstände abgewandelt und in ein neues Licht getaucht. Jetzt erforscht sie den Mechanismus, der hängende Objekte auf reizvolle Weise per Gewicht verformt. Jürgen Palmtag hingegen driftet mit dem Rennrad fremden Eindrücken entgegen und sammelt sie für einen kleinen Film, den er zum Abschluss der "Kunstdingertage" am 1. Juli zeigen will. Vertrautes will er aber nicht einfach nur abbilden, sondern schablonenartig überlagert in Schwarz-Weiß servieren und per Tageslicht-Projektor an die Giebelseite des Pertolzhofener Zehentstadels projizieren.

Raus aus der Routine

Menno Fahl und Franz Pröbster Kunzel sind zum ersten Mal bei den "Kunstdingertagen" dabei. "Als Künstler ist man es normalerweise gewohnt, allein zu arbeiten", berichtet Fahl, "da ist so ein Austausch toll, man wird aus Alltagstrott und Routine rausgerissen". Auch in seinen Bildern schätzt er offene Strukturen - austauschbar sollten sie aber nicht sein. Eigenwillig ist auch Franz Pröbster Kunzel, wenn er statt Pinsel Zweige zum Zeichnen benutzt, wie ein Schamane eine Baumrinde als Trommel in Szene setzt oder mit schier unendlicher Geduld einen Weidenring nach dem anderen bastelt. "Davon habe ich jetzt schon einen vier bis fünf Meter hohen Berg", erzählt der Künstler. Ein paar hat er nach Pertolzhofen mitgebracht, sie sind fürs Abschlussfest mit Ausstellung am Samstag, 1. Juli, reserviert. Ab 16 Uhr stehen dann sechs fremde Welten für alle Kunstinteressierten offen (Führungen 18 und 19 Uhr).

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