09.03.2018 - 20:00 Uhr
Nittenau

"Orchester am Singrün" präsentiert Grieg, Milhaud und Sibelius Schwungvoll und sicher geführt

Selten gespielte Werke standen im Blickpunkt des Winterkonzerts des "Orchesters am Singrün" in der sehr gut gefüllten Regentalhalle. Kenner des Orchesters waren besonders auf den neuen Dirigenten Michael Falk gespannt.

Das "Orchester am Singrün" präsentierte unter seinem neuen Dirigenten Michael Falk unter anderem Werke von Sibelius. Bild: tie
von Reinhold TietzProfil

Zum "Aufwärmen" gab's populäre Stücke: Auszüge aus den beiden "Peer Gynt Suiten" von Edvard Grieg. Aus der Nr. 1 op 46 erklang die "Morgenstimmung" sachte und ganz ausgeprägt wohlklingend in ihrer zarten Melodie. Es folgte "Ases Tod" in zurückhaltendem Streicherklang. Auch "Anitras Tanz" gestalteten die Streicher, allerdings unter Mitwirkung der Triangel, die das tänzerische Element rhythmisch prägte.

Der anschließende "Arabische Tanz" stammt aus der Peer Gynt Suite Nr. 2 op 55. Flott zog die effektvoll wie lieblich tänzerische Melodie vorüber. Noch einmal ein Stück aus op 46: "In der Halle des Bergkönigs" wurde als fantasievolle Darstellung von Berggeistern tonreich dargeboten. Das Orchester spielte tonschön, der neue Dirigent leitete tadellos. Dann ein selten aufgeführtes Werk, das allein wegen seiner besonderen Klangkombination mehr Aufmerksamkeit verdient hätte: Das "Konzert für Marimba, Vibraphon und Orchester" op 278 von Darius Milhaud. Der Solist Antonino Secchia zauberte auf seinen beiden Schlaginstrumenten schöne Tonfolgen herbei, einmal mit etlichen Schlegeln pro Hand, aber auch nur mit den Händen. So ging der flotte "Animé" - Satz vorbei, tiefsinnig empfand man das ruhige "Lent" des Mittelsatzes, schwungvoll zog das "Vif" des Finales vorüber. Ein hochinteressantes seltenes Hörerlebnis, schwungvoll und melodiös dargeboten vom Solisten und Dirigenten wie dem engagiert spielenden Orchester. Mit einem hörenswerten Solostück - einer Eigenkomposition - bedankte sich Antonino Secchia für den großen Beifall.

Nach der Pause spielte das Orchester die "5. Symphonie Es-Dur" op 82 von Jean Sibelius, ein Werk, das ebenfalls selten aufgeführt wird. Wie bei dem finnischen Komponisten üblich, ist auch dieses Werk stilistisch schwerblütig und wird geprägt von seiner eindringlichen Tonsprache. Im 1. Satz dauert es einige Takte lang, bis die Streicher in die schwebende Klangwelt der Bläser einsteigen dürfen und dann auch nur mit Begleitfiguren, die allmählich an Intensität gewinnen. So entwickeln sich bei Sibelius die musikalischen Ideen und dementsprechend gestaltete "Singrün" Orchester unter der genauen Leitung von Michael Falk die Tonfolgen. Der erste und der zweite Satz hängen eng zusammen, ebenso der dritte und vierte. Langsamer Beginn, allmähliche Steigerung, bis am Schluss in einem 90 Takte langen Orgelpunkt in Hörnern und Kontrabässen eine optimistische Endstimmung vorbereitet wird. Das "Andante" ist ein Ruhepunkt, dann bringt das Finale eine majestätische volle Steigerung der Gedanken, vor allem durch die Hörnerakkorde. Mit Fanfaren endet das gewaltige Werk und man merkt, es ist zu Unrecht so wenig bekannt, noch dazu, wenn es so mitreißend gespielt wurde wie vom Orchester und seinem Dirigenten.

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