Lehars Lustige Witwe in Nürnberg verwöhnt mit Klangkost und klasse Kostümen
Verlieb dich oft, aber heirate nie!

Hanna Glawari (Katrin Adel) zieht als "Lustige Witwe" nicht nur die Männer in Paris, sondern auch das Publikum im Opernhaus in ihren Bann. Bild: Jutta Mossbach
Kultur
Nürnberg
16.11.2017
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Das Schild in der Pariser "Botschaft" wackelt ziemlich schief von der Decke. Links stapeln sich geschredderte Akten. Ab und zu fallen Steinbrocken auf den Kronleuchter herab, der am Boden liegt und schwummriges Licht von sich gibt. Im Hintergrund des Saals stapeln sich Porträts des Kronprinzen Danilo - es herrscht Krisenstimmung auf der Bühne der Nürnberger Oper.

Aktuelle Bezüge

Der gebürtige Wiener Thomas Enzinger setzt bei seiner Inszenierung der "Lustigen Witwe" auf solides Handwerk. Aktuelle Bezüge gibt es, wenn Botschafter Baron Zeta vor Gästen eines berauschenden Ballabends über die "Lügenpresse" wettert oder ermahnt: "Pontevedro first". Faszinierend sind die wunderbaren Kostüme und die vielfältig nutzbare Bühne (beides in den bewährten Händen des Magdeburgers Toto), auf der sich etliche Mitgiftjäger tummeln, die scharf auf Hannas Millionen sind. Die grauen Anzüge passen zur Farbe des Raums, die bunten Pfauenfedern in den hochgesteckten Frisuren und das wallende blau-grüne Pfauen-Kleid der Glawari sind ein Augenschmaus.

Ob es an den Boden-Mikrofonen liegt, dass die Trittgeräusche der Darsteller besser zu verstehen sind als ihre Texte? Oder übertönt die kräftige Musik die Stimmen? Auch die Idee, Karl Marx als saxofonblasenden Botschafter des Untergangs auftreten zu lassen, erschließt sich dem geschichtsbewussten Franz Lehar-Kenner nicht unbedingt. Immerhin, Lukas Diller, der sonst mit seinem Quartett "dillerium" für jazzige Grooves sorgt, fegt auch auf der Opernbühne mit phantasievollen Klangkompositionen so manche Unklarheit von der Bühne.

Genial und treffsicher

Franz Lehars geniale Melodien wie "Da geh' ich ins Maxim", "Lippen schweigen" oder "Ja, das Studium der Weiber ist schwer" ziehen jedenfalls noch immer in ihren Bann. Treffsicher bewegt sich die Nürnberger Staatsphilharmonie durch alle verfügbaren Tanzarten wie Galopp, Walzer, Polka, aber auch Polonaise, Kolo und Cake Walk. Katrin Adel schenkt ihrer Hanna Glawari sopranistische Vielschichtigkeit, von Traurigkeit bis Wut, von Ironie bis Grandezza. Brillant zur Seite stehen Valencienne (Theresa Steinbach voller Spielfreude und mit leuchtend klarem Ton), Camille de Rosillion (ein kerniger Tenor: Alex Kim) und Graf Danilo Danilowitsch (ein sympathisch locker und routiniert singender Ludwig Mittelhammer).

"Die lustige Witwe" feiert derzeit Hochkonjunktur. Nicht nur im renovierten Münchner Gärtnerplatztheater dient sie als Eröffnungspremiere. Vielleicht weil Jopie Heesters hier unzählige Male als Danilo gen Maxim's tänzelte. Auch Joana Mallwitz wird vor ihrem Start als Nürnberger Generalmusikdirektorin im Herbst 2018 in Thüringen und dann mit Marlis Petersen in Frankfurt am Main bei zwei Neuproduktionen der "Lustigen Witwe" am Pult stehen. Könnte die Operette nach langer Zeit wieder eine größere Rolle in Nürnberg spielen? Der langanhaltende Applaus zeigt: Die Franken würden es ihr danken!

"Die lustige Witwe" ist noch bis Februar 2018 in der Nürnberger Staatsoper zu sehen. Karten: Telefon 0180/1 344 276

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Infos und Karten:

www.www.staatstheater-nuernberg.de
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