Kurt Seibert spielt bei Rathauskonzerten
Selten gehörte Werke

Kurt Seibert präsentierte beim Rathauskonzert in Nittenau auch selten gehörte Stücke von Chopin. Bild: tie
Kultur
Nittenau
25.08.2017
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Die Rathauskonzerte spannen in diesem Jahr bewusst einen weiten Bogen durch die Epochen. Kurt Seibert widmete sich am Donnerstag am Klavier vorwiegend der Klassik und der Romantik.

Besonders geprägt wurde der Klavierabend von Kurt Seibert im Rahmen der "Sommerlichen Rathauskonzerte" davon, dass nur ein einziges mehrsätziges Musikstück im Programm erschien, während ansonsten eine illustre Menge von Charakterstücken von Komponisten aus der klassischen, romantischen und neoklassischen Ära erklangen. Seibert begann mit den "Sechs deutschen Tänzen" KV 509 von Wolfgang Amadeus Mozart.

Heiter und sentimental

Die Klavierfassung des ursprünglichen Orchesterwerks zeigte das Tänzerische in der Abwechslung von heiteren und sentimentalen Stimmungen stets schwungvoll. Ganz anders ertönte das "Adagio h-moll" KV 540. Sehr tiefsinnig und elegisch erklangen das Thema und seine Fortführungen. Der Pianist verstand es, virtuose Umspielungen so in die Gesamtaussage einzubinden, dass sie die Stimmung unterstützten. Fast Suitencharakter prägt Mozarts bekannteste "Klaviersonate A-Dur" KV 331 mit der Satzfolge "Andante con Variazioni, Menuetto und " AllaTurca". Die Melodie des ersten Satzes wird in bewegter Figuration verschiedenartig dargestellt. Tänzerische Elemente gestalten den Mittelsatz. Das berühmte Finale enthält den bekannten türkischen Marsch, nach dem Mozart diesen Satz überschrieb. Kurt Seibert stellte die diversen Stimmungen in überzeugender Weise dar.

Werke von Johannes Brahms setzten das Programm fort. Zunächst erklangen die "Drei Intermezzi" op 117. Seibert erläuterte, dass Brahms dem ersten Stück ein Motto vorangestellt hatte, das lautete: "Schlaf sanft, mein Kind, schlaf sanft und schön! Mich dauert's sehr, dich weinen sehn" (aus Herders Volksliedern). Dementsprechend gefühlstief erwies sich die Stimmung des Wiegenlieds zwischen Beruhigung und Sorge, wie Seibert es darbot. Eher leicht schwungvoll gestaltete er das zweite Intermezzo mit seinen Akkorden. Unruhig, wie bei Brahms oft üblich, das dritte Stück. Es beginnt sehr leise, steigert zwar seine Klangfülle expressiv, endet aber verhalten wieder ganz leise. Genauso gestaltete Seibert die Musik, und so überzeugte sie. Schwungvolles Temperament durchzieht die "Rhapsodie h-moll" op 79/1 des gleichen Tondichters, während die "Rhapsodie g-moll" op 79/2 mit ihrer großen und großartigen Melodie eine fast sonatenmäßige Entwicklung propagiert. So stellte Kurt Seibert jedenfalls die Musik vor.

Der zweite Teil des Klavierabends war Frederic Chopin gewidmet und präsentierte auch Werke, die man selten zu hören bekommt. So die "Fünf Mazurken" op 7. Mit dem polnisch-masurischen Tanz im Dreivierteltakt beschäftigte sich der Komponist sehr gerne. Immerhin schrieb er 56 Mazurken und alle sind hörenswert. Seibert gestaltete das tänzerische Element in künstlerischer Überhöhung. Ebenfalls schwungvoll war die folgende "Tarantella As-Dur" op 43 angelegt. Der Pianist verstand es, die italienische Tanzrhythmik mit slawischem Temperament zu verknüpfen.

Dann folgte der "Bolero C-Dur" op19, ein weiterer Tanz mit überlegender Einleitung und folgendem, zügigen Allegro. Es ist Kurt Seiberts Verdienst, diese Werke, die man sonst nie hört, in sein Repertoire aufgenommen und überzeugend dargeboten zu haben.

Friedvoller Ausklang

Zum Schluss erklang aber ein sehr bekanntes Werk, die "Ballade Nr.2 F-Dur" op 38, die nochmals die Schönheit der Musik von Chopin bestätigt. Hin- und hergerissen zwischen dem ruhigen Hauptmotiv und den jähen Ausbrüchen stark virtuoser Tonfolgen zeigt das Werk schließlich einen friedvollen Ausklang. Das passte zum Charakter des Abends und erntete verdienten Applaus.
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