12.06.2014 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Jesuiten und Laien helfen ägyptischen Kindern - Brücke zu Muslimen schlagen: Dialog des Lebens

Das ägyptische Minia gilt seit Jahrzehnten als Hochburg der Muslimbrüder. Trotzdem leben und arbeiten dort die Jesuiten in guter Nachbarschaft mit Muslimen - und das ebenfalls seit Jahrzehnten. Auch von den Übergriffen auf ihr Sozialwerk und auf Kirchen im August vergangenen Jahres lassen sich Pater und Laien nicht entmutigen.

Im Ort Armant, rund 25 Kilometer vom ägyptischen Luxor entfernt, betreiben die Jesuiten ein Sozialwerk, zu dem ein Kindergarten und eine Vorschule gehören. Bild: paa
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Ihnen geht es um die Kinder. Darum, dass Mädchen und Buben eine Zukunft haben, unabhängig davon ob sie Christen oder Muslime oder ob sie behindert sind. "Im Angesicht von Krankheit und Leiden gibt es keine Unterschiede", sagt der Jesuit Magdi Seif Aziz SJ. Und diese Haltung wird honoriert. Die Anmeldungen von Muslimen im Herbst zum laufenden Schuljahr waren gestiegen, trotz der von den Muslimbrüdern gesteuerten Angriffe.

"Wir haben keine Angst"

Der Zuspruch der Muslime bestätigt den ägyptischen Jesuiten und seine zwei Kollegen - obwohl sie wissen: "Es kann wieder geschehen, aber wir haben keine Angst." Das sagt Ayman Saad Daniel, geschäftsführender Direktor der "Jesuits' and Brothers' Association for Development" (JBA).

Anhänger der Muslimbrüder hatten am 14. August 2013 Einrichtungen der von ehemaligen Jesuitenschülern gegründeten und beim Sozialministerium in Kairo registrierten Hilfsorganisation in Minia geplündert, verwüstet und angezündet. Am selben Tag gingen in der Stadt auch 15 Kirchen in Flammen auf, in ganz Ägypten waren es mehr als 60. Zudem wurden Läden von Christen angegriffen und zerstört.

"Sie hatten gedacht, wenn sie die Kirchen angreifen, werden sich die anderen anschließen", sagt Pater Magdi. Das Kalkül der Muslimbrüder ging nicht auf. Im Gegenteil. "Der Angriff hat die Beziehungen zu den muslimischen Gemeinden gestärkt." Die vor wenigen Monaten gegen die Angreifer verhängten Todesurteile hält der Jesuit für falsch: "Ich bin absolut gegen die Todesstrafe."

Bei ihrem Besuch in Nürnberg wollen der Jesuit und die beiden Laien, Daniel und Gaafar William, der geschäftsführender Direktor der Hilfsorganisation "Key of Life" (Schlüssel zum Leben) im Ort Armant bei Luxor ist, nicht nur über die Übergriffe der Extremisten reden, sondern vor allem über ihre Arbeit: über das Positive, über das, was in ihren Augen hilft, die Zukunft zu gestalten. Die drei Ägypter sind bei der Jesuitenmission zu Gast - eine von vier Stationen ihrer Europareise neben Wien, Zürich und Aachen. Sie wollen sich mit anderen Jesuiten austauschen und Projekte besprechen. "Es ist gut zu wissen, dass es jemanden gibt, der sich kümmert", sagt Pater Magdi. Geld sei nachrangig: Gleichwohl ist die finanzielle Unterstützung aus Europa eine große Hilfe für die Projekte.

Hilfe für Behinderte

In den Sozialwerken werden geistig und körperlich Behinderte, die oft als "Strafe Gottes" gelten und deshalb versteckt werden, ausgebildet. Das hilft diesen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Gut zehn Prozent der Kinder sind behindert, berichtet William und fügt hinzu: "In ganz Ägypten sind es acht." Früher waren es Opfer von Kinderlähmung, heute sind die Behinderungen häufig eine Folge der in der Region weit verbreiteten Verwandten-Ehen.

Darüber hinaus bieten die Sozialwerke Kindergärten, Hausaufgabenbetreuung und Tageskliniken an und sie betreiben in Armant ein Waisenhaus. Zudem unterhalten sie Dutzende Entwicklungspartnerschaften mit Dorf-Organisationen. Die meisten Partner sind muslimisch. Das Ziel: Die Bewohner sollen ihre Rechte kennen, aber auch ihre Verantwortung für das eigene Leben und die Entwicklung der Gemeinschaft verstehen. Letztendlich helfen sie damit das aufzubauen, was im Westen als Zivilgesellschaft gefeiert wird.

Reise ans Rote Meer

Die Christen stellen je nach Schätzung zwischen sechs und zwölf Prozent der Bevölkerung, die Mehrheit der Ägypter sind Muslime. "Unser Ziel ist es, den Graben zu überbrücken", sagt Daniel. Es gehe um einen "Dialog des Lebens", sagt Pater Magdi. Und dieser gelingt immer öfter. So berichtet Daniel von einer muslimischen Mitarbeiterin, die beim Betriebsausflug zum ersten Mal ohne ihren Mann aber mit dessen Zustimmung ans Rote Meer gereist ist - und das mit einer christlichen Organisation. Ein Vertrauensbeweis.

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