23.02.2018 - 20:00 Uhr
Niedermurach

Kinder nicht über- und nicht unterfordern Für "Freiheiten in Grenzen"

Eltern kreisen oft ununterbrochen wie ein Hubschrauber über ihren Kindern, damit ihnen ja nichts passiert und achten ununterbrochen darauf "dass aus ihnen einmal etwas wird". Deshalb beginnt die "Förderung" bei manchen Eltern schon im Mutterleib.

Der Informationsabend in der Grundschule Niedermurach war gut besucht, der Referent Andreas Dandorfer sprach als Vater von zwei Töchtern auch aus eigener Erfahrung. Bild: frd
von Christof FröhlichProfil

Zu einem Informationsabend zum Thema "Forderung-Förderung-Unterforderung-Überforderung der Kinder im Kindergarten und Grundschulalter" fanden sich zahlreiche Eltern in der Grundschule ein. Als Referent konnte Diplomtheologe Andreas Dandorfer von der Förderstelle "Eltern und Familie" von der Seelsorge der Diözese Regensburg gewonnen werden, der zum Dialog mit den Eltern einlud und auch aus seinen Erfahrungen mit den eigenen zwei Töchtern sprechen konnte.

Nur das Beste

Grundschulrektorin Ortrud Sperl freute sich, dass sie neben den zahlreichen Eltern auch das "Team Kindergarten" aus Pertolzhofen begrüßen konnte, gilt doch die gemeinsame Sorge um das Wohl der Kinder neben den Eltern auch Kindergarten und Schule. Diplomtheologe Andreas Dandorfer unterstellt den Eltern, dass sie bei ihren Kindern sowohl bei der Über- als auch bei der Unterforderung das Beste für ihre Kinder wollen, jedoch dabei oft über das Ziel hinausschießen und manchmal sogar das Gegenteil von dem erreichen, was sie eigentlich wollten.

Bei machen Eltern gehe das schon so weit, dass sie ihr Kind schon vor der Geburt ganz nahe am Bauch der Mutter mit klassischer Musik "berieseln" lassen, was sie als eine erste Art der Kunstförderung verstehen. Wie bei allem im Leben, so der Referent, gilt es auch in der Kindererziehung und in der Förderung der Kinder einen Mittelweg zu finden, doch noch wichtiger sei es, dass die Kinder spüren, dass ihre Eltern mit Liebe und Fürsorge in jeder Lebenslage zu ihnen stehen und dass sie auch Fehler machen dürfen.

Zu den "Fehlern" führte der Referent aus: "Jeder Fehler ist ein Helfer im Lernprozess, er besteht sogar aus den gleichen Buchstaben wie jener", soll heißen, dass die Kinder aus gemachten Fehlern viel lernen und von sich aus versuchen, sie in einer anderen Situation nicht mehr zu machen. Wer mehrere Kinder hat, merke ganz schnell, dass Kinder nicht in eine Norm passen und dass kein Kind wie das andere ist. Deshalb sollten den Kindern Ziele vorgegeben, sie aber keinesfalls zu Höchstleistungen angehalten oder gar durch entsprechende Strafmaßnahmen dazu gezwungen werden.

Die Kinder sollten auf ihrem Weg zum Erwachsenen "Freiheiten in Grenzen" eingeräumt werden, wobei sie lernen müssen dass, wenn sie hinfallen, auch von selbst wieder aufstehen und weitermachen müssen. Gelobt sollten sie nur werden, wenn sie auch Außergewöhnliches geleistet und sich besonders dafür angestrengt haben. Auch daheim sollten die Kinder, speziell bei den Hausaufgaben "in Ruhe" gelassen werden, denn wenn sie Hilfe benötigen kommen sie schon von selbst zu den Eltern. Auch Eltern müssten oft noch lernen, dass es so gut wie keine Familie im "goldenen Rahen" gibt, bei der alles passt und nur positive Dinge geschehen.

Nicht überfordern

Die echte Familie beweise sich oft erst, wenn sie zusammensteht, wenn auch nicht alle so gut läuft, wie man sich das wünscht. Auch in der Freizeitgestaltung dürften Kinder nicht durch zu viele Aktivitäten "überfordert" werden, wenigsten drei Tage in der Woche sollten davon freigehalten werden, da mit sich das Kind erholen und den Ausgleich suchen kann, den es möchte.

Wer sein Kind innerhalb gewisser Regeln und Grenzen, mit gewissen Freiheiten und in familiärer Geborgenheit aufwachsen lässt, fahre meist ganz gut dabei.

Oft sollen die Kinder schon im Mutterleib gebildet werden.Diplomtheologe Andreas Dandorfer

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