24.10.2019 - 16:19 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Freie Wähler präsentieren Landratskandidat und Kreistagsliste

Der Name des Landratskandidaten schreit förmlich nach einem Slogan. Mit #WirSindGroß werden die Freien Wähler in den Kommunalwahlkampf ziehen. Doch so gut dies klingt, das Gesicht dazu kennt bislang kaum einer.

Freie-Wähler-Kreisvorsitzende Gabriela Bäumler wünscht Landratskandidat Tobias Groß für den Wahlkampf stets Mumm und prickelnde Ideen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Freien Wähler sind die erste Partei, die einen Herausforderer für Landrat Andreas Meier (CSU) in den Ring schickt. Bei der Nominierungsversammlung zur Aufstellung der Kreistagskandidaten am Mittwoch in der Altenstädter "Wirtschaft" gibt es langen Beifall, als Kreisvorsitzende Gabriela Bäumler verkündet, dass sich Tobias Groß aus Edeldorf bereit erklärt hat.

Den Applaus darf man getrost als Zeichen der Erleichterung werten, dass die Freien dafür überhaupt jemanden gefunden haben. Groß ist ein absoluter Newcomer, der erst seit 2013 bei den Freien Wählern mitmacht und noch nicht einmal Erfahrung in einem Gemeinderat besitzt.

Bei den Delegierten kommt er dennoch gut an, wohl weil er das verkörpert, was der Erbendorfer Bernhard Schmidt, Mitglied im Landesvorstand, als Kardinaltugend der Freien Wähler bezeichnet: "Wir tragen die Stimme der Basis in die Landespolitik."

Nervöse Premiere

Groß' Stimme ist bei seiner Vorstellungsrede allerdings kaum länger als fünf Minuten zu hören. "Mensch, bin ich nervös, ich bin einfach kein großer Redner", gesteht er dem vollen Saal. Das macht den 38-Jährigen nicht unsympathisch. Die 56 Stimmberechtigten heben ihn mit 100 Prozent gültigen Voten in den Sattel. Groß ist verheiratet, hat zwei Söhne (7 und 3), wohnt in Edeldorf, stammt aus einer Landwirtsfamilie und ist von Beruf IT-Systemelektroniker.

Der Listenführer erwähnt stichpunktartig zwar Wasserstoffregion, Kliniken AG, Biomüllverwertung und E-Mobilität, konkret wird er aber nur bei einem Thema: "Unser Landkreis muss raus aus dem Hamelner Bündnis und gemeinsam mit Wunsiedel gegen den Süd-Ost-Link klagen." Damit gibt er die Marschrichtung für den Wahlkampf aus. Die Freien Wähler inszenieren sich als Partei der rigorosen Stromtrassengegner.

Geld-rote Kreuze

Das zeigen viele Anhänger in Altenstadt mit zum X gekreuzten Wäscheklammern am Revers in den Farben Rot und Gelb, dem Symbol des Widerstands. Auch die Platte des Rednerpults ist auf so einem X aufgebockt. Und solche etwa 30 Zentimeter hohen Anti-Trassen-Kreuze aus Holz hat Groß auch zu Hause gebastelt. Er überreicht jedem der acht amtierenden FW-Kreisräte eines. "Stellt sie im Kreistag vor euch auf den Tisch und zeigt dem Landrat damit: nicht mit mir."

Von diesen Kreisräten treten im März sieben erneut an. Nur Thomas Schopf aus Grafenwöhr wird nicht mehr dabei sein. Ansonsten finden sich die Amtierenden auf den Listenplätzen 3 bis 9, hinter Tobias Groß und Kreischefin Gabriela Bäumler.

Der Sprecher der Kreistagsfraktion, Manfred Plößner, gibt als Wunschziel an Sitzen "die magische 10" aus. Als gestandener Kreisrat beweist er, was er Groß voraus hat: geschliffene Rhetorik und Angriffslust. Beispiele: "Von der SPD hätte ich mir in der Koalition mit der CSU im Kreistag mehr erwartet. Aber warum soll ich wo drauftreten, wo eh kein Gras mehr wächst." Richtung CSU sagt er: "Wir waren die Ersten, die eine gemeinsame Anlage zur Biomüllverwertung gefordert haben. Jetzt kommt so was in Kalkhäusl. Es wäre schön gewesen, wenn wir davon auch als Erste erfahren hätten, wenn man schon unseren Antrag übernimmt."

