Heftige Diskussionen zwischen Vorsitzendem und Bürgermeister bei TSV-Mitgliederversammlung
Sportgelände: Vertrag gekündigt

Lokales
Nittenau
21.04.2013
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Die Stadt Nittenau hat den Überlassungsvertrag über das gesamte Sportgelände an der Fischbacher Straße nach 25 Jahren zum 30. Juni 2013 gekündigt. Das gab TSV-Vorsitzender Roger Anders bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung bekannt. Im Verlauf der Zusammenkunft kam es deshalb zu einem Wortgefecht zwischen dem scheidenden Vorsitzendem und Bürgermeister Karl Bley.

Anders ließ immer wieder durchblicken, dass er die Anerkennung der ehrenamtlich Tätigen im TSV durch die Stadt vermisse. Die Kündigung des Vertrages führe zu großen Verunsicherungen im gesamten Verein, insbesondere in den Sparten Fußball und Tennis. "Für die Spartenleitungen und den Verein gibt es keine Planungssicherheit für die Zeit nach dem 1. Juli", so Anders.

Gleiche Bedingungen

Wenn es der Stadt nur um die zwei Tennisplätze gehe, die anderweitig genutzt werden sollen, machte er den Vorschlag, dass die Stadt die Kündigung zurückziehen solle, der TSV die zwei Tennisplätze abtrete und der Vertrag unter den gleichen Bedingungen 25 Jahre weiterlaufen solle. Wenn weitere Motive dahintersteckten wie verdeckte Kostenerhöhungen, bedeutete dies eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge, Belastung sozial schwacher Familien sowie Kündigungen und den Start der Abwärtsspirale, befürchtete Anders.

Mit der Kündigung des Nutzungsvertrages erlangen die Stadt und Bürgermeister Bley traurige Berühmtheit. "Sie sind die erste Kommune, die ihrem Sportverein im laufenden Betrieb das Gelände kündigt", so Anders. Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung habe im vergangenen halben Jahr gravierend gelitten, so der Sprecher. Es gebe keinen offenen Dialog mehr. Ausdrücklich ein Lob sprach Anders dem ehemaligen Geschäftsführer der Stadt, Rudolf Höfler, für die immer kooperative Zusammenarbeit aus.
Bürgermeister Karl Bley entgegnete, dass die kontinuierliche Aufwärtsentwicklung des Vereins unbestritten sei. Bedauerlich fand er, dass nur die halbe Wahrheit gesagt worden sei. Zu dem Vorwurf, dass ohne Kommentar gekündigt worden sei, sagte er, dass die Stadt das Gespräch gesucht habe, aber nichts dafür könne, wenn der Vorsitzende in Urlaub ist.

Nicht mehr gepflegt

Am 4. April habe bei der Stadt ein Gespräch stattgefunden. Bley erläuterte, dass es Bautätigkeiten gebe. Entlang der Fischbacher Straße soll ein Bau mit 26 Wohneinheiten entstehen, wofür man Stellplätze benötige. Hier sei der Platz von zwei Tennisplätzen vorgesehen, die - davon habe er sich selber überzeugen können - nicht mehr gepflegt wurden. Dieser Sachverhalt sei dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt worden.

Im Vorfeld habe man dann nicht mehr darüber sprechen können, weil das Zeitfenster zu eng gewesen sei. Weshalb die Kommunikation seit September letzten Jahres in Stocken geraten sei, könne im Detail nicht mehr geklärt werden, so Bley. Zur Jugendförderung und deren Neuausrichtung sagte das Stadtoberhaupt, dass es auch noch andere Vereine gebe, die Jugendarbeit leisteten. Das Ziel sei es, alle gleich zu behandeln.
Dem Vorwurf, die Stadt würde den TSV nicht ausreichend unterstützen, widersprach er und nannte als Beispiel den Bau der Mehrzweckhalle. Wegen der Sparte Volleyball sei sie zwei Meter höher gebaut worden. Es habe Gespräche gegeben, dass sich der TSV an diesen Kosten beteilige, was aber nicht geschehen sei. Auch an der Schaffung von Beach-Volleyball-Plätzen habe sich der Verein nicht beteiligt. Schwer getan habe man sich im Stadtrat mit der Erhebung von Hallengebühren. Für Jugendliche und für die Volleyball-Nutzung habe man die Gebühren zurückgefahren. Die Stadt habe das Gelände 25 Jahre lang kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Positives Zeichen

Anders wiederholte den Vorschlag, das Gelände weiter kostenfrei nutzen zu können und die zwei besagten Tennisplätze abtreten zu wollen. Das Stadtoberhaupt antwortete, dass der TSV den Platz wie bisher auch nutzen könne. Diese Aussage wertete Anders als positives Zeichen. Die Stadträte müssen sich an dieser Aussage messen lassen. (Hintergrund)
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