25.01.2019 - 16:20 Uhr
Altmugl bei NeualbenreuthOberpfalz

Perlentaucher im Meer regionaler Genüsse

Rein optisch erwartet man hinter der Fassade der „Altmugler Sonne“ kein Gourmet-Lokal. Aber in fünf der sieben deutschen Restaurant-Führer hat das Haus seinen Platz. Besonders stolz sind die Besitzer auf den Eintrag im „Feinschmecker“.

Bei Silvia und Johann Lemberger ist Essen Wellness pur.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Schon im Kindergarten der Mallersdorfer Schwestern hatte der damals fünfeinhalbjährige Johann Lemberger einen äußerst feinen Geschmackssinn. Er war der Einzige, der gemäß dem Struwwelpeter-Zitat "Nein, meine Suppe esse ich nicht" diese auch nicht auslöffeln musste, wenn er befand: "Die schmeckt heute greislich." Vielleicht habe es auch daran gelegen, dass er ein echtes Kind der Heiligen Nacht ist - er erblickte vom 24. auf den 25. Dezember um 2 Uhr das Licht der Welt - "und deshalb die Schwestern jemand Besonderes in mir sahen".

Slow Food ist angesagt

Längst muss er sich nicht mehr mit greislichen Suppen herumschlagen, hat der 46-jährige Gourmetkoch sein eigenes Restaurant. Die neueste Erwähnung in einem Restaurant-Führer findet sich im "Slow-Food-Genussführer" 2019/20 unter der Überschrift "Bei diesem Aroma geht die Sonne auf". Seit drei Jahren unterstützen Ehefrau Silvia und Johann Lemberger das Slow-Food-System. Lemberger betont: "Slow Food, das hat nichts mit langsam essen zu tun." Darunter sei eher zu verstehen, dass sich viele regionale Einzelkämpfer zusammentun und sich ergänzen.

"Für uns heißt das, dass wir gezielt regional einkaufen. Der eine hat zum Beispiel besonders tolle Karnickel, der andere Rind oder Schwein, und den Ziegenkäse holen wir aus Chodovská Hut bei Promov, nicht weit von Mähring entfernt, bei den tschechischen Nachbarn." Slow Food bedeute, das Produkt habe eine Geschichte und die müsse man kennen. "Zu uns kommen Leute, denen es egal ist, was es gibt. Sie sagen höchstens: ,Was können Sie mir denn heute machen?" Egal was man isst, es müsse gut schmecken. Die Menükarte gibt es erst am Abend, erst dann erfährt der Gast, was er zu Essen bekommt.

Simple Preisgestaltung

Allerdings fragen die Lembergers bereits bei der telefonischen Reservierung (ohne geht gar nichts), was absolut nicht sein dürfe, zum Beispiel wegen Allergien. Auch Wünsche sind willkommen. "Vegan ist übrigens auch kein Problem." Die Preisgestaltung ist simpel. Das Dreigangmenü kostet 23, das Viergangmenü 59 und das Fünfgangmenü 74 Euro. Für Letzteres sollte der Gast vier bis fünf Stunden Zeit mitbringen.

"In der Region gibt es viele kulinarische Perlen und wir sind die Taucher, die sie ans Licht bringen. Bentheimer Schweine, küchenfertige Steinpilze, direkt aus dem Wald, oder den einen oder anderen besonderen Fisch aus heimischen Gewässern, es ist alles vorhanden, man muss es nur zusammentragen. Bei uns gibt es immer das, was gerade geliefert wird, was gerade wächst und was in die Region passt", so Johann Lemberger.

Seine 41-jährige Frau Silvia stammt aus Wiesau und ist bodenständige Oberpfälzerin. In jungen Jahren hat sie als Bürokauffrau gearbeitet, was ihr heute sehr zugute kommt. "Wenn du ein Geschäft hast, ist Buchhaltung das halbe Leben", weiß sie. Vor 16 Jahren lernte sie Johann Lemberger in einer Weidener Disco kennen und landete der Liebe wegen in Altmugl.

In Venezuela geboren

Johann Lemberger wurde in der venezolanischen Hauptstadt Caracas geboren. Dort verbrachte er mit seinen Eltern die ersten fünf Jahre seines Lebens. Zur Familie gehören außerdem eine jüngere und eine ältere Schwester, Veronica und Barbara. Schnell habe die Mutter realisiert, dass eine Schulausbildung in Venezuela nicht das Gelbe vom Ei sei und ging deshalb mit den Kindern zurück nach Deutschland. Die Kulinarik liegt allen Lembergers offensichtlich im Blut, denn beide Schwestern sind Hotelfachfrauen mit Ausbilderschein, wenn auch nicht in der "Altmugler Sonne". Dort ist Johann Lemberger Einzelkämpfer in der Küche. Nach der Rückkehr aus Südamerika landete die Familie zuerst im niederbayerischen Mallersdorf. Nach der Grundschule machte Lemberger die Mittlere Reife am Anton-Bruckner-Gymnasium in Straubing.

