Über Hass und Vorurteile

Schauspieler Alexander Matakas band die Schüler des Regental-Gymnasiums in seine Vorstellung mit ein. Bild: sir
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Nittenau
07.12.2016
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"Warum spricht Sad so komisch über Ausländer?", wollte Alexander Matakas in akzentfreiem Deutsch von den Schülern der 8. Jahrgangsstufe wissen. Bevor diese jedoch eine Antwort gaben, stellten sie sich die Frage: "Ist er gar kein Ausländer?"

Der Schauspieler hatte zuvor seine Rolle vor Schülern des Regental-Gymnasiums so überzeugend gespielt, dass es nach der Aufführung schwer fiel, in Matakas einen gebürtigen Deutschen zu sehen. In zwei Vorstellungen wurde an der Schule das Ein-Mann-Stück "Dreck" vor den 8. bis 10. Klassen aufgeführt. Der 44-jährige Alexander Matakas von der Kulturschule Leipzig beeindruckte in der Rolle des Irakers Sad. In der theaterpädagogischen Nachbesprechung reflektierten die 200 Schüler Fremdenhass, Vorurteile und Fluchtursachen.

Fremdheit und Verachtung

Das Theaterstück von Robert Schneider betrachtet Fremdenfeindlichkeit aus der emotional geprägten Perspektive eines Ausländers in Deutschland. Matakas spielt den 30-jährigen Iraker Sad, der als Rosenverkäufer auf die Bühne kommt. In einem Monolog erzählt er von seinen Träumen und seinen Erinnerungen an sein Herkunftsland. Als Folge des Golfkriegs ist er nach Deutschland gekommen und sammelt seitdem seine Erfahrungen mit Fremdheit und Verachtung. Vorurteile, die ihm begegnen, eignet er sich zunehmend an, so absurd sie auch klingen.

Die Stimmung schwankte während der Aufführung von einem Extrem ins andere. Lautes Lachen löste die anfänglich dem Rosenverkäufer entgegengebrachte Skepsis ab, um kurz danach in bitteren Ernst umzuschlagen. Gebannt verfolgten die Jugendlichen den Wechsel von Unterwürfigkeit, Verzweiflung und Überheblichkeit. Ohne es Alltags-Rassismus zu nennen, berichtete Sad Alltägliches, Anekdoten von Parkbänken und davon, dass er immer geduzt werde.

Immer wieder provozierte Sad, ging auf die Zuschauer zu und bezog sie mit ein. Überspitzt reagierte er auf die Aggressivität, die ihm immer entgegengebracht werde: "Ich wusste nicht, dass wir einen Virus in uns tragen, der diese Aggressivität in euch auslöst." Unmittelbar nach derlei Anschuldigungen, die sich gelegentlich auch zu Gefühlsausbrüchen steigerten, entschuldigte sich Sad, löste die angespannte Stimmung mit Humor auf und begann seine nächste Geschichte.

In seiner Einführung erinnerte Florian Gmeiner, Lehrer am Regental-Gymnasium an den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", mit dem die Nittenauer Schule kürzlich ausgezeichnet wurde. "Für mich ist diese Auszeichnung kein Titel, den man an die Wand hängt, sondern eine stetige Aufforderung, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen, wachsam zu sein und Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten", betonte Gmeiner.

Vorurteile erkennen

Für die Gymnasiasten, die sich mit großer Mehrheit für die Auszeichnung "Schule ohne Rassismus" eingesetzt hatten, bot sich mit den beiden Vorstellungen zumindest die Gelegenheit, Vorurteile und Fremdenhass kritisch zu betrachten und eigene Schlüsse daraus zu ziehen. In der Nachbesprechung zeigte sich, dass sich die Jugendlichen durchaus mit der Thematik auseinandersetzen und Vorurteile als solche erkennen.
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