08.03.2017 - 21:06 Uhr
Sport

Eltern von Club-Trainer Michael Köllner erinnern sich Vom Dorf-Bolzplatz in die großen Stadien

Fuchsmühl. Dienstag, 15.30 Uhr: In einer Pressemitteilung teilt der 1. FC Nürnberg mit, dass sich der Zweitligist mit sofortiger Wirkung von Trainer Alois Schwartz trennt. Als Neuen stellt der Verein den 47-jährige Oberpfälzer Michael Köllner vor. In Herzogöd, in einem Ortsteil von Fuchsmühl (Landkreis Tirschenreuth), steht kurz darauf das Telefon nicht mehr still. "Eine Freundin hat mich angerufen. Sie hat gesagt: Der Michl ist Club-Trainer", sagt Marianne Köllner, die auf Facebook die Meldung entdeckt. Die Überraschung ist perfekt. Aber sie kann ihren Sohn nicht erreichen. Erst Stunden später, kurz vor Mitternacht, kommt eine SMS zurück: "Danke Mutti. Mit Gottes Segen schaffe ich das schon."

Ob er da schon gewusst hat, dass er einmal als Cheftrainer ins Nürnberger Stadion zurückkehren wird? Michael Köllner (Zweiter von rechts) mit Rainer Fachtan (Zweiter von links), Michael Voigt (links) und Günter Brandl (rechts) bei einem Talent-Sichtungstag. Bild: privat
von Armin Eger Kontakt Profil

"Wir sind stolz auf ihn", sagen die Eltern Erich und Marianne Köllner, die im Vorfeld nichts gewusst haben. Als sie am Mittwochmorgen die Zeitung aus dem Briefkasten nehmen, registrieren sie das Ereignis erst so richtig. "Fußball war schon immer sein Leben", sagt der Vater, der aber weiß: "Der neue Job kann ein Schleudersitz sein."

Auch der Vorsitzende der SG Fuchsmühl, Philipp Gerg, erinnert sich: "Michl war mein erster Trainer in der Schüler, als ich sechs war. Er war ja mehrere Jahre bei uns. Wir haben da schon gemerkt, dass er hoch hinaus will. Es freut uns natürlich, dass einer aus unserem Verein es so weit gebracht hat", so der 27-Jährige. Der Kontakt zu Köllner sei nie abgerissen. Gerg: "Er kommt immer wieder mal zum Stammtisch nach Fuchsmühl." Auf den Fuchsmühler Bolzplätzen ist Michael Köllner schon in frühen Jahren ständig zu finden. Bei der SG Fuchsmühl läuft er in den Schüler- und Jugendmannschaften auf. In Weiden besucht er das Augustinus-Seminar, danach geht es als Berufssoldat zur Bundeswehr. Von der SG Fuchsmühl wechselt er zum SC Luhe-Wildenau, kickt dort in der Landesliga und in der Bezirksoberliga. Nebenbei macht Köllner noch die ersten Trainerscheine: die B- und danach die A-Lizenz, trainiert er die Schüler, Jugend, die erste und zweite Mannschaft bei seinem Heimatverein Fuchsmühl.

"Nach der Bundeswehr wollte ich ihn im Landratsamt unterbringen", sagt Vater Erich. Aber der damals 28-Jährige hat andere Pläne. Er will sein Hobby zum Beruf machen. DFB-Stützpunkttrainer, ein kurzes Gastspiel als Coach beim FC Bayern Hof sind weitere Stationen, bevor Köllner sich zur Ausbildung als Fußball-Lehrer anmeldet. Am 8. Dezember 2004 hat er diesen in der Tasche. "Das hat er damals aus der eigenen Tasche bezahle, das war richtig teuer", so Erich Köllner. Schon zwei Jahre vorher beginnt der Fuchsmühler hauptamtlich als DFB-Koordinator für Talentförderung in Bayern. Zwölf Jahre bleibt er dabei, trainiert anschließend von 2014 bis 2015 die U17 der SpVgg Greuther Fürth und ab Juni 2016 die U21 des Clubs. Zugleich übernimmt er die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums in Nürnberg.

Als Jugendkoordinator beim NLZ Weiden, hat Rainer Fachtan deshalb einen guten Draht zu Köllner. "Schon 1997 hatten wir zusammen die Kreisauswahl Marktredwitz trainiert und nachdem Michael beim DFB war, hatten wir immer wieder viel miteinander zu tun", erinnert sich Fachtan, der nur fünf Kilometer entfernt von Köllners Elternhaus, in Schafbruck, lebt. "Ich freue mich für ihn. Michael kennt das Geschäft , hat großes Fachwissen und hat mit der U21 in Nürnberg schon auf hohem Niveau erfolgreich gearbeitet", ist Fachtan sicher. "Ich bin fest davon überzeugt, dass der den Club wieder ins richtige Fahrwasser bringt." Am Dienstag hat er Köllner noch eine SMS geschickt und gratuliert. Gestern kam die Antwort zurück. "Wir telefonieren in den nächsten Tagen." Fachtan hat Verständnis dafür. "Der Michael hat jetzt jede Menge zu tun".

Das hat der neue Trainer sicher. Am Sonntag steht er erstmals als Verantwortlicher beim Club an der Außenlinie. Ab 13.30 Uhr wartet im Heimspiel der Tabellenvorletzte Arminia Bielefeld. Nach dem Spiel sitzt der Neutrainer im Auto. Es geht Richtung Heimat, zum Geburtstag seiner Mutter. "Ich habe gesagt, das schaffst du nicht", erzählt Marianne Köllner. "Ich bin um 7 bei euch, hat er aber versprochen", freut sich die Mutter, die hofft, dass Michael den ersten Sieg mit dem Club mitbringt. "Das wäre ein schönes Geschenk."

Eine Freundin hat mich angerufen, sie hat gesagt: Der Michl ist Club-TrainerMarianne Köllner, Mutter von Michael Köllner

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