22.05.2018 - 21:44 Uhr
Oberpfalz

Prozess wegen Morden an Prostituierten in Nürnberg Verdächtiger Freier gesteht

Zwei Morde, eine Handschrift: In Nürnberg werden zwei Prostituierte getötet, ein Freier wird verdächtigt und geschnappt. Nun steht er vor Gericht. Verhörvideos spielen eine wichtige Rolle.

Der Angeklagte hält sich im Landgericht Nürnberg-Fürth einen Ordner vor sein Gesicht. Der 22-jährige Deutsche soll im Mai 2017 in Nürnberg eine rumänische und eine chinesische Prostituierte ermordet haben. Bild: Sven Grundmann/dpa
von Agentur DPAProfil

Es sind sexuelle Abenteuer, die R. einmal im Monat sucht. Auf einschlägigen Webseiten klickt er sich durch die Kontaktanzeigen. Eine chinesische Prostituierte hat es ihm an einem Juni-Abend 2017 angetan. Über das Netz kontaktiert er die 44-Jährige, fährt zu ihr in ein Nürnberger Wohnhaus im Rotlichtmilieu - auf der Klingel steht Winter. Was genau in der Wohnung passiert, weiß nur noch der damals 21-jährige Deutsche. Denn die Asiatin ist nach seinem Besuch tot.

Wegen zweifachem Mord muss sich der Hartz-IV-Empfänger seit Dienstag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Laut Anklage erdrosselt er die Chinesin mit einem Handykabel - während er gleichzeitig Sex mit ihr hat. Er fesselt den Leichnam und lässt den Ermittlungen zufolge noch Geld mitgehen. Laut Staatsanwaltschaft zündet der heute 22-Jährige das Bett mit der Toten an, um Spuren zu verwischen. Als Motiv für die Morde geht die Staatsanwaltschaft von Habgier aus.

Auch Jennys Bett wird angezündet, auch die rumänische Prostituierte wird erdrosselt - mit Schnürsenkeln wird ihr während des Geschlechtsverkehrs im Mai 2017 die Luft abgeschnürt. Die 22-Jährige war den Ermittlungen zufolge gefesselt und ebenfalls beraubt worden. Die Ermittler sehen einen Zusammenhang zwischen den beiden Morden, finden bei den Leichen identische Spermaspuren. Verbindungsdaten auf dem Telefon des ersten Opfers führen die Beamten zum heutigen Angeklagten. Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft will sich der Nürnberger am ersten Prozesstag nicht äußern. Durch seinen Verteidiger Manfred Neder räumt er die Tötung der Frauen aber ein. Zum Tathergang schweigt der Mann im grauen Sakko.

Das Schwurgericht lässt Videoaufnahmen von zwei Vernehmungen laufen - gegen den Willen der Verteidigers. Darin plaudert R. über seine Eltern, Großeltern, sein Leben in einer Jugend-Pension, über Freunde und Frauen. Spezielle Vorlieben, was Sexpraktiken angehe, habe er nicht. Mit beiden Prostituierten habe er ungeschützten Verkehr gehabt. In der Regel habe er in den Wohnungen nur "die Arbeitszimmer und das Bad" gesehen. Auf Jenny sei er durch einen Bekannten aufmerksam geworden, sagt er den Beamten.

Doch nach mehr als drei Stunden gesteht der gelernte Koch bei der Polizei unter Tränen. Er habe die Frauen umgebracht. "Wir haben uns gestritten", sagt er. Es sei um die Bezahlung der Liebesdienste gegangen. 14 weitere Verhandlungstage sind bis zum 25. Juni angesetzt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp