03.07.2017 - 20:00 Uhr
NittenauOberpfalz

"Von Wien nach Sankt Petersburg" Schönheit zwischen Leidenschaft und Dominanz

Von Reinhold Tietz

Das Dalberg-Quartett aus Regensburg mit Sigrun Felicitas Vortisch (Mitte) luden bei den "11. Hofer Konzerten" zu einer Klassik-Reise von Wien nach Sankt Petersburg ein. Bild: Tietz
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Hof am Regen. Wie üblich ausgebucht ist die Kapelle in der Burg Hof am Regen, als das dritte der Hofer Konzerte beginnt. Es steht unter dem Motto "Von Wien nach Sankt Petersburg", weil zwei Werken Wiener Komponisten zwei Stücke folgen, die Komponisten aus St. Petersburg verfasst haben. Das Dalberg-Quartett aus Regensburg beginnt die Vortragsfolge mit dem "Quartettsatz c-moll" D 703 von Franz Schubert. Vom ersten Moment an faszinieren die äußerst engagierten Spielweisen von Sandor Galgoczi und Dong-Ae Han (Violine 1 und 2), Daniela Pletschacher (Viola) und Johannes Klier (Violoncello).

Spezielle Emotionalität

Sie heben die oft geforderten Wechsel der Lautstärken besonders intensiv hervor und schaffen es damit, die spezielle Emotionalität dieser Musik überzeugend zu vermitteln. Das immer wiederkehrende Hauptmotiv im Tremolo gestalten die vier Instrumentalisten stets mit voller Kraft und vermitteln den Zuhörern damit die dem Satz eigene motorische Unruhe. Dass das Werk nur aus einem Satz besteht, liegt wohl daran, dass nach diesem singulären Gefühlsausbruch keine Fortsetzung denkbar ist. Eine ganz andere Stimmung erzeugt das folgende Werk, das "Klarinettenquintett A-Dur" KV 581 von Wolfgang Amadeus Mozart.

Schon im beginnenden "Allegro" werden Melodien von den Streichern vorgetragen, die von virtuosen Läufen der Klarinette von Sigrun Felicitas Vortisch umspielt werden - falls diese nicht gerade selbst die Tonfolgen prägt. In der Durchführung steigert sich dieses Spiel der abwechselnden Melodieführung noch. Die Interpreten verknüpfen gekonnt die gesangliche Klangwelt des Blasinstruments mit der Ausdrucksstärke eines Streichquartetts. Im "Larghetto" steigert sich diese Klangwelt infolge weit gespannter Melodien noch weiter.

Ein "Menuett" schließt sich an. Tänzerisch flott ziehen die musikalischen Ideen in diesem Satz und den zwei eingearbeiteten Trios vorüber. Im "Allegretto con Variazioni" folgen fröhliche wie nachdenkliche Melodiefolgen, die in ihrer Schönheit berücken. Eine rasche Stretta lässt das Werk ausklingen. Nach der Pause neue Stimmungen, denn die Kompositionen der russischen Tonsetzer sind von Vorstellungen der Spätromantik geprägt. Zunächst erklingt die "Oriental Reverie für Klarinette und Streichquartett" op 14/2 von Alexander Glasunow. Das ruhige und deshalb wirksam melodienreiche Musikstück bieten die Interpreten mit merkbarem Gefühl dar, das die Zuhörer berührt. Die Klarinette dominiert und wird von den Streichern sorgsam unterstützt in Tonwirksamkeit und Sinngebung.

Dann folgt das letzte Werk des Programms: Das "Streichquartett Nr. 2 D-Dur" von Alexander Borodin. Es ist von weitgespannten Melodien geprägt, die von den Interpreten stets gefühlvoll wie kraftvoll vorgetragen werden. Das beginnt mit dem Gesang des Cellos, der das beginnende "Allegro moderato" einleitet, setzt sich fort in der Antwort der 1. Geige und umfasst dann auch melodische Einschübe der beiden anderen Mitspieler. Das "Scherzo. Allegro" setzt die Melodienseligkeit luftig wie leidenschaftlich fort.

Gewaltiger Applaus

Das folgende "Notturno. Allegro" wird von vielen Musikkennern als Höhepunkt russischer Kammermusik betrachtet. Genau so stellt Johannes Klier das Hauptthema dar, wird dann abgelöst von Sandor Galgoczi, und auch Dong-Ae Han wie Daniela Pletschacher leisten ihre Beiträge zu der Einschätzung. Das "Finale" ist geprägt von chromatischen Abstufungen im Hauptthema wie lyrischen Perioden im Seitenthema.

Der Beifall nach dem großartigen Musikerlebnis ist gewaltig und veranlasst eine interessante Zugabe: eine Fassung für Klarinette und Streichquartett der Arie "Dies Bildnis ist bezaubernd schön" aus der "Zauberflöte" von Mozart. Damit findet ein bemerkenswerter Musikabend sein Ende.

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