16.08.2017 - 19:04 Uhr
NittenauOberpfalz

Der "Stoapfälza Jedermann" feiert umjubelte Premiere Ein Meisterstück

Auferstanden in der atemberaubend malerischen Kulisse des Steinbruches Treidling ist der "Stoapfälzer Jedermann". Und mit ihm die uralte Geschichte vom steinreichen lebenslustigen Mann, der keine Gedanken an die Begrenzung des irdischen Lebens verschwendet. Dem Theater- und Festspielverein ist sein Meisterstück gelungen.

von Ingrid SchiederProfil

Der Tod pirscht sich leise an, nur als Hauch, aber doch real, zunächst. Lässt sich der Tod mit irdischen Maßstäben messen oder gar bestechen? Die Antwort erhielt das Publikum bei der Premiere und bei den weiteren Aufführungen des bedeutungsschweren Stücks, das Regisseurin Christina Fink-Rester umgeschrieben hat. Die Sinnhaftigkeit ist geblieben, neu ist die Leichtigkeit und der Oberpfälzer Dialekt, gepaart mit einigem Lokal-Kolorit. Partizipieren konnte das Publikum bei allen ausverkauften Vorstellungen am Leben des Jedermann: Roter Teppich, ausgezeichnete Häppchen und edle Getränke bis hin zum "Kerschgeist", der noch eine Rolle spielen sollte.

Ein Hauch von Luxus

Ein sehr angenehmes Ambiente also mit einem unerwarteten Hauch von Luxus, schließlich stand die Bühne in einem Steinbruch. Sintflutartige Regenfälle tags zuvor und bis zum späten Nachmittag bereiteten den Verantwortlichen und den Darstellern des Theater- und Festspielvereins Nittenau Arbeit und Sorgen, die mit den ersten Sonnenstrahlen am Premierenabend am Freitag weichen konnten. Geblieben war die Kälte, gegen die sich die Zuschauer aber mit warmer Kleidung, Decken und Sitzkissen gewappnet hatten.

Ja, Anton Jedermann (Albert Meierhofer) hat es geschafft! Der erfolgreiche Gutsherr führt ein ausschweifendes Leben, Verwandte und Freunde suchen seine Nähe, um auch ein wenig von diesem Reichtum zu profitieren. Diese Ausschweifungen missfallen Gott, der seine Stimme (Alois Zinke-Baumann) zu Beginn des Stückes erhebt. Die Nittenauer City Girls zeigen bei ihrer ersten Darbietung schaurig-schön den Gegensatz zwischen schönem Schein und dem wartenden Tod, der die Menschen bereits im Leben umgibt. Jedermann verwöhnt seine junge Geliebte Kathi (Angelika Deml), lobt seinen Verwalter (Arnold Pöppl junior), lässt sich nicht lumpen bei gesellschaftlichen Anlässen mit seinen Vettern (Bernhard Birner und Gerd Habermeier).

Jedermanns Mutter (Franziska Meissel) wünscht sich, dass ihr Sohn glücklich wird und auch sein Seelenheil nicht außer Acht lässt. Doch ihre mahnenden Worte verhallen. Und auch der Schuldknecht (Thomas Zeidler) und seine Familie (Julia Zeidler, Celina Götzer und Florentin Zeidler) sowie der arme Scherenschleifer (Benjamin Boml) stoßen auf kein Verständnis in ihrer Not. Verachtung, Geiz und Unbarmherzigkeit schlagen ihnen von Jedermann entgegen. Gendarm (Jonas Meierhofer), der (Rudi von Bornas) und Knechte (Manuel Ederer, Lukas Ederer, Kurt Schmid) folgen auch lieber Jedermann als dem eigenen Gewissen.

Eine Stunde noch

"Ich habe das Paradies schon hier auf Erden, stehe mitten im Leben, bin gerade erst 50 Jahre alt, es ist noch lange nicht so weit", wischt Jedermann alle Bedenken weg. Und doch streift ihn der Hauch des Todes (Gunter Michl), um dann in voller Größe zu erscheinen. "Wenigstens eine Stunde noch", fleht Jedermann, versucht den Tod mit "Kerschgeist" zu überzeugen. "Das hat schon einmal einer versucht", erinnerte sich der Tod in Anlehnung an den "Brandner Kaspar". "Nutze die Stunde gut", ermahnt der Tod den Lebemann. Und der wird konfrontiert damit, dass ihm all sein Mammon (Lena Strunz) nichts mehr nützt, seine Geliebte und angeblichen Freunde ihn eben nicht begleiten wollen auf seinem letzten Weg. Das Gewissen (Margareta Breuer), Glaube und Zuversicht (Gerdi Wolf und Roswitha Schmidhuber) melden sich bei Jedermann. "Gott ist barmherzig", lautet deren Botschaft und ihr Versprechen ist, Jedermann zu begleiten. Das kann dem Teufel (Fritz Lanzl) so gar nicht gefallen. Doch der kann nichts mehr ausrichten.

Regisseurin Christina Fink-Rester gelang eine ausgesprochen gelungene Inszenierung, die viel verdienten Applaus erhielt. Die Spielfreude war den Darstellern anzusehen, auch die Choreographie, für die Lisa Schmid verantwortlich zeichnete, beeindruckte. Die Festszene lebte vom Charleston-Tanz und von der wechselhaften Stimmung. Krönender Abschluss des Stücks war ein Hochfeuerwerk, das den Steinbruch mit Blitz und Donner in ein ganz besonderes Licht tauchte.

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