05.11.2017 - 12:34 Uhr
Oberpfalz

Howard Carpendale begeistert ausverkaufte Meistersingerhalle Ein ganz großes "Hello again" in Nürnberg

Gegen 21.45 Uhr ist Gerlinde aus Breitengüßbach nicht mehr zu halten. Zusammen mit geschätzt 130 weiteren - überwiegend weiblichen - Konzertgästen stürmt sie aus Sitzreihe 4 nach vorne. Direkt vor die Bühne. Zu "ihrem" Howie. Dass sie dabei im Gerangel um einen guten Platz fast ihr Handy verliert, stört sie nicht. Auch den Ellbogencheck im Zweikampf mit ihrer bis dato Sitznachbarin und die Laufmasche steckt sie weg. Was tut man nicht alles, um dem Schwarm ganz nah zu sein ...

von Andreas Hahn Kontakt Profil

Gerlinde ist exemplarisch für viele der Howie-Fans. Carpendale lockt noch immer die Massen. Das Konzert der "Wenn nicht wir"-Tour in der Nürnberger Meistersingerhalle ist ausverkauft. Knapp 1900 Menschen, viele davon aus der Oberpfalz - das verraten die Kennzeichen auf dem Parkplatz vor der Halle -, wollen den Kult-Schlagersänger an diesem nebligen Herbstabend hören und sehen. Mühelos füllt Howard Carpendale noch immer ganze Hallen mit seinen Evergreens.

Er bestreitet seine letzten Karrierejahre nicht vor halbleeren Hallen oder gar in Möbelhäusern wie viele seine Kollegen aus früheren Jahren. Der Wahl-Münchener liefert sauber ab. Über zweieinhalb Stunden (mit kurzer Pause) steht Howie auf der Bühne, nimmt ein Bad in der Menge und gibt sich alles andere als scheu. Dass ihm dabei, wie zu Zeiten der ZDF-Hitparade, Blumen gereicht werden, versteht sich von selbst. Seine Show kommt jugendlicher und flotter daher als in den vergangenen Jahren. Längst ist der Sound ein Mix aus Pop und leichtem Rock. Sein Charisma hat Carpendale nicht verloren. Die 71 Jahre - in neun Wochen wird er 72 - merkt und sieht man ihm nicht an.

Beginn ohne großen Hit

Alle Hände voll zu tun hat derweil der Sicherheitsdienst, um immer und immer wieder höflich - aber bestimmt - darum zu bitten, doch das Filmen mit dem Smartphone einzustellen. Zusammen mit zwölf Begleitmusikern, vier davon Background-Vokalisten, bestreitet Carpendale sein Programm. Die Band überzeugt. Top eingespielt, klarer Sound. Allerdings ist es ein etwas seichter Beginn mit düsteren Klängen, als sich der Vorhang öffnet, kein großer Hit. Der Start in den Abend ist etwas schwerfällig, aber dem Publikum scheint es egal zu sein. Der Schlagerbarde von einst gibt sich als sozialkritischer Geist, der die in Unordnung geratene Welt, in der wir leben, mehrmals gezielt hinterfragt: "Das ist unsere Zeit", "Unter einem Himmel", "Willkommen auf der Titanic". In der ersten Stunde findet man nur zwei Klassiker, aber da steht die Halle komplett kopf: "Samstag Nacht" und "Hello again" - da sind alle textsicher. Außerdem gibt's Coverversionen: "I should have known better" von den Beatles (der Sänger spielt dabei selbst die Mundharmonika), "The best" von Tina Turner, nach der Pause "Mit 66 Jahren" von Udo Jürgens sowie "Islands In The Stream" in der Version von Dolly Parton und Kenny Rogers. Gerade hier besticht Backgroundsängerin Bella mit glasklarer, kräftiger Stimme.

Im zweiten Abschnitt geht der Mann aus Durban in die Vollen. Jetzt kommen die Klassiker: "Fremde oder Freunde", "... dann geh doch", "Tür an Tür mit Alice", "Mit dir verschwend ich meine Zeit am liebsten" oder "Ti amo". Während der süß-orientalische Duft des Parfums "Angel" die Luft erfüllt - irgendwie scheint es jede zweite Frau in der Halle zu benutzen -, dankt der immer noch ganz in Schwarz gekleidete Carpendale charmant seinem "wunderbaren Nürnberger Publikum" für den außergewöhnlichen Abend.

Angebot per Brief

"Nachts, wenn alles schläft" in XL-Version bildet den Schlusspunkt des offiziellen Teils. Nürnberg singt mit. Nach drei weiteren Zugaben ist das Publikum bedient und zufrieden - außer einer Frau vielleicht. Die hat Howie bei seinem Bad in der Menge angeblich einen Brief zugesteckt. Carpendale liest daraus vor: "Ich bin 81 und Single. Ein Zimmer habe ich im Seniorenheim in der Ringstraße direkt neben mir reserviert. Aber du musst dich bis morgen entscheiden. Da gehe ich zum Roland-Kaiser-Konzert ..." Wo Carpendale genächtigt hat, wissen wir nicht. Gerlinde aus Breitengüßbach hätte ihn bestimmt auch beherbergt.

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Howie gastiert noch mal in Nürnberg am 3. April 2018. Karten gibt's am Ticketschalter von "Sulzbach-Rosenberger Zeitung", "Amberger Zeitung" und "Der neue Tag".

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