20.08.2018 - 14:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Es muss nicht immer alles Rasen sein

Während in Nachbars Garten der Mähroboter tuckert und die Wiesen akkurat stutzt, genießt AZ-Redakteur Andreas Ascherl seinen Rasen - äh... seine "bodendeckende Moosschicht". Die ist pflegeleicht und braucht keinen Kunstdünger.

Symbolbild.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wir müssen reden! Ja klar, über den nahenden Weltuntergang, die Umweltzerstörung und Donald Trump sowieso. Doch manchmal liegt das Thema ganz nah. So direkt vor der Haustür. Genauer gesagt: Wenn man rausgeht, links davon. Da vegetiert es vor sich hin.

Die einen sagen Rasen dazu, Spötter würden wohl eher von einer "bodendeckenden Moosschicht mit vereinzelten Graselementen" reden, die sich da dem mehr oder weniger gefälligen Betrachter präsentiert.

Und zugegeben: Die Wahrheit liegt nicht - wie so oft - dazwischen, sondern ist so schlicht wie grausam: Das ist kein Rasen! Und wird wohl niemals einer sein. Damit wäre dieses Thema auch schon wieder umfassend abgehandelt. Wäre da nicht der beinahe unerträgliche soziale Druck, der auf einem Rasenbesitzer in unserer kleinen Stadt lastet. Denn links und rechts in den Nachbargärten hoppeln freundlich aussehende Mähroboter über akkurat gestutzte Wiesenflächen, dahinter zaubert ein wahrer Rasenkünstler Jahr für Jahr ein sattes, saftiges, fettes Grün in seinen Garten.

Im Sommer spenden plätschernde Bewässerungsanlagen rund um uns herum reichlich kühles Nass, damit die zarten Halme auch bei tropischen Temperaturen ihr sanftes Grün nicht verlieren. Gegenfrage: Warum sollten wir unser Moos gießen? Klar, es neigt im Sommer eher zum Gelbton. Und wo es sich löst, wächst allenfalls nackte, braune Erde. Traurig! Genau das sagt auch der Blick, mit dem die Gattin gerne auf das florale Fiasko schaut. Allenfalls mit viel Wohlwollen könnte man diesen Gesichtsausdruck noch als mitleidiges Lächeln interpretieren - aber lassen wir das.

Denn eigentlich ist uns unser Moosteppich ja irgendwie ans Herz gewachsen. Von weitem schaut er ganz nett aus, er ist weich und dem hoffnungsvollen Nachwuchskicker im Haushalt ist es ohnehin