Nittenauer Rathauskonzerte: Hisako Kiriyama, Mari Iimura und Tomohiro Yoshioka aus Japan ...
Wunderschönes Erlebnis mit drei hochbegabten Musikern

Kultur
Nittenau
23.04.2013
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Nur wenige Stühle an der Rückwand des Foyers blieben am Sonntagnachmittag beim Rathauskonzert mit Hisako Kiriyama (Klavier), Mari Iimura (Violine) und Tomohiro Yoshioka (Violoncello) frei. Alle drei Musiker kommen von der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig und wurden von Prof. Hanns Martin Schreiber begleitet, dem Konrektor der Hochschule, der jeweils interessante Einführungsworte zu den Werken sprach.

Hausmusik von Max Reger

So zu der "Kleinen Sonate für Violine und Klavier d-moll", Hausmusik op. 103b, Nr.1 von Max Reger. Man erfuhr, dass der Begriff Hausmusik eine Verlagsreihe bezeichnete, die Werke nicht nur für den Konzertgebrauch enthielt. Die beiden Sonaten op. 103b sind dann allerdings infolge ihrer technischen und vor allem musikalischen Ansprüche am oberen Rand der Reihe anzusiedeln. Zwar meinte Schreiber zu Recht, dass ihnen das Pompöse wie in anderen Werken fehle, schwer zu deuten und darzustellen sind sie trotzdem - wie die Musik Regers generell. Ein lyrischer Anfang wird hier eben doch in komplizierten Tonfolgen weiterentwickelt, klingt schließlich aber ruhig und leise aus.
Huschend, vor allem in der extrem raschen Klavierbegleitung, eilt das Scherzo vorbei, umschließt ein ruhigeres Trio mit ausgeprägter Geigenmelodie. Und dann quasi der Hauptsatz, oder, wie Schreiber, meinte, ein "Andante con variazioni", in dem der Komponist wieder einmal seine Stärke im Verfassen von vielseitigen Veränderungen eines Themas ausspielt. So, wie Mari Iimura und Hisako Kiriyama die jeweiligen Charaktere der einzelnen Variationen deuteten, blieb der Zusammenhang mit dem Ausgangsthema gewahrt. Es wurden aber genauso die einzelnen Tonbilder unterschiedlich dargestellt, einschließlich der kleinen Fuge, bevor alles in dreifachem Piano ausklang. Eine mustergültige Interpretation des äußerst selten gespielten Werkes!

Beethovens "Geistertrio"

Ein für das Violoncello sehr virtuoses Werk schloss sich an. Tomohiro Yoshioka und Hisako Kiriyama interpretierten die "Sonate Nr. 2 D-Dur" op. 58 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Eine schon in den Tempobezeichnungen sehr von der Geschwindigkeit der Tonabläufe gekennzeichnete viersätzige Sonate, deren einziges Adagio in seiner choralartigen Gestalt fast eher als Einleitung zum rasenden Finale anzusehen ist. Eine überzeugende Darbietung auch bei diesem wirklich nicht häufig zu hörende Werk.
Nach der Pause folgte eines der berühmtesten Kammermusikwerke überhaupt, das Klaviertrio Nr. 4 D-Dur, genannt das "Geistertrio", von Ludwig van Beethoven. Nun dienen solche Beinamen, die oft gar nicht vom Komponisten stammen, dazu, ein Stück herauszuheben aus der Summe der anderen. Inwieweit sie zutreffen, mag der Hörer entscheiden - etwa beim "Mondschein". Hier ist es der geheimnisvoll klingende Mittelsatz, dessen Charakter dem Trio den Namen gab. In allen drei Instrumenten erscheinen viele Tremolo-Passagen, und dieser flimmernde Klang, der nur schwer definierbar ist, mag die Idee von Geistern hervorgerufen haben. So intensiv, wie die drei Musiker dies gestalteten, klang es jedenfalls glaubhaft.

Dass sie in ihrer Jugend die ungeheuere Langsamkeit des Satzes manchmal nicht geheimnisvoll genug ausspielten, sei ihnen nachgesehen. Umgeben ist der Satz von einer stets vorwärts treibenden Figur, die von allen drei Instrumenten unisono gespielt wird, dann musikalisch in verschieden klingenden Figurationen erscheint, nie aber gänzlich verschwindet. Der Schlusssatz wirkt in seiner Lebendigkeit befreiend. Dass nach solch kräftezehrenden Werken keine Zugabe mehr erfolgte, war verständlich. Fazit: Ein wunderschönes Erlebnis mit drei hochbegabten Musikinterpreten!
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