1989 gekauft

Danach lernte er bis 1992 Automechaniker beim Raiffeisen-Lagerhaus in Neualbenreuth. 1989 hatten die Eltern - der Vater war zwischenzeitlich ebenfalls wieder aus Venezuela zurückgekehrt - die "Altmugler Sonne" gekauft. Die ältere Schwester sollte einmal Hotel und Gaststätte übernehmen.

Aber wie das Leben so spielt, lernte sie am Eröffnungstag den "Papierer-Sepp" vom Gasthof "Schmid-Papierer" in Waldsassen kennen, der damals als Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes in die "Sonne" gekommen war. Sie verliebte sich unsterblich in ihn und zog zu ihm nach Waldsassen. "Dann kriegt es halt Veronica", hieß es damals. "Sie übernahm nach ihrer Ausbildung für fünf Jahre, wollte aber noch mehr Erfahrungen sammeln und stand ebenfalls nicht mehr zur Verfügung." Irgendwann sei der Mutter die Arbeit zu viel geworden. Johann Lemberger wusste: Wenn er einsteigt, bedeutet das massig Arbeit, kaum Freizeit und wenig Geld. Aber es war ihm eine Herzensangelegenheit und er ließ sich darauf ein. Schnell erkannten er und seine Frau: "Das Objekt mit dem klassischen System aufrecht zu erhalten, funktioniert nicht." Ein neues Konzept musste her.

Schon lange vor der Übernahme war Kochen die Passion von Johann Lemberger. Den Beruf hat er aber nie gelernt. Nichts Ungewöhnliches bei Naturtalenten. Für seine "Altmugler Sonne" stellte er sich etwas Großes vor. Nicht im Sinne von Quantität, sondern von Qualität. Er wurde bei Gebhard Endl im Bayerischen Wald vorstellig. Der Witzigmann-Schüler war damals der einzige Deutsche, der zwei Objekte mit jeweils einem Stern führte. Hier absolvierte Lemberger ein vierteljährliches Praktikum.

"Das war schon eine Offenbarung, der kochte Bayerisch auf sehr hohem Niveau, das war einfach toll", erinnert er sich. Da lieferten heimische Jäger Wildbret und Gärtner Gemüse, das sie speziell für die beiden Häuser anbauten. Da wurde vor etwa 20 Jahren schon der Gedanke der Regionalität, des Slow Food gelebt." 2004 stieg Ehefrau Silvia mit in den Betrieb ein. Mit der Küche hat sie aber nichts am Hut, wie sie sagt. "Mit ihm zu kochen ist schon sehr schwierig, weil man ihm nichts recht machen kann. Schon wenn du ein Messer nimmst, ist es garantiert das falsche."

Schuhbeck und Co.

2008 dachte Johann Lemberger: "Ich muss mal wieder was dazulernen." Gesagt, getan. Er rief kurzerhand den Küchenchef von Alfons Schuhbeck an, erklärte ihm, dass er selbst ein Haus führt und mal was Neues sehen will. Sein Telefon-Gegenüber dazu: "Arbeiten Sie mal einen Tag mit, dann schau mer mal." So landete Lemberger im Sternerestaurant "Südtiroler Stuben" in München. "Den Schuhbeck selbst habe ich da aber nur selten gesehen." Acht Jahre lang hospitierte Johann dort jeweils von Montag bis Mittwoch. "Ich habe da viel gelernt, viele Inspirationen mitgenommen." Im April 2018 hat Lemberger ein weiteres Praktikum in einem Sterne-Restaurant absolviert, im "Sosein" in Heroldsberg bei Nürnberg mit einem Michelin-Stern. "Das ist momentan eines der angesagtesten Häuser, das ein ähnliches Konzept wie wir auf deutlich höherem Niveau fährt", schwärmt Lemberger.

Kulinarische Botschafter

Für Chef-Heimatunternehmer Alfred Wolf sind Johann und Silvia Lemberger ein Aushängeschild in Sachen Heimatunternehmen. "Ihr gehört zu den Menschen, die Ideen konsequent jeden Tag aufs Neue gegen alle Widerstände verfolgen. Ihr seid kulinarische Botschafter für das Stiftland und für die Region."

Johann Lemberger an seinem Arbeitsplatz.
Von außen betrachtet, vermutet hier wohl kaum jemand einen Gourmettempel, der in fünf Restaurant-Führern erwähnt ist.
Im Genießer-Restaurant.
Der kleine, aber feine Weinkeller.
Der Fisch kommt frisch vom Teichwirt nebenan.
Ein leckeres Perlhuhn-Gericht: In der „Altmugler Sonne“ fühlen sich Gaumen und Augen gleichermaßen wohl.
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