Helden des DFB-Pokalsiegs 2007 des 1. FC Nürnberg erzählen ihre Geschichte
Vom Rotwein und der weißen Hose

Die beiden ehemaligen Spieler Andreas Wolf (links) und Chhunly Pagenburg schauten am Donnerstag bei der Ausstellungseröffnung vorbei.
Kultur
Nürnberg
19.05.2017
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Mitautorin Katharina Fritsch mag das Bild von Dan Reeder. Es erzählt die Pokalgeschichte des damaligen Teammanagers.

Kunst und Fußball sind kein Widerspruch. Mit diesen Worten hat am Donnerstag Nürnbergs Kulturreferentin Julia Lehner eine Ausstellung, die an den DFB-Pokalsieg des 1. FC Nürnberg im Jahr 2007 erinnert, im Künstlerhaus eröffnet

"Die Schnittmenge von Kunst und Fußball ist große Emotion", sagt Lehner. "Jeder Clubfan weiß ganz genau, wo er und wie er die triumphale Nacht damals erlebt hat." Bis zum Montag, 5. Juni, begleitet die Ausstellung Nürnberger Künstler das Erscheinen des Buchs "Ganz Nürnberg war in einem Rausch" der Autorinnen Katharina Fritsch und Maren Zimmermann. Zur Eröffnung kamen auch die ehemaligen Spieler Andreas Wolf und Chhunly Pagenburg.

Am Freitag, 26. Mai, jährt sich heuer der Pokalsieg des 1. FC Nürnberg zum zehnten Mal. Rund um das Jubiläum hat sich der Club einige - auch kulturelle - Programmpunkte einfallen lassen. Darunter ist eine Ausstellung jener Bilder, die das Interviewbuch von Fritsch und Zimmermann illustrieren.

Liebevoll-ironische Bilder

Künstler wie Ulrich Emmert, Martin Fürbringer und Dan Reeder bekamen vorab die Geschichten der Pokalhelden zur Verfügung gestellt. Sie sollten sich ein Detail aussuchen und sich davon für ihr Werk inspirieren lassen. Heraus kamen liebevoll-ironische Bilder wie das von Martin Fürbringer: Es zeigt den Erfolgstrainer Hans Meyer mit seiner typisch eingerollten Zunge. "Ich glaube, er hat mich ganz gut getroffen", urteilt der Cheftrainer, als er Fürbringers Werk in Augenschein nimmt. "Durch die persönlichen Geschichten in dem Buch habe ich den Eindruck, dass ich meine damalige Mannschaft nun erst so richtig kennengelernt habe", witzelt Meyer. "Eigentlich hätte eine der beiden Autorinnen meine Assistenztrainerin sein müssen."
Fritsch' Lieblingsbild stammt von Dan Reeder zur Geschichte von Teammanager Boban Pribanovic: Es zeigt mit einfachen Strichen eine Wohnzimmerszene, zwei Sofas und ein Glas Rotwein. Was hat das mit Fußball zu tun? "Ich liebe die Geschichte dahinter", schwärmt Fritsch. "Boban musste damals den verletzten Marek Mintal während des Spiels ins Krankenhaus begleiten. Auf der Suche nach einem Fernseher, um das Spiel anzusehen, klingelte er an einem Reihenhaus und fragte, ob er dort schauen könnte." Pribanovic hatte Glück und die Bewohner schalteten von "Let's dance" zum DFB-Pokal-Finale um. Bei einem Torjubel schüttete der Nürnberger der Hausbewohnerin versehentlich den Rotwein über ihre weiße Hose. Dann kam der Anruf aus dem Krankenhaus, dass der verletzte Mintal
abgeholt werden könne. "Boban drückte der Frau 50 Euro für Reinigungskosten in die Hand und verschwand. Er hat wenig vom Erfolg mitbekommen, aber die Geschichte ist ganz besonders", erzählt Fritsch.

Unkonventioneller Zugang

Trainer Meyer lobt den unkonventionellen Zugang der beiden Autorinnen zu dem Thema. "Vielleicht weil sie Frauen sind, gehen sie den Fußball von einer anderen Seite an - mehr mit dem Drumherum, Gefühl und Emotionen."

ServiceDer Eintritt zu Ausstellung im Künstlerhaus ist frei. Geöffnet bis 5. Juni am Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und am Mittwoch von 10 bis 20 Uhr. Das Buch von Katharina Fritsch und Maren Zimmermann "Ganz Nürnberg war in einem Rausch" wird vom Institut für moderne Kunst herausgegeben und kostet 25 Euro.
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