09.04.2018 - 20:00 Uhr
NittenauOberpfalz

Erinnerung an ein Treffen mit Kurt Raab Wie das Jahr 1968 nach Nittenau kam

Von Wolfgang Houschka

von Autor HOUProfil

Schwandorf/Nittenau. 50 Jahre ist es her. Der heute bundesweit bekannte Journalist Heribert Prantl sitzt als junger Mitarbeiter des "Neuen Tag" in Nittenau einem Mann gegenüber, der an den Unruhen im Land seinen Anteil hat. Er heißt Kurt Raab und ist ein Schauspieler, der zum engen Umfeld des legendären Regisseurs Rainer Werner Fassbinder zählt.

In seiner SZ-Kolumne "Prantls Blick" hat der nun fast 65-jährige Journalist eine Begebenheit geschildert, die ohne ihn wohl nie mehr ins Rampenlicht gerückt worden wäre. In der Bundesrepublik waren 1968 politische Debatten ausgebrochen, geführt von Rudi Dutschke. Dann wurde Dutschke niedergeschossen. Ein studentischer Aufruhr begann.

Heribert Prantl ging damals auf das Nittenauer Gymnasium und half seinem Vater gelegentlich bei der Lokalberichterstattung für die Zeitung Der neue Tag. "Die Schüsse in Berlin und der Aufruhr waren ganz weit weg von unserer oberpfälzischen Provinz", schreibt er nun. "Doch dann", fährt Prantl fort, "kam der Aufruhr auch nach Nittenau. Genauer gesagt, war es ein Anführer".

Mitarbeiter Fassbinders

Der Mann hieß Kurt Raab. Er war Schauspieler, Mitbegründer des "antitheaters" in München, enger Mitarbeiter und Freund des bis heute legendären Filmemachers Rainer Werner Fassbinder. Raab, 1941 in Böhmen geboren, befand sich damit im engen Fassbinder-Kreis, zu dem auch Leute wie Karlheinz Böhm, Hanna Schygulla, Hark Bohm und Gottfried John zählten.

Kurt Raab saß dem Gymnasiasten Prantl in der Nittenauer Brauhausgasse gegenüber. Dort wohnte Raabs Mutter. Zeitungsausträgerin des "NT" und "die alte Raabin" genannt. Sie war mit ihrem Mann, einem Pferdeknecht, zu Beginn der 1960er Jahre in die Stadt gezogen. Heribert Prantl, heute Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung (SZ), kannte die Frau. Die "alte Raabin" hatte ihn eingeladen, sie und den prominenten Sohn zu besuchen. Was aber sollte er, der NT-Mitarbeiter, diesen Kurt Raab fragen?

Der damals 27-jährige Schauspieler nahm das Heft selber in die Hand. Er berichtete vom Theater, vom Aufstand der Jungen gegen die Alten, von der Unerträglichkeit herrschender Verhältnisse und von Fassbinder. "Ich verstand nicht viel von dem, was er gesagt hat", gesteht Heribert Prantl nun in seiner Kolumne. Also schlug er ihm vor, gemeinsam ins Freibad zu gehen.

Auf dem Weg dorthin, so kann man jetzt lesen, habe der Weg am Nittenauer Kino vorbei geführt. Und Prantl erinnert sich, dass Kurt Raab von einem "Scheißdreck" sprach, den man dort zeigte. Nichts für ihn, den links orientierten Fassbinder-Gefolgsmann. "So also kam das Jahr 1968 nach Nittenau in der Oberpfalz." Nicht lange darauf habe es am örtlichen Gymnasium einen "langhaarigen Lehrer für Kunsterziehung" gegeben. "Und auf einmal war 1968 nicht mehr nur ein Besuch."

70 Film- und TV-Rollen

Raab starb vor 30 Jahren - am 28. Juni 1988 - an Aids. Der Mann, dessen Mutter Zeitungsausträgerin in Nittenau (Kreis Schwandorf) war, spielte in über 70 Film- und TV-Rollen. Er war Titelheld in dem Streifen "Warum läuft Herr R. Amok?", stand in "Bolwieser" und "Satansbraten" vor der Kamera. Darüber hinaus machte er sich auch als Regisseur einen Namen. Seine letzte Ruhestätte fand Kurt Raab in Hamburg.

Heribert Prantl ist am Donnerstag, 12. April (20 Uhr), Gast in der Weidener Buchhandlung Rupprecht. Dort spricht er zum Thema "Die Kraft der Hoffnung - Denkanstöße in schwierigen Zeiten". Karten: Telefon 0961/482400 und an der Abendkasse.

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