23.07.2020 - 16:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Maschinen wieder Leben einhauchen

Kommt ein Wohnhaus in die Jahre, ergeben sich zwei Optionen: Neu bauen oder den Bestand sanieren. Das Ingenieurbüro Abraham Automation überträgt das Retrofit-Konzept auf Produktionsanlagen der Industrie – und ist damit Vorreiter im Bezirk.

Alte Produktionsanlagen von Industriebetrieben müssen nicht weggeworfen werden – mit Retrofit können sie wieder fit gemacht werden. Doch das Upcycling der Anlagen bedeutet viel Vorbereitungsarbeit für Projektmanagerin Viktoria Sidorkin, Geschäftsführer Daniel Abraham und Elektrokonstrukteur Martin Ruhland von Abraham Automation.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Zu ihren Kunden zählen Siemens, Cherry oder Stäubli WFT: „Die Produktionsanlagen unserer Auftraggeber sind oft 30 Jahre alt. Die funktionieren zwar noch gut, doch Software und Elektronik sind veraltet. Wir kommen dann und hauchen der Maschine wieder leben ein.“ Mit diesen Worten erklärt Daniel Abraham, Geschäftsführer von Abraham Automation, das Retrofit-Konzept. Das Amberger Ingenieurbüro mit 17 Mitarbeitern ist bislang zwar im Bereich von Robotik und Elektrokonstruktion tätig, baut sich aber gerade mit Retrofit ein neues Standbein auf.

Upcycling günstiger als Neukauf

Hinter dem Schlagwort verbirgt sich die Modernisierung und Erweiterung von Firmen-Produktionsanlagen im Zeitalter von Industrie 4.0. Ob die Abfüllanlage einer Brauerei oder die Fließbandproduktion eines Automobilzulieferers – „egal, was die Maschine herstellt, wir sind branchenübergreifend tätig“, erklärt Abraham. Der Vorteil bei Retrofit: Eine Anlage zu erneuern ist deutlich günstiger als diese völlig neu zu kaufen. „Gerade in der momentan wirtschaftlich schweren Situation wegen der Coronakrise ist das attraktiv“, sagt Projektmanagerin Viktoria Sidorkin.

Auch Nachhaltigkeit und Effizienz zeichnen Retrofit aus. „Es ist natürlich deutlich umweltfreundlicher, wenn eine alte Anlage modernisiert wird, anstelle sie wegzuwerfen“, ergänzt Martin Ruhland. Als Teamleiter Elektrokonstruktion des Ingenieurbüros weiß Ruhland, dass viele Kunden schätzen, dass Retrofit parallel zur Produktion laufen kann. „Wer eine neue Anlage kauft und bei sich aufbaut, dessen Betrieb steht über Wochen still. Wir bereiten unser Update im Büro vor und arbeiten dann oft an Wochenenden oder Feiertagen, so dass am Montagmorgen das Fließband wieder läuft.“

Die Umsetzung eines Retrofit-Auftrags dauert oft mehrere Jahre. „Manchmal kommen wir zu Kunden und sollen Anlagen modernisieren, von denen gibt es nicht mal mehr Bedienungsanleitungen“, sagt Ruhland. Dann müssen sich die Amberger Fachleute erst mühselig die Funktionsweise der alten Maschinen aneignen, bevor sie in monatelanger Vorbereitungsarbeit im Büro die passenden Systemmodernisierungen vorbereiten.

Retrofit zukunftsträchtig

Am Ende zahlt sich das Upcyling aber aus. Die Maschinen können nicht nur um neue Funktionen erweitert werden. Sie verbrauchen danach auch weniger Strom, haben moderne Sicherheitstechnik an Bord und lassen sich für das Personal leichter bedienen durch neue Industriesoftware.

Retrofit ist zwar nichts völlig neues, aber in der Oberpfalz bislang kaum verbreitet. „Für Sondermaschinen und Anlagenbau sind wir die einzigen, die das in der Region anbieten“, sagt Abraham. Der 33-Jährige hält das Upcyling von Produktionsanlagen für zukunftsträchtig. „Die Automatisierung ist in der Industrie erst seit 20 bis 30 Jahren verbreitet. Noch gibt es nicht so viele Maschinen, die modernisiert werden müssen. Aber das ist im Kommen.“ Weil im Zeitalter von Industrie 4.0 Betriebsabläufe zunehmend automatisiert ablaufen und Maschinen über das Internet miteinander kommunizieren, dürfte hier bald viel Arbeit auf Abraham und seine Mitarbeiter zukommen.

Industrie 4.0: Das Amberger Siemens-Werk geht bei der Digitalisierung voran.

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