Neunte Klassen des Regental-Gymnasiums gehen Weg der KZ-Häftlinge nach
Gedenken an Opfer der Todesmärsche

Hans Schmid aus Neuhaus ist ein Zeitzeuge der Todesmärsche, die im KZ Flossenbürg starteten. Von seinen schrecklichen Beobachtungen erzählte er den Schülern und Lehrkräften des Gymnasiums. Bild: sir
Lokales
Nittenau
05.05.2013
2
0

Es war eher Zufall, dass Hans Schmid aus Neuhaus Zeuge der Todesmärsche im Frühjahr 1945 wurde. 14 Jahre alt war er, als er und seine 16-jährige Schwester von der Mutter nach Nittenau geschickt worden, um ein Stück Stoff zu holen. Dann begegnete ihnen ein Zug der KZ-Häftlinge, ausgemergelt, kraftlos, dem Tod näher als dem Leben. Kurz darauf sah er die ersten Toten, die den Weg säumten: Bilder, die sich in das Gedächtnis von Hans Schmid eingegraben haben.

In Kooperation mit dem Volksbildungswerk (VBW) Nittenau gedachten Schüler der neunten Klassen des Regental-Gymnasiums Nittenau (RTG) den Opfern dieser Todesmärsche, indem sie unter Leitung von Hans Schmid den Weg noch einmal gingen. Begleitet wurden sie von ihren Lehrkräften Peter Poth, Stefanie Siller und Maria Schmid sowie der Leiterin des VBW, Carolin Schmuck.

Die NS-Zeit sei ein großes Thema im Lehrstoff der neunten Klasse. Und gerade die Aussagen von Zeitzeugen beeindrucken die Schüler sehr, so die Erfahrungen der Lehrkräfte. Hans Schmid zeigte Stellen, wo die Toten gelegen haben. Gehört habe man aber weder einen Schuss noch Schläge, weshalb er vermutete, dass zuvor bereits Gefangenenzüge diesen Weg genommen hatten.

An jeder Stelle, wo einer der Toten gelegen hatte und auf die Hans Schmid hinwies, legten die Schüler Blumen nieder und entzündeten eine Kerze. Das Gedenken an die Opfer der Todesmärsche aus dem KZ Flossenbürg habe an vielen Orten der Oberpfalz und Niederbayern eine lange Tradition, führte Peter Poth aus. Bis heute weniger bekannt und noch kaum erforscht sei, dass zumindest einzelne Gruppen der verschiedenen Häftlingszüge auch den Ort Nittenau durchquert haben.

Symbolischer Akt

Das Innehalten an den Stellen, wo die Toten gelegen haben, das Verlesen von Gedenktexten, Niederlegen von Blumen und das Entzünden von Kerzen sei ein symbolischer Akt, der einen Anfang des Gedenkens setzen will und weiteres Nachforschen initiieren solle, so Poth.

Nach dem bisherigen Kenntnisstand scheint es möglich, dass Schmid auf Häftlinge gestoßen ist, die zu den etwa 500 gehörten, die auf ihrem Weg von Bruck am 23. April 1945 durch Nittenau gekommen seien. Laut der Arbeitsgemeinschaft "ehemaliges KZ Flossenbürg" seien diese Vorgänge belegt. Gespräche mit Zeugen sollen Aufschluss geben.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.