29.08.2018 - 17:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Logikspiel ohne Omar Sharif

Es herrscht absolute Stille. Viertelstündlich beginnt ein lautes Stühlerücken und 74 Stimmen murmeln durcheinander. Die Spieler sind gemischt und die Karten liegen auf dem Tisch – beim größten Bridge-Freundschaftsturnier in Amberg.

Sie verbündeten sich zum ersten Mal beim Bridge und gewannen auch noch das größte Freundschaftsturnier in Amberg: Klaus Appelt und Dr. Albert Kaltenthaler.

Von Dagmar Williamson

Pokergesichter, die über ihre Brillenränder einen stechenden Blick Richtung Partner richten. Die Bietbox mit 35 Geboten ist das Utensil schlechthin. Griffbereit daneben liegt der Bridge-Teleporter. Dieser sieht aus wie ein Taschenrechner, dient aber zur schnellen Datenübertragung der Endergebnisse jeder Runde. Hightech beim Denksport.

Zum größten Freundschaftsturnier des Bridge-Clubs Amberg sind sogar Kartenspieler aus der Steiermark in Österreich und aus Leipzig angereist. 74 Denker kommunizieren miteinander nonverbal an 18 Tischen und verfolgen nur ein Ziel - ihre Gegner in 30 Runden auszustechen. "Zwei Karo und dann Kontra. Und du sagst Herz." Eine österreichische Spielerin versucht ihrem Partner ihre Denkweise verständlich zu machen. Er ist dagegen. Ob sie verheiratet sind. "Wir sind verbridged. Das ist schlimmer", sagt der Mann, während beide auf ihre neuen Kontrahenten warten. Ganz so ernst scheint Bridge dann doch nicht zu sein. Ambergs Vorsitzende Anneliese Daig verbündet sich mit der 82-jährigen Irmengard Busch. Diese kleine Dame strahlt vor Lebensfreude und lacht wie ein Teenager. Wöchentlich fährt sie von Kastl nach Amberg, um mit anderen Vereinsmitgliedern zu trainieren. Daig und Busch stehen am Ende des Turniers auf dem achten Rang.

Zug um Zug

Alexander Dill ist fast erblindet. Um seine Karten zu erkennen, hält er diese an die Nasenspitze. "Ich muss mir einfach alles merken, sonst funktioniert das nicht", erklärt der Weidener. Seine Partnerin sagt ihm das gegnerische Blatt an. Es ist schon beeindruckend, wie sich der 45-Jährige jeden Zug, jeden Stich und 52 Karten auf kurze Zeit einprägt. Am Ende rutscht er mit Regina Kestel auf Rang 19 und platziert sich im Mittelfeld. Aus der Reihe tanzen Philipp Bleifuß und Joey Deutsch aus Leipzig. Die beiden Studenten besuchten einen Anfängerkurs der Volkshochschule und fanden so großen Gefallen an Bridge, dass sie sich dem Partnerverein von Amberg angeschlossen haben. Sie sind zwar ehrgeizig, haben aber gleichzeitig Respekt vor dem Können ihrer meist älteren Kontrahenten. Als bereits eingespieltes Team schaffen sie es auf Platz fünf von 36.

"Ja, leider gibt es nur noch wenige junge Menschen, die sich für Bridge interessieren", erzählt Klaus Appelt, Turnier-Organisator und Sportwart des Bridge-Clubs Amberg. Es fehle ein heutiger Omar Sharif, der nicht nur als Schauspieler glänzte. Als einer der weltbesten Bridgespieler löste er in den 1960er-Jahren einen regelrechten Bridge-Boom aus. Dabei ist dieses anspruchsvolle Logikspiel gegen alle Klischees durchaus ein attraktiver Zeitvertreib für die junge Generation. Glück kommt hier nicht zum Zuge - strategisches Vorgehen ist gefragt. Und das Zuckerl: Durch die Teilnahme an Turnieren besteht die Möglichkeit, günstig viel zu reisen. Für Interessierte beginnt der Anfängerkurs am Dienstag, 25. September, um 19 Uhr im Hotel Brunner.

Klaus Appelt feiert, unüblich für ein Turnier, seine Premiere mit Partner Albert Kaltenthaler. Der Vorsitzende des Fichtelgebirge-Vereins spielt zum ersten Mal mit dem Amberger. Vor 40 Jahren überzeugte ihn seine Ehefrau, das Bridgespielen zu erlernen. Mit 92 Jahren ist er der Erfahrenste bei diesem Freundschaftsturnier. Bridge bildet im hohen Alter die Brücke zum sozialen Umfeld.

Auf dem ersten Platz

"Wenn der Ehepartner verstirbt, schützt das Spiel vor der Vereinsamung", sagt er. Und vor allem halte es fit im Kopf. Bridge fordere Intelligenz und sei eine Vorbeugung gegen eine Erkrankung an Alzheimer. "Aber so gut bin ich gar nicht." Nicht so gut wie sein Partner, behauptet Kaltenthaler bescheiden, bevor die Ergebnisse bekanntgegeben werden. Nach vier Stunden höchster Konzentration kann er seine Freude dann doch nicht verbergen: Erster Platz für 64 Prozent gewonnener Spiele.

Kursangebot:

Der nächste Bridgekurs wird angeboten am Dienstag, 25. September, um 19 Uhr im Hotel Brunner in der Batteriegasse. (dwi)

Freundschaftsturnier des Bridgeclubs Amberg: Spieler aus ganz Deutschland nehmen teil.

74 Spieler an 18 Tischen drehen 30 Runden beim Freundschaftsturnier des Bridgeclubs Amberg.

Vorstandsvorsitzende Anneliese Daig (rechts) mit Partnerin Irmengard Busch aus Kastl (links): Ihre Strategie verhalf ihnen zu Platz 8.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.