22.10.2017 - 22:12 Uhr
Sport

Vicente del Bosque in Nürnberg ausgezeichnet "Königliche" Legende

Er kam und stellte sich milde lächelnd vor die Reporter. "La Bestia Negra"? Mit dem FC Bayern München sei immer zu rechnen, schmunzelte Vicente del Bosque.

Zwei Fußball-Prominente nebeneinander: "Kicker"-Herausgeber Rainer Holzschuh (links) zeichnete in Nürnberg den spanischen Alt-Interationalen und Trainer Vicente del Bosque mit dem Deutschen Fußball-Kulturpreis 2017 aus. Die Trophäe ist nach Walther Bensemann, dem Gründer des "Kicker", benannt. Bild: Houschka
von Autor HOUProfil

Und Jupp Heynckes, den er lange kennt und schätzt? "Gute Lösung". Schließlich die Frage aller Fragen: Welches Team wird nächstes Jahr Fußballweltmeister? Wer das anstrebe, so der Spanier, müsse wohl erst an Deutschland vorbeikommen.

Menschenauflauf in der Tafelhalle. Stehender Beifall für einen, der als Spieler mit Real Madrid fünf Landesmeistertitel und vier Pokale holte, 300 Partien für die "Königlichen" absolvierte, 18 Mal in der Nationalmannschaft stand und später als Trainer endgültig zur Legende wurde, als er 2010 mit Spanien den WM-Titel gewann. Vicente del Bosque, demnächst seinen 67. Geburtstag feiernd, und einer, der auf die Leute zugeht.

Als "Kicker"-Herausgeber Rainer Holzschuh im Beisein von DFB-Präsident Reinhard Grindel die Laudatio auf Vicente del Bosque hielt, zitierte er Günter Netzer, der einst mit dem Adeligen aus Salamanca bei Real Madrid im gleichen Team auflief. Netzer sagte über ihn: "Der charakterlich stärkste Fußballer, der mir je begegnet ist". Einer, dem es später gelungen sei, Leute von Real Madrid und vom FC Barcelona in eine Mannschaft zu integrieren.

"Sie gingen als Weltmeister vom Platz." Nicht nur das. Vicente des Bosque habe Spieler wie Luis Figo, Raul und Zinedine Zidane zur Weltklasse geformt. "Weil sie wussten, dass man den Coach nicht enttäuschen durfte." Wird der ältere Herr noch einmal das tun, was Jupp Heynckes gerade macht? Rückkehr ins Geschäft?

Wieder dieses smarte Lächeln. "Ich kümmere mich um die Familie, besuche Veranstaltungen", sagte Vicente del Bosque nur und bekam nach der mit 10 000 Euro dotierten und nach "Kicker"-Gründer Walther Bensemann benannten Auszeichnung von Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein die Frage gestellt, wie er denn eine Trennung der Katalonier von Spanien sehe.

Der in seiner Heimat hoch verehrte Senor blieb sich treu, ließ den Säbel stecken und focht mit dem Florett. "Ich hoffe", unterstrich er, "dass dabei der Fußball eine verbindende Rolle spielen kann." Sein Preisgeld gibt Vicente del Bosque an eine Nachwuchsförderung und für eine Behinderteneinrichtung. Er selbst ist Vater eines behinderten Sohnes.

Den Preis der Nürnberger Akademie für Fußballkultur gibt es jährlich in verschiedenen Kategorien. Die Trophäe für den flottesten Spruch erhielten heuer Fans des FC Schalke 04, die auf ein Transparent schrieben: "Wir danken der Mannschaft, dass sie uns auch in dieser Saison so zahlreich nachgereist ist." Das nach Meinung der Jury beste Fußballbuch schrieb Bernd-M. Beyer über den deutschen Nationaltrainer Helmut Schön. Der Preis "Lernanstoß" ging an das Projekt "Schule ist auf'm Platz", initiiert von Rot-Weiß Essen.

Nicht nur Vicente des Bosque stand im Rampenlicht. Denn als DFB-Präsident Reinhard Grindel eben auf der Fahrt nach Nürnberg war, hatte die deutsche Damenmannschaft ihr WM-Qualifikationsspiel gegen Island mit 3:2 verloren. "Macht mir Sorge", sagte er in Nürnberg und fügte hinzu: "Da müssen wir wohl ein Brikett zulegen."

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