23.03.2018 - 18:24 Uhr

Jesuit Nawras Sammour erzählt Menschen in Syrien sind traumatisiert

Entmutigen lässt sich Pater Nawras Sammour auch im achten Jahr des Krieges in Syrien nicht. Gleichwohl schildert der Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) im Nahen Osten die Lage in seiner Heimat als trostlos. Die Menschen seien entmutigt und traumatisiert. Angesichts der jüngsten Gewalteskalation hätten sie jede Hoffnung verloren. Selbst im Zentrum der Hauptstadt Damaskus sei niemand seines Lebens mehr sicher.

Nawras Sammour SJ, Leiter des Jesuitenflüchtlingsdienstes im Nahen Osten. Bild: Steffen Windschall
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Schon vor Wochen hat der Flüchtlingsdienst seine Betreuungseinrichtungen für Kinder schließen müssen, erzählt der Jesuit in Nürnberg. Sehr zum Leidwesen der Kinder. Aber viele Einrichtungen sind in Jaramana, Bab Touma und in Dwelaa - Stadtteile, die nah an Ost-Ghuta liegen und daher durch Beschuss gefährdet sind. In Ost-Ghuta leben seit Jahren keine Christen mehr. Sie wurden von den Islamisten vertrieben. Eine ehrenamtliche Helferin des Flüchtlingsdienstes sei Ende Februar vor dem Opernhaus im Zentrum wegen des Beschusses verletzt worden, ihre Freundin wurde getötet. Die Lage sei für die Menschen unberechenbar.

Im Norden würden wegen des türkischen Einmarsches in Afrin Zehntausende nach Aleppo fliehen. Auch diese Menschen bräuchten Nahrung, Medikamente und Unterkünfte. Dort verteilt der Flüchtlingsdienst täglich 11 000 warme Mahlzeiten. Zudem betreibt die Organisation Tageskliniken und hilft den Menschen mit Medikamenten. Auch in Homs helfen die Jesuiten chronisch Kranken mit Medikamenten und betreuen noch rund 1300 Kinder. Es waren einmal 3000, sagt der Jesuit. Inzwischen sei die Zahl derjenigen, die unbedingt Hilfe bräuchten, gesunken.

Ohne die Spenden aus Europa wäre dies alles nicht möglich. Pater Sammours Besuch in Wien, Zürich und zum Abschluss bei der Jesuitenmission in Nürnberg diente auch dazu, Danke zu sagen. "Sie helfen viel", sagt der Jesuit. "Nicht nur mit Geld, sondern auch mit der Aufnahme der Flüchtlinge." Von Europa mit seiner Geschichte der Aufklärung, des Überwindens leidvoller Kriege erhofft sich der Priester Impulse, damit die Menschen im Nahen Osten künftig in Würde leben können.

"Krieg ist der Tod der Vernunft", sagt Pater Sammour. Das, was Syrien erdulden müsse, sei keine Revolution, kein Bürgerkrieg, sondern ein Krieg, in dem viele aus dem Ausland mitmischten. Ein Krieg, in dem keine Ethik gelte. "Es ist Chaos." Der soziale Zusammenhalt der syrischen Gesellschaft habe sich aufgelöst. Viele Syrer hätten inzwischen mehrfach fliehen müssen, um in Sicherheit zu sein, manches Mal nur wenige Hundert Meter. Seinen Glauben hat Pater Sammour darüber nicht verloren. Im Gegenteil: Er sei zwar pessimistisch, was einen baldigen Frieden in Syrien betreffe, aber der Jesuit setzt auf die Kraft der guten Taten. "Es gibt viele gute Menschen in Syrien, die es wert sind, ihnen zu helfen."

Mehr zur Arbeit der Jesuiten in Syrien auf der Seite der Jesuitenmission in Nürnberg

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