21.05.2017 - 21:22 Uhr
Oberpfalz

Der Erzbischof und die Sozialistin Schick und Wagenknecht debattieren über Steuergerechtigkeit

Der Moderator war gewarnt. Der Erzbischof und die Sozialistin könnten sich allzu gut verstehen. Doch das war nur auf den ersten Blick so.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick (links) sprach mit der Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag, Sarah Wagenknecht, über Steuergerechtigkeit. Akademiedirektor Siegfried Grillmeyer moderierte. Bild: paa
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Für die Frontfrau der Linken, Sahra Wagenknecht, kann ein Auftritt in einer katholischen Akademie kein Heimspiel sein. Hier die 47-jährige Sozialistin, die nicht an ein Jenseits glaubt, dort ein Publikum, das seine Wurzel im christlichem Glauben hat. Und doch fliegt ihr an diesem Abend in der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg der Applaus zu. Am Ende bekennt sie, sie hätte gerne bayerische Verhältnisse in Berlin. "Es wäre ja auch mal eine Abwechslung, wenn die Linke bei der Bundestagswahl solche Ergebnisse hätte, wie die CSU in Bayern", antwortet Wagenknecht auf die Frage aus dem Publikum, was sie sich für die Wahl wünscht.

Sehr große Vermögen sind immer auch ein Problem für die Demokratie, weil sie sich mit politischer Macht verbinden.Sarah Wagenknecht, Frontfrau der Linken

Zumindest die CSU dürfte linke Konzepte fürchten, wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser. Doch vom Teufel sprach am vergangenen Donnerstag niemand. Der einzige, der höhere Mächte ins Feld führt, ist der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick: "Gott ist der Gott der Gerechtigkeit." Er diskutierte unter der Moderation von Siegfried Grillmeyer mit Wagenknecht über das Thema "Christlich? Humanistisch? Engagement für Steuergerechtigkeit und gegen Armut". Eingeladen hatten Jesuitenmission und Akademie. Der Anlass: eine internationale Studie der Jesuiten zur Steuergerechtigkeit. Der Nürnberger Jesuit Jörg Alt will deshalb mit den Parteien ins Gespräch kommen. Da ihn AfD, FDP und CDU/CSU ausgewichen seien, habe er die eingeladen, die mit ihm reden. So kommt es, dass Wagenknecht neben Schick auf dem Podium sitzt und ihre Bücher "Reichtum ohne Gier" oder "Freiheit statt Kapitalismus" neben christlicher Literatur, auf dem Büchertisch der Paulus-Schwester vor dem Saal liegen.

Auch im Saal gibt es viel Harmonie: In der Kritik des zügellosen Kapitalismus, an der Ungleichheit bei der Vermögensverteilung, an der mangelnden Steuergerechtigkeit und der Ablehnung eines bedingungslosen Grundeinkommen sind sich Erzbischof und Sozialistin einig. Inhuman, menschenunwürdig, sind Begriffe, die sie zur Begründung anführen. Doch Schick macht auch deutlich, dass Gerechtigkeit mehr ist als Steuergerechtigkeit.

Sozial ja, Sozialist nein.Ludwig Schick, Bamberger Erzbischof auf die Frage ob ein Christ nicht auch Sozialist sein müsste

Der 67-jährige Erzbischof hebt die Bedeutung der Subsidiarität und der Freiheit der Person hervor und er warnt vor einen Diktat durch Steuern. Argumente, die Wagenknecht nicht beachtet. Das "Suum cuique", das "Jedem das Seine" der katholische Soziallehre entspricht nicht den Vorstellungen der Linken. So ist es konsequent, dass Schick auf die Frage aus dem Publikum, ob jeder Christ eine Sozialist sein müsse antwortet: "Sozial ja, Sozialist nein."

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.