13.02.2020 - 17:41 Uhr
AmbergOberpfalz

Bergwirtschaft: Veränderter Architektenplan sorgt für neuen Ärger

Neuer Wirbel um die Erweiterung der Bergwirtschaft: Seit kurzem kursiert ein Erschließungsplan, der offenbar verändert wurde und die Parkplatzsituation anders darstellt.Versandt wurde er an einige Pfarrer.

Links ist die Original-Version des Luftbilds mit dem Erschließungsplan und den für den Stellplatznachweis von neuer Bergwirtschaft und Hotel gelb eingefärbten Parkplätzen zu sehen. Im rechten Bilddrittel, zum Vergleich daneben gestellt, ist die veränderte Variante, die all jene und nahezu sämtliche weiteren Stellflächen weiß zeigt. Samt der ebenso modifizierten Kartenlegende wird damit suggeriert, dass quasi alle Plätze für die Erweiterungspläne vorgesehen seien. Links oben ferner die „echte“ Umrissdarstellung von altem und neuem Gebäude, die im veränderten Bild vor allem den jetzt schon bestehenden Anbau unterschlägt.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Aufregung um ein Schreiben in Sachen Umbau der Bergwirtschaft: Oberpfalz-Medien liegt dieser Brief vor, der postalisch versandt wurde, und folgenden Absender trägt: "IG Unser Berg, Anton Hummel" samt kompletter Adresse des Sprechers der Interessengemeinschaft gegen die Neubaupläne. Zwar wird dieser Briefkopf verwendet, aber es fehlt die handschriftliche Zeichnung am Ende des knapp eine DIN-A4-Seite langen Textes. Nachdem also die Unterschrift nicht vorhanden ist, nur der Name mit Grußformel noch einmal gedruckt dasteht, wollte die Redaktion von Anton Hummel wissen, ob dieses Schreiben samt verändertem Erschließungsplan von ihm stammt. Eine Nachfrage auf seinem Anrufbeantworter blieb seit Mittwoch unbeantwortet, obwohl die Redaktion die Dringlichkeit der Antwort auf diese Frage deutlich gemacht hatte.

Chronologie der Ereignisse

Amberg

Kirchenstiftung und Fellner empört

Sei's drum. Für die Filialkirchenverwaltung der Stiftung Mariahilfberg und Projekt-Investor Michael Fellner ist die Sache ärgerlich. Sie sehen ihr Vorhaben immer mehr in Misskredit gebracht - "mit falschen Behauptungen und Lügen", wie sie auf Nachfrage empört sagen. Das, was jetzt passiert, hat für sie sogar "neue Qualität". Offenbar würden nun auch Pläne verändert, um Meinungen zu manipulieren.

"Seit eineinhalb Jahren haben wir uns fast alles gefallen lassen - jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem das nicht mehr geht", macht Fellner seinem Unmut Luft über die Erlebnisse seit dem Wettbewerbssieg fürs Projekt Bergwirtschaft. Er spricht von einer "Explosion", die jetzt mal raus müsse, nachdem ihn das Vorhaben und der hauptsächlich von der IG Unser Berg getragene Widerstand schon viel Zeit und Nerven gekostet haben. Dabei meint der Inhaber des gleichnamigen Handwerksbetriebs in Massenricht gar nicht die Bauleitplanung, die der Stadtrat nach den Vorwürfen der Gegner in Gang gebracht hat. Sie sei sicher der richtige Weg, um das teils vorhandene Misstrauen vor allem zur Erweiterung mit Hotelzimmern und größerem Saal auszuräumen, Fakten auf den Tisch zu legen und mit einer transparenten Entscheidung zur Baureife zu gelangen. Die Aufstellung des Bebauungsplans samt öffentlicher Auslegung der Architekten- und Lagepläne scheint es auch zu sein, die nun zum Missbrauch verleitet haben könnte. Ein Luftbild, das Alt- und Neubausituation zeigt, wurde scheinbar vor allem im Bereich der Parkplätze manipuliert. Sprich: Die für den Stellplatznachweis von Gastronomie und Hotel gelb eingezeichneten Flächen erscheinen weiß übertüncht und mit diesem Ton außerdem fast der ganze Kirchparkplatz eingefärbt. Auch die Kartenlegende sieht derart "angepasst" aus, so dass der Betrachter tatsächlich den Eindruck hat, alle Stellflächen auf dem großen Platz, der alljährlich auch vom Bergfest komplett belegt wird, wären für die neuen Pläne vorgesehen.

Frage der "Urkundenfälschung"

Eine Irreführung, für die laut Kirchenpfleger Franz Mertel noch zu prüfen wäre, ob es sich nicht um Urkundenfälschung oder eine andere Form von illegaler Tat handelt, nachdem immerhin ein im Ursprung von Architekt Georg Zunner stammender Plan modifiziert wurde. Übrigens sind in der zeichnerischen Umrissgebung von Bestandsgebäude und geplanter Erweiterung auf dem selben Luftbild der bereits vorhandene Anbau sowie die im Inneren festgehaltenen Bauachsen anscheinend grün übermalt worden. Dadurch wirkt der Baukörper insgesamt größer.

Hintergrund:

Pfarrer, Gemeinden und Bischof angesprochen

Nicht nur der veränderte Erschließungsplan bringt Mariahilfs Kirchenpfleger Franz Mertel und Projekt-Investor Michael Fellner auf die Barrikaden, sondern auch das "ebenso übertriebene" Begleitschreiben an einige Pfarrer in Stadt und Landkreis. Es hebt unter dem Betreff "Unser Mariahilfberg braucht Schutz" auf die Bedeutung der Bergkirche als "wichtigste Wallfahrtskirche in der Oberpfalz" ab. "So gesehen betrifft dieses Bauvorhaben nicht nur die Amberger, sondern auch Ihre Pfarrgemeinde", werden Geistliche direkt angesprochen - offenbar mit der Intention, gegen die Erweiterung der Bergwirtschaft zu sein.

Ebenso unverblümt wird auf den erwarteten Bürgerentscheid hingewiesen. Nachsatz dazu: "Vielleicht können Sie und Ihre Gläubigen uns bei Ihrem Dekan sowie bei der Diözese Regensburg unterstützen." Das macht Mertel und Fellner langsam Angst: "Da wird ein Keil in die Gesellschaft getrieben" - genauer gesagt zwischen die Gläubigen. Vielleicht mit Hilfe der Pfarrer, die in dem Brief zumindest gezielt angesprochen werden. Ein Zweites bereitet Kirchenpfleger und Investor Sorgen: Demnächst wollen Projektgegner bei Diözesanbischof Rudolf Voderholzer vorstellig werden. Beide Männer hoffen, dass sich der Oberhirte nicht von falschen Behauptungen beeinflussen lässt, sondern die Lage anhand von Fakten und wahren Dimensionen beurteilt.

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