04.03.2018 - 22:08 Uhr

Trainer der auffälligste Nürnberger bei Derbypleite gegen Fürth Michael Köllner zieht blank

Ausgerechnet im 264. Frankenderby gegen Greuther Fürth endet die Erfolgsserie des 1. FC Nürnberg. 0:2 heißt es nach 90 höhepunktarmen Minuten. Der einzige Clubberer, der an diesem bitterkalten Nachmittag richtig heiß läuft, ist Trainer Michael Köllner.

von Fabian Leeb Kontakt Profil

Es lief die 79. Spielminute im Max-Morlock-Stadion als Club-Coach Michael Köllner strammen Schrittes Richtung Ersatzbank stapfte. Er entledigte sich seiner Jacke und trieb die Mannschaft, die lethargisch einer peinlichen Derbypleite entgegentaumelte, fortan nur mehr mit einer roten Weste gekleidet an. Der Club lag 0:1 hinten, und es waren noch elf Minuten zu gehen. Das Kuriose daran: Es war bitterkalt im weiten Rund. Temperaturen kaum über dem Gefrierpunkt ließen die 47 489 Zuschauer bibbern, da das Geschehen auf dem Rasen nur unwesentlich zu deren Erwärmung beitrug.

Doch Köllner lief in der Schlussphase erst richtig heiß. Wenig später musste auch die rote Weste weg. Der Fuchsmühler coachte nur mehr im Hemd - mit zurückgekrempelten Ärmeln. "Der vierte Offizielle sagte, dass ich entweder meine Jacke wieder an- oder die rote Weste ausziehen soll. Der Schiedsrichter-Assistent hätte mich mit einem Spieler verwechselt und Probleme beim Erkennen von Abseitsstellungen. Da habe ich die Weste eben auch noch ausgezogen", stellte Köllner klar. Hatte er keine Angst, sich zu erkälten? "Ach Quatsch, da bin ich hart im Nehmen." Es war bezeichnend für den Nürnberger Derby-Auftritt, dass der Trainer der mit Abstand auffälligste Akteur war.

Die 0:2-Pleite gegen den Nachbarn aus Fürth, nach Treffern von Khaled Narey (49.) und Daniel Steininger (90.+2), war hochverdient. "Wer sich keine Chancen kreiert, kann keine Tore erzielen. Dann verlierst du auch gegen den Tabellen-16.", zeigte sich Linksverteidiger Tim Leibold selbstkritisch. Die ansonsten so ballsichere Nürnberger Mannschaft "glänzte" mit unzähligen Ballverlusten, Abspielfehlern und war in der Offensive so bissig wie ein zahnloser Tiger. Besonders der neu ins Team gerückte Adam Zrelak war mehr Fremdkörper denn Torjäger und Winter-Neuzugang Federico Palacios machte in vorderster Front kaum einen Ball fest. Da auch Kreativgeist Kevin Möhwald als Spitze fehl am Platz wirkte, war die Sehnsucht nach dem noch länger verletzten Mikael Ishak fast allgegenwärtig.

"Ich habe Fürth nicht so defensiv erwartet. Gegen eine tiefstehende Fünferkette ist es nie leicht. Da musst du deine wenigen Chancen konsequent nutzen", sagte Köllner. Das Problem: Der Club verzeichnete in 90 Minuten keinen einzigen Schuss aufs Fürther Gehäuse. Viel mehr Offensivgefahr strahlten auch die Gäste nicht aus. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass sie ihre wenigen Möglichkeiten konsequent verwerteten. Auch weil sich die FCN-Hintermannschaft unerklärliche Aussetzer - bei beiden Gegentreffern in Person von Eduard Löwen - leistete. "Endlich unser erster Auswärtssieg. Und das ausgerechnet im Derby. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball", freute sich Fürths Trainer Damir Buric. Trotz der Derbypleite und dem damit einhergehenden Verlust der Tabellenführung setzt Buric weiter auf den Club als Aufsteiger. "Sie werden sich das nicht mehr nehmen lassen." Dazu bedarf es aber einer Leistungssteigerung und die Kleidung des Trainers sollte nicht mehr das dominierende Thema sein.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp