19.03.2018 - 23:34 Uhr

Auf der Suche nach der Leichtigkeit Der Club und das "blöde Ding" gegen Darmstadt

Eigentlich war schon alles klar, doch das Projekt "Aufstieg" beim 1. FC Nürnberg stockt. Es gibt einige Gründe, warum der FCN nach der Länderspielpause noch viel zu tun hat.

Adam Zrelak (links, gegen Romain Brégerie) zeigt viel Engagement, heraus kommt wenig. Der Club-Stürmer ist kein Ersatz für den verletzten Mikael Ishak. Bild: Bernd Müller
von Josef Maier Kontakt Profil

Nur keine Panik. Michael Köllner steckte die Hände in die Hosentasche, blickte entspannt in die Runde und sagte: "Wir werden auch wieder siegen." Hätte der 1. FC Nürnberg gegen den Zweitliga-Vorletzten Darmstadt 98 gesiegt und nicht 1:1 gespielt, wäre er nach drei sieglosen Spiel wieder in der Spur gewesen. Jetzt gehen im traditionell nervösen Nürnberger Umfeld die Diskussionen los. Michael Köllner sehnte zwar die Länderspielpause herbei: "Ich freue mich darauf." In den nächsten zwei Wochen ohne Pflichtspiel kann aus dem derzeit noch leisen Grummeln im Umfeld ein lautes Grollen werden.

Köllner verweist zwar immer darauf, dass der Aufstieg vor Saisonbeginn kein Muss gewesen sei. Aber der Club-Fan hat das längst vergessen, dass da eigentlich eine entwicklungsfähige Mannschaft spielt, die noch kein Spitzenteam ist. Der Club ist Zweiter, der Club muss rauf, basta.

Gegen Darmstadt spielte Nürnberg keineswegs wie ein Aufstiegskandidat. Beim Gegentor köpften sich drei Darmstädter den Ball im Fünfmeter-Raum zu. "Jedes Gegentor ist doch irgendwie vermeidbar", wollte Köllner aus dem 0:1 kein Drama machen. Der Trainer geht ohnehin derzeit ganz vorsichtig mit seinen Spielern um, will sie mit übermäßiger Kritik nicht noch weiter verunsichern. Und so lobte der Fuchsmühler auch das Engagement: "Wir waren dominant. Meiner Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen." Der Club rannte in den zweiten 45 Minuten permanent an, ließ aber auch ab und an die Zielstrebigkeit vermissen. Aber er hatte auch Pech, etwa bei Kevin Möhwalds Innenpfosten-Knaller (71.). Nicht nur deswegen klagte Enrico Valentini genervt: "Wir bringen das blöde Ding nicht über die Linie." Wenigstens bei Georg Margreitters Kopfball zum 1:1 (78.) gelang dies.

"Im Gegensatz zu den letzten Auftritten war es ein Schritt nach vorne", meinte Kevin Möhwald. Der Club muss aber noch größere Schritte machen, will er den Aufstieg nicht noch verspielen. Dabei hat die Offensive ein nicht zu unterschätzendes Problem. Im Club-Spiel tummeln sich zu viele gleiche Charaktere: Edgar Salli, und Marvin Stefaniak waren anfangs auf dem Feld, später auch noch Federico Palacios und Timo Werner. Alle von der Kategorie: klein, wendig - wenig Durchschlagskraft, wenig Zug zum Tor. Was auch für Ersatz-Stürmer Adam Zrelak gilt.

Es fehlt einer mit einer anderen Statur, mit einer anderen Athletik, einer, der eine andere Komponente ins Spiel bringt. Es fehlt Mikael Ishak. Der Schwede mit dem breiten Kreuz hätte auch gegen die Darmstädter Abwehr-Kanten Aytac Sulu oder Romain Brégerie voll dagegengehalten. Mit 12 Saisontoren ist der anfangs als Fehleinkauf abgestempelte Stürmer immer noch Nürnbergs bester Torschütze. Mitte Februar ging mit seinem Innenbandriss im linken Knie gegen St. Pauli auch die Flexibilität im Club-Spiel verloren. Ishak hatte zwar Wochen davor auch nicht getroffen, aber er verlieh dem Club-Spiel eine andere Variante. "Ich weiß nicht, ob es für ihn fürs Dresden-Spiel reicht", sagte Köllner am Sonntag. Am Karsamstag fährt der FCN nach Sachsen. Doch dann steckte der Oberpfälzer die Hände in die Hosentasche und sagte entschlossen: "Eine Woche später im Heimspiel gegen Heidenheim ist er wieder topfit." Das war die beste Nachricht am Sonntag.

Wir bringen das blöde Ding nicht über die Linie.Enrico Valentini
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