07.02.2018 - 22:00 Uhr

Zwei sind weg, dem Club drohen weitere Abgänge 1. FC Nürnberg eigentlich zum Aufstieg verdammt

Klar auf Aufstiegskurs: Beim 1. FC Nürnberg läuft es derzeit bestens. Doch es gibt auch ein leichtes Grummeln. Grund: Die Abgänge zuletzt - und es drohen weitere.

Patrick Kammerbauer ist weg.
von Josef Maier Kontakt Profil

Die Quelle mit Talenten sprudelte und sprudelte: Erst tauchte Patrick Erras auf, dann Cedric Teuchert, Patrick Kammerbauer, Dennis Lippert, Lukas Mühl und auch noch Eduard Löwen. Nahezu im Monats-Rhythmus produzierte das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des 1. FC Nürnberg einen "Profi" aus dem eigenen Bereich. Doch diese Entwicklung, die andere Profiklubs teils mit Neid, teils mit Bewunderung begleiten, birgt auch eine Gefahr. Nach den Winter-Verkäufen von Teuchert (Schalke) und Kammerbauer (SC Freiburg) grummelt es in der Basis durchaus. In Foren und Blogs wird beklagt, dass die Talente zu Mini-Preisen verschleudert worden seien.

Club verfolgt seine Linie

Trainer Michael Köllner spricht nicht gerne über die Abgänge. Es wäre aber nur allzu verständlich, wenn der Trainer aus der Oberpfalz enttäuscht wäre, denn einige der Jungen hat er zu seiner Zeit als Leiter des NLZ selbst mit hochgezogen. Der immer noch klamme Club verfolgt dabei eisern seine Linie und vergibt kaum längerfristige Verträge. Da ist die Vergangenheit dem Vorstand eine Warnung. Noch immer hat der FCN an hochdotierten Verträgen für mittelmäßige Spieler aus der Bader-Ära zu knabbern. Laufen allerdings die Kontrakte der gut ausgebildeten Jungen aus, stehen andere Klubs Schlange. Und bevor die Nürnberger gar nichts mehr kriegen, verkaufen sie die Spieler kurz vor Vertragsende.

Einige überschätzen sich

Hinzu kommt, dass sich einige Spieler in ihrem Status wohl überschätzen und sie sich auch nicht wertgeschätzt fühlen. Sportvorstand Andreas Bornemann sagte jüngst zum Fall Kammerbauer dem Online-Portal "nordbayern.de": "Es ist ja nicht so, dass er seit zwei Jahren uneingeschränkter Stammspieler ist. Ich kann solche Spieler nicht nach einem halben Jahr auf ein Gehaltsniveau heben, wie es in der Bundesliga üblich ist. Wir wollen nicht wieder das Gefüge durcheinanderbringen und erneut in die Situation kommen, dass wir mit Spielern nicht verlängern können, obwohl es Sinn machen würde." Wollte der Club jetzt für Kammerbauer noch etwas kassieren, musste er ihn in der Winterpause verkaufen. Den Vorwurf, dass die 300 000 Euro für einen U20-Nationalspieler lächerlich seien, kontert der Sportvorstand: "Wenn ich vier Monate später null Euro bekäme, dann ist jeder Euro, den ich jetzt erhalte, schon mal mehr." Für Teuchert, so wird gemunkelt, hat Schalke eine Million Euro überwiesen. Die Ablösesumme könnte sich, je nachdem wie sich der Coburger macht, noch auf zwei Millionen Euro verdoppelt.

Die Spieler sitzen mittlerweile am längeren Hebel. Da viele deutsche Erstligisten beim Transfer-Wahnsinn, der aus England herüberschwappt, nicht mehr mithalten können, suchen diese Vereine in der zweiten und dritten Liga nach gut ausgebildeten Nachwuchsprofis. So war es bei Kammerbauer und Teuchert. Bornemann zu "nordbayern.de": "Die Spieler gehörten alle zur günstigen Kategorie, bei der die Vereine sagen: 'Den gönne ich mir mal und schaue, was passiert'." Der FCN müsse da anders herangehen: "Wir müssen in viele Spieler investieren und schauen, dass sie uns irgendwann mal helfen - und der Verein später von einem Transfer profitiert."

Gehalt vervierfacht?

Gegen das Schalke-Angebot für Teuchert hätte der Club nichts ausrichten können, sagte der Sportvorstand weiter. Der Oberfranke habe auf Schalke sein Gehalt womöglich vervierfacht, vermutet Bornemann.

Mit Patrick Erras, Eduard Löwen und Lukas Mühl (Dennis Lippert ist verletzt) standen am Freitag gegen Aue drei NLZ-Eigengewächse in der Startformation. Diese Spieler dürften dem Club länger die Treue halten. Aber schon zittern sie beim Altmeister um das nächste Talent: Nils Piwernetz aus der U19. Der deutsche U-18-Nationalspieler hat unter anderem den FC Augsburg und RB Leipzig auf sich aufmerksam gemacht. Gegen deren Werben wäre der FCN machtlos. Der Vertrag von Piwernetz läuft bis Mitte 2019. Der 17-Jährige wäre ein Schnäppchen.

Möhwald überlegt noch

Zudem enden in diesem Sommer die Arbeitspapiere der Leistungsträger Kevin Möhwald und Tim Leibold, die beide auch erst 24 Jahre alt sind. Möhwald sagte am Freitag nach dem Aue-Spiel noch einmal , dass es keinen neuen Stand im Hinblick auf eine Vertragsverlängerung gebe und er in einer "verzwickten Lage" sei. Wenn er gehe, sei das keine Entscheidung gegen den 1. FC Nürnberg. Da baut einer schon mal vor. Und auch Leibold spielt mit dem Gedanken, den Zweitliga-Zweiten zu verlassen.

Die einzige Chance, sie zu halten: der Bundesliga-Aufstieg. Der Club ist verdammt dazu. Ansonsten bleibt der 1. FC Nürnberg ein Fußball-Supermarkt, in dem andere Vereine gut und günstig einkaufen können.

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