30.06.2017 - 15:46 Uhr
NittenauOberpfalz

Kunst unter der Gewölbedecke

Glaubt man den Schilderungen der grandiosen Akustik der neuen Elbphilharmonie, so kann man dort in den obersten Rängen jedes Atmen der Musiker hören - und umgekehrt. Nun, das hat man in dem hohen schmalen Kapellenbau der Hofer Burg auch.

Der Auftritt von Gudrun Petruschka und Verena Kronseder bei den Hofer Konzerten begeisterte das Publikum. Bild: exb
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Mit dem Zusatzvergnügen, dass man ebenso die gespannte Aufmerksamkeit, den Blickkontakt, das tatsächliche Miteinander der Künstler selbst sehen kann. Das intime Raumgefühl verbindet Publikum und Musizierende zu einer tatsächlichen Einheit.

Ungewöhnliche Instrumente

Zu all den Ingredienzien eines Hofer Konzerts kam nun noch ein Wichtiges hinzu: das Vergnügen, wieder einmal nicht ganz gewöhnliche Instrumente zu hören und zu sehen. Diesmal war es neben Gambe und Laute vor allem die Theorbe, die mit seiner beeindruckenden Länge und 14 Saiten ein Mode-Instrument des 17. Jahrhunderts war.

Gudrun Petruschka, Spezialistin auf der Laute und der Theorbe, und Verena Kronseder, Gambistin und Blockflötistin, hatten sich ein sehr ausgefeiltes Programm gewählt: Frankreich versus Italien. Im Klartext hieß das: kleine Kompositionen, aus dem einen oder anderen Land, Überarbeitungen, Anregungen, auch Konkurrenzkompositionen wie gerade bei dem "Follia-Thema", das Marin Marais wie auch Arcangelo Corelli intensiv ausgekostet haben.

Virtuose Klanglandschaft

Es klingt nach einem Gesamtkonzept, das sich eher an Insider und Kenner der Alten-Musik-Szene wendet; aber es klingt auch nach "seid neugierig auf ...", und die aufgeschlossenen Zuhörer haben sich darauf eingelassen.

Gerade der erste Teil schien wie aus einem Guss zu sein, es wurde als ein Ineinanderfließen der verschiedenen Instrumente und Kompositionen dargeboten. Der unaufgeregte Wechsel zwischen Gambe und Blockflöte bei Verena Kronseder, während Gudrun Petruschka weiter auf Laute beziehungsweise Theorbe formulierte, hielt das Publikum tatsächlich vom allzu verdienten Applaus lange ab - so gefangen war es in dieser bis unter die hohe Gewölbedecke geschichteten virtuosen Klanglandschaft.

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Weitere Informationen:

www.nittenau.de

Die Musiker und das finale Konzert

Gudrun Petruschka schloss ihr Studium an der Musikhochschule Nürnberg (historische Lauten und Gitarren) 2011 mit Diplom mit Auszeichnung an. Bis 2013 studierte sie an der Schola Cantorum Basiliensis im Masterstudiengang. Sie spielt in mehreren Originalklang-Ensembles.

Verena Kronseder studierte an der Musikhochschule Nürnberg Viola da Gamba und Blockflöte und schloss am Königlichen Konservatorium in Brüssel 1995 ihr Meisterdiplom mit Auszeichnung ab. Ihr Spektrum liegt zwischen mittelalterlicher Musik, historischem Tanz, Konzerttätigkeit und Unterricht und macht vor der E-Gambe nicht Halt.

Am Samstag, 1. Juli, folgt das letzte Hofer Konzert 2017, dann wird die Soloklarinettistin Sigrun Felicitas Vortisch mit dem Dalberg-Quartett Regensburg eine Reise von Wien nach St. Petersburg unternehmen.

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