Der Landkreis werde zwar gut verwaltet, Plößner vermisst indes Zukunftsthemen bei Landrat Meier und dessen Partei: "Ein flotter NEW-Aufkleber auf einem Feuerwehrauto reicht mir nicht." Durch die Regierungsbeteiligung in München stünden die Sterne günstig für die Freien Wähler, meint Landesvorstand Schmidt: "Aber wir sind zu brav. Wir müssen unsere Erfolge besser verkaufen."

Wenig Frauen

Das ist nun Aufgabe der 49 Männer und 11 Frauen auf der Kreistagsliste. Hinter den aktuellen Kreisräten sind vor allem Bürgermeister und Gemeinderäte platziert. Einige bekanntere Namen tauchen aber auch weiter hinten auf, etwa Zoiglwirtin Gabi Fütterer aus Neuhaus, Elisabeth Gottsche aus Eschenbach, Michael Eismann aus Altenstadt, Thomas Fritsch aus Pirk und ganz hinten Rupert Seitz aus Kirchendemenreuth.

Sie alle könnten sich noch ein bisschen besser kennenlernen. Das beweisen einige drollige Versprecher in der "Wirtschaft". So stellt Gabriela Bäumler die Windischeschenbacherin Annette Dietl als "Annette Karl" vor, Bernhard Schmidt nennt Bäumler seinerseits "die liebe Gisela".

Die Kreistagsliste der Freien Wähler:

1. Tobias Groß, IT-Systemelektroniker, Theisseil; 2. Gabriela Bäumler, Rektorin, Etzenricht; 3. Manfred Plössner, Polizeihauptkommissar, Vorbach; 4. Hans Bscherer, Fahrschulinhaber, Eschenbach; 5. Karl Lorenz, Oberstudienrat i.R., Eschenbach; 6. Gerhard Steiner, Rektor, Neustadt/WN; 7. Karl Meier, Wirtschaftsingenieur, Neustadt/WN; 8. Albert Gollwitzer, Landwirtschaftsmeister, Eslarn; 9. Bernhard Pscheidt, Selbstständiger, Altenstadt/WN; 10. Annette Dietl, Beamtin, Windischeschenbach; 11. Martin Gleixner, Standortleiter, Vohenstrauß; 12. Hubert Meiler, Landwirtschaftsmeister, Störnstein; 13. Thomas Riedl, Sparkassenfachwirt, Eschenbach; 14. Konrad Adam, Beamter, Altenstadt/WN; 15. Birgit Neumann, Industriekauffrau, Flossenbürg; 16. Gerhard Löckler, Bürgermeister, Schlammersdorf; 17. Holger Götz, Fachinformatiker, Speinshart; 18. Dietmar Schaller, Polizeioberkommissar, Pirk; 19. Helmut Meindl, Betriebsratsvorsitzender, Moosbach; 20. Sina Reber, Studentin, Altenstadt/WN; 21. Wolfgang Graser, Pensionist, Pressath; 22. Bernd Reil, Zollbeamter, Eslarn; 23. Peter Reiser, Krankenpfleger i.R., Neustadt/WN; 24. Eka Reber, Kaminkehrermeister, Störnstein; 25. Regina Götz, Bäckereifachverkäuferin, Schwarzenbach; 26. Oswald Lingl, Handelsfachwirt, Theisseil; 27. Friedrich Janner, Landwirt, Mantel; 28. Ernst Bartl, Informatiker, Vohenstrauß; 29. Matthias Fütterer, Betriebsleiter, Kirchendemenreuth; 30. Sonja Bodensteiner, Standesbeamtin, Bechtsrieth; 31: Hans-Peter Krücken, Polizeivollzugsbeamter, Neustadt/WN; 32. Hubert Schmidt, Eschenbach; 33. Walter Fischer, Technischer Angestellter, Kohlberg; 34. Norbert Karl, Schreinermeister, Eslarn; 35. Nicole Prasow, Kinderpflegerin, Neustadt/WN; 36. Hans Franz, Projektingenieur, Windischeschenbach; 37. Michael Eismann, Brauer, Altenstadt/WN; 38. Wilhelm Weiß, Etzenricht; 39. Michael Bayer-Schmidt, IT-Forensiker, Neustadt/WN; 40. Barbara Käß, Bankfachwirtin, Windischeschenbach; 41. Richard Plössner, Eschenbach; 42. Johannes Schmid, Schlammersdorf; 43. Markus Thumfart, Angestellter, Schwarzenbach; 44. Peter Hartinger, Serviceleiter, Moosbach; 45. Elisabeth Gottsche, Eschenbach; 46. Rudolf Fuchs, Pressath, Verwaltungsbeamter; 47. Jürgen Götz, Waldthurn; 48. Hermann Schmid, Postbeamter i.R., Neustadt/WN; 49. Johann Confal, Störnstein; 50. Hans Wittmann, Geschäftsleiter, Parkstein; 51. Thomas Fritsch, Sozialpädagoge, Pirk; 52. Bernhard Kleber, Selbständiger Fensterbauer, Vohenstrauß; 53. Thomas Riedl, Bauingenieur, Kohlberg; 54. Peter Schramek, Finanzbeamter, Altenstadt/WN; 55. Gabriele Fütterer, Hausfrau, Windischeschenbach; 56. Anton Hirnet, Bundesbeamter, Georgenberg; 57. Daniel Marx, Lehrer, Vohenstrauß; 58. Stephan Pollert, Offizier, Pressath; 59. Petra Baierl, Kaufmännische Angestellte, Bechtsrieth; 60. Rupert Seitz, Technischer Fachwirt, Kirchendemenreuth.

