14.03.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Ausstellung mit Kevin Coyne-Zeichnungen in Nürnberger Galerie Bernsteinzimmer Kunstvoll durch die dunklen Seiten des Lebens

Mit seinen Zeichnungen und Gemälden verschaffte Kevin Coyne seiner belasteten Seele etwas Luft. Mit exzessiven Strichen erzählt er Geschichten, die das Leben schreiben. Seine Comic-artigen Kreaturen, die mitunter an Keith Haring erinnern, rücken Alltagsszenen ironisch und verfremdend in den Focus.

Gestalteten die Vernissage in der Galerie Bernsteinzimmer (von links): Steffen Radlmaier, Fitzgerald Kusz, Helmi Coyne, Stefan Voit und Wolfgang Bernreuther. Bilder: gük (2)
von Günter KuschProfil

Das Leben ist ein Krimi. Und er rückte es ins Bild. "She Left His Head In A Fishbowl", hat Kevin Coyne die Zeichnung betitelt. Ein abgeschnittener Kopf liegt auf einem Goldfischglas. Ein paar Meter weiter furzt ein Hund in eine Trompete, ein Nachbar leckt die Schuhe oder ein fetter Elvis glotzt den Betrachter ins verblüffte Gesicht. "Er interessierte sich für die dunklen Seiten des Lebens, für die Geächteten und Underdogs", bringt es Kulturredakteur Stefan Voit bei der Vernissage am Sonntag in der Nürnberger Galerie Bernsteinzimmer auf den Punkt. Bis 16. April sind dort rund 80 Zeichnungen von Kevin Coyne zu bewundern.

Wie ein Krimi

Auch sein eigenes Leben war ein Krimi. Der 1944 geborene englische Exzentriker Coyne studierte Kunst, war als Sozialarbeiter tätig und spielte dann mit Musikern wie Robert Wyatt und Andy Summers. Sein klangvoller Stil reichte vom rauesten Rock 'n' Roll über akustische Gitarrenperlen bis hin zu Punk und Artrock. Seine Stimme wechselte von liebevoll warm über forsch aggressiv bis grausam schreiend. Von Szeneleben, Alkohol, Drogen und Psychopharmaka ist die Rede, vom krassen Absturz 1985 in München und einem rettenden Aufenthalt in der Nürnberger Bahnhofsmission.

Vögel, Frösche, Hunde und natürlich Teddybären überall - vieles wirkt kindlich naiv, ohne in naive Malerei abzudriften. "Er war ein Tagträumer, ein Unbehauster in der Welt, für den die Kunst zur Therapie wurde", sagt Coyne-Kenner und Kulturjournalist Steffen Radlmaier in seinem Erinnerungstext.

Aus Ecke herausholen

Viele Musiker-Kollegen kommen an diesem Abend, um anhand der über 60 Zeichnungen noch einmal einen Blick in die Seele ihres Freundes zu werfen. Man nennt Coyne auch den "berühmtesten Unbekannten", betont Voit, der den Nachlass verwaltet, und fügt hinzu: "Es wird Zeit, ihn aus dieser Ecke herauszuholen." Der Neumarkter Kulturpreisträger und Musiker Wolfgang Bernreuther umrahmt die Vernissage mit eigenen und Coyne-Liedern.

Die Musik, die Bilder, Figuren wie Wilfriedle, der Postbote oder Jeremy Joggler, das Tagebuch eines Teddybären, Coynes Tod am 3. Dezember 2004 - all das klingt in dieser Ausstellung zusammen - völlig harmonisch und spannend wie ein Krimi.

Service

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 16. April, in der Galerie Bernsteinzimmer (Großweidenmühlstrasse 11) in Nürnberg zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag/Sonntag 15 bis 19 Uhr. Am Samstag, 18, März (20 Uhr), gibt es einen Kevin-Coyne-Filmabend.

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