08.08.2018 - 16:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Chaos am Münchner Flughafen Koffer geplündert

Chaos am Flughafen, Hotel, 12 Stunden Bahnfahrt statt kurzem Flug, Urlaub ohne Gepäck. Und als die Koffer nach einer Woche ankommen, sind sie geplündert.

Steffi Schuster geht im T-Shirt in der Nordsee baden. Ihr Bikini liegt die ganze Woche im Koffer auf dem Flughafen.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

(ui) Seit 30 Jahren ist Sylt die Lieblingsinsel von Steffi Schuster. Auch in diesem Jahr war für sie samt Mutter, Schwester und Sohn eine Woche Erholung an der Nordsee eingeplant. Kurz vor dem Rückflug stand die Mutter am Meer und verabschiedete sich mit den Worten: "Nie mehr Sylt." Doch die größte Enttäuschung kam erst zu Hause.

Die vier Weidener waren beim geplanten Abflug in das Chaos am Münchener Flughafen geraten, das eine Frau ausgelöst hatte, die durch die Sicherheitsschleusen spaziert war. Zunächst hieß es, dass der für 9.45 Uhr geplante Abflug mit Verspätung klappen könnte trotz Polizeieinsatz. Um 12.15 zeigte die Anzeigentafel an, dass sich die Sylter Passagiere am Gate 24 einfinden sollte. Doch dort war niemand, der die Leute abfertigte. "Ihr Flug geht. Sie haben noch zwei Minuten zum Einsteigen", erinnert sich die Weidenerin an die Auskunft am Infoschalter. "Meine Mutter ist 77. Das ist nicht so lustig, jemanden in dem Alter hin und her zu scheuchen."

Mittlerweile war im Flughafen die Klimaanlage ausgefallen. Die Feuerwehr sorgte mit riesigen Ventilatoren dafür, dass die Menschen nicht reihenweise umkippten.

13.05 Uhr. Zwar verspätet, aber der Flieger hob ab - ohne Passagiere und ohne Gepäck. Von zwei Piloten erfuhr Schuster, dass die Maschine in Sylt die wartenden Fluggäste holen sollte.

Einige Stunden später besorgte sich die Oberpfälzer Gruppe per Smartphone Bahntickets für den nächsten Tag, fuhr mit dem Taxi in eine Hotel in Bahnhofsnähe, kaufte Zahnpasta und machte sich am Sonntag per Bahn ohne Gepäck in der gleichen Kleidung wie am Vortag auf die Reise an die Nordsee.

Ankunft in der Ferienwohnung am Sonntagabend statt Samstagmittag. "Dort konnten wir wenigstens unsere Klamotten auswaschen." Am Montag kaufen die vier neue Unterwäsche und T-Shirts beim Discounter, um sich endlich umziehen zu können. Eine Verlustanzeige für die vier Koffer bei der Lufthansa aufzugeben, dauerte Stunden, war aber am Montag wenigstens möglich. Stunden später der Rückruf: "Das Gepäck liegt in 20-Tonnen-Containern am Flughafen München.

Das nächste Fiasko kam am Mittwoch: Das System hatte Schuster und ihren Mitreisenden den Rückflug gestrichen, weil sie den Hinflug nicht angetreten hatten. Wieder fünf Stunden später: "Sie sind wieder eingebucht."

Am nächsten Tag erreichte ein Anruf aus Hamburg die Gruppe, dass die Koffer am Samstag nach Sylt geliefert würden. "Genau zu dem Zeitpunkt wollten wir am Wochenende zurückfliegen", staunt Schuster. Das Gepäck sollte also besser nach Hause geschickt werden.

Dort kamen die vier Stücke auch an. Einer in der Praxis von Ehemann Armin in Altenstadt, einer zu Hause in Weiden, einer bei der Mutter. "Jeder an einer anderen Adresse", wundert sich Schuster. Keiner war beschädigt, auch die Schlösser in einwandfreiem Zustand. Doch in jedem fehlten Wertsachen, darunter die mehrere hundert Euro teure Gleitsichtbrille der Mutter. "Wer auch immer etwas damit anfangen kann."

Erstaunlich: Die Koffer waren nicht durchwühlt. "Sie waren gepackt, wie ich sie gepackt hatte." Eine Dame von der Lufthansa habe gesagt, dass aus vielen Gepäckstücken Ketten, Wertsachen, Schmuck und anderes bei vielen weggekommen seien. "Wir waren nicht die einzigen", erfuhr Schuster. Die Verlustmeldungen seien immens. Gleich am Samstagabend erstattete sie in Weiden Anzeige. "Am Montag habe ich die Verluste aus den anderen Koffern nachgemeldet."

Am Freitag startet die Weidenerin erneut von München zum Urlaub mit Familie und Freunden. "Ich hoffe, dass dieses Chaos nicht mehr passiert." Weil es zum Segeln geht, gibt sie keinen Koffer auf, sondern fliegt nur mit Handgepäck.

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