Ersatzkandidaten sind Gerhard Frank, Reinhard Ponitz aus Kohlberg und Hans Wittmann aus Theisseil.

Kommentar:

Groß und selbstbewusst

Freche Igelfrisur, zwei schwarze Ringlein im Ohr, freundliche Aura: Mit Tobias Groß haben die Freien Wähler einen Überraschungskandidaten für den Landratsposten aus dem Hut gezaubert. Allerdings wissen sie selbst, dass der Edeldorfer eine Verlegenheitslösung ist.
Markige Wahlkampffloskeln, dass sie auf Sieg spielen, ersparten sich die Freien bei der Nominierung. Das klingt wohltuend realistisch. Tobias Groß verdient außerdem Respekt, dass er sein Motto „Handeln statt Granteln“ mit der Kandidatur in die Tat umsetzt. Er hat nun die Chance, sich sechs Jahre lang im Kreistag zu profilieren.
Gewagt, aber nicht ausgeschlossen ist die These, dass die Aiwanger-Partei auf Kreisebene die SPD als Volkspartei ablöst. Noch haben die Sozialdemokraten zwar doppelt so viele Sitze, aber ein Landratskandidat ist noch nicht in Sicht. Das spricht nicht für allzu viel Selbstbewusstsein. Davor strotzen wiederum die Freien Wähler. Ihre Kreistagsliste deckt alle Landkreisteile und viele Berufsgruppen ab. Nur elf Frauen sind in Zeiten von Quotendiskussionen allerdings arg dürftig.
Mit der Ablehnung der Stromtrassen haben sich die Freien ein griffiges Wahlkampfthema ausgesucht. Sie sollten sich jedoch nicht zu sehr darauf konzentrieren. Denn geschnitzte Holzkreuze auf Sitzungstischen wirken zwar plakativ, in manchen Augen aber auch ein bisschen albern.

Friedrich Peterhans

Tobias Groß (stehend Mitte, mit gelber Krawatte) führt die Kreistagsliste der Freien Wähler an.

Ich treffe immer wieder Leute, die immer noch nicht wissen, dass wir im Kreistag eine Koalition aus CSU und SPD haben.

Manfred Plößner, Sprecher der Kreistagsfraktion der Freien Wähler

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