Germanisches Nationalmuseum beleuchtet Werke des Designers und Architekten Peter Behrens
Ein Nürnberger Intermezzo

Bemerkenswert ist in der Ausstellung die Präsentation von Schlafzimmer, Küche und Gästezimmer des jungen Ehepaars Schilling. Bild: Kusch
Kultur
Nürnberg
21.02.2018
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Von Günter Kusch

Nürnberg . Im April 2018 würde der Jugendstilkünstler Peter Behrens (1868 bis 1940) seinen 150. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlass widmet ihm das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg bis 6. Mai eine Sonderausstellung mit knapp 200 Werken, überwiegend aus eigenem Bestand, die von Behrens stammen oder unter seiner Anleitung gefertigt wurden.

Klare Formensprache

Was ihn mit Nürnberg verbindet? Eine reiche Brauereitochter namens Clara Reif. Sie reiste 1901 nach Darmstadt und verliebte sich in die Einrichtung einer Mustervilla, die Peter Behrens für die erste große deutsche Jugendstil-Ausstellung in Szene setzte. Die junge Dame war so begeistert, dass sie gleich sieben Zimmereinrichtungen orderte. Wobei es nicht nur Clara Reif so ging. Auch Fachleute waren angetan von der klaren und strengen Formensprache des Architekten. Der damalige Direktor der Bayerischen Kunstgewerbeschule lockte Behrens als Lehrer für neu installierte Meisterkurse nach Nürnberg. Zweimal, 1901 und 1902, lehrte er hier.

Bemerkenswert ist in der Ausstellung die Präsentation von Schlafzimmer, Küche und Gästezimmer des jungen Ehepaars Schilling: Die Möbel stehen zeittypisch auf dunklem Linoleumboden, der damals als ungeheuer modern und funktional galt, weil er keine Flusen verbreitete und leicht zu wischen war. Die Wände wurden nach zeitgenössischen Empfehlungen von Hermann Warlich gestrichen, der in seinem Einrichtungsratgeber Wohnung und Hausrat über die "vorbildliche Einrichtung um 1900" zu gedeckten Farben für einen ruhigen Schlaf riet.

Eine Überraschung halten Garderobe und Eckschränke bereit. Unter der Montierung eines Leuchters hat sich die ursprüngliche Farbigkeit der Möbel erhalten: ein leuchtendes Grün! Mit farbigem Licht wird das originale Aussehen in der Ausstellung simuliert. Es folgen Vitrinen mit Gläser - Sets, Geschirr und Besteck, wie es auch das Ehepaar Schilling besaß. Dann die Kücheneinrichtung, die durch schlichte Funktionalität überzeugt. Regale verbinden die einzelnen Schränke, der Raum wird optimal genutzt, so dass schon fasst der Eindruck einer Einbauküche entsteht. Ein Hocker kann mit einem einfachen Handgriff in eine Trittleiter verwandelt werden. Auch hier ist alles einfach und funktional.

Die meisten Kunsthandwerker kamen aus metallverarbeitenden Branchen, weshalb Beispiele aus Silber, Kupfer und Zinn überwiegen. Doch auch Keramiker, Holzhandwerker und vier Frauen, die sich traditionell den Textilien verschrieben hatten, nahmen teil. Behrens unterrichtete, was er selbst für sich in Anspruch nahm: Streben nach Vereinfachung der Form und Reduktion des Dekors, bis nur noch eine klare Linie übrig blieb. Ein beredtes Beispiel ist eine imposante Bowle-Schüssel von Franz Kainzinger aus dem Jahr 1901. Deren streng geometrische Linienornamente spiegeln deutlich den Einfluss des Kursleiters.

Ruf als Lehrer gestärkt

Ende des Jahres 1903 wird Peter Behrens als Direktor an die Kunstgewerbeschule Düsseldorf berufen, rund ein Jahr nach seinem Nürnberger Intermezzo. Dieses hatte entscheidend zu seiner Reputation beigetragen und seinen Ruf als Lehrer maßgeblich gestärkt. Behrens' eigenes Ziel war es, Nürnberg kurz nach 1900 stilistisch auf die Höhe der Zeit zu bringen und sich selbst international einen Namen zu machen. Mit dem Nürnberger Intermezzo als Referenz gelingt ihm der Durchbruch zum Vorreiter des Industriedesigns und zu einem international gefragten Architekten.
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