17.10.2018 - 14:55 Uhr
AmbergOberpfalz

Bis zum letzten Grünstreifen

Die mittelständischen Industrieunternehmen boomen - und brauchen Platz. Im Industriegebiet Nord sollen jetzt auch noch die letzten Grünstreifen bebaut werden. Aber was kommt dann?

Seat-Tec hat im angestammten Gebäude (links, früher Evelyn-Glashütte) nicht genug Platz. Ab Dezember produziert das Unternehmen nun auch in der neuen Halle auf dem Nachbargrundstück. Darüber freuen sich (vorne, von links) Gewerbebau-Chef Karlheinz Brandelik, Geschäftsführer Siegfried Blass und Gewerbebau-Prokurist Werner Pettinger.

Der Wirtschaftsförderer der Stadt ist zufrieden. "Hier haben wir für ein aufstrebendes Unternehmen eine optimale Lösung gefunden", sagt Karlheinz Brandelik. Die neue Halle für die Firma Seat-Tec in der Wernher-von-Braun-Straße ist endlich fertig. Bis Ende November soll die Sitzfertigung in das rund 860 Quadratmeter große Gebäude auf dem Nachbargrundstück, das die Gewerbebau für 1,3 Millionen Euro errichtet hat, einziehen. "Das ist ein typischer Fall für unsere Bemühungen zur Nachverdichtung", erklärt Brandelik. Das Industriegebiet Nord ist rappelvoll. In dem gesamten Areal ist nur noch eine einzige Parzelle mit etwa 2000 Quadratmetern frei. Derzeit ist die Stadt dabei, den bestehenden Bebauungsplan zu überarbeiten. Ziel: letzte verbliebene Grünstreifen nutzen und geeignete neue Flächen an den Rändern finden. "Aber dann ist irgendwann mal Schluss."

Fatal wäre es aus Sicht der Wirtschaftsförderung, wenn boomende Unternehmen ihren Standort in der Region aufgeben, weil sie sich räumlich nicht ausbreiten können. Einer der Lösungsansätze ist die Initiative "Wirtschaftsraum Amberg" - ein im März ins Leben gerufenes Bündnis der Stadt mit fünf Umlandgemeinden. "Da halten wir Ausschau nach verwertbaren Grundstücken im Landkreis." Dass das neue Logistikzentrum für Siemens im Industriegebiet Schafhof entsteht, sei unter anderem dieser Kooperation zu verdanken. Angemerkt

Boom im Industriegebiet Nord:

Die Firma Seat-Tec erweitert ihre Produktionsflächen – das Geschäft mit hochwertigen Autoteilen und Sonderanfertigungen von Sitzen läuft gut. Geschäftsführer Siegfried Blass präsentiert einige seiner Vorzeige-Stücke: den Außenspiegel für den Bugatti Chiron zum Beispiel. Das Auto gilt mit einem Preis von rund 2,86 Millionen Euro als teuerster Seriensportwagen der Welt. Nicht nur der komplette Außenspiegel samt schmalstem Blinklichtstreifen der Welt – er ist nur vier Millimeter breit – stammt aus der Fertigung in Amberg. Auch Schalter für Fensterheber, Leseleuchten und andere Teile des Interieurs werden in Fräsverfahren und Handarbeit im Industriegebiet Nord hergestellt. Seat-Tec beschäftigt derzeit 28 Mitarbeiter in Amberg und unterhält noch eine Niederlassung mit drei Leuten in Frankreich. (upl)

Siegfried Blass mit zwei seiner Vorzeigestücke. Rechts der Außenspiegel für den Bugatti Chiron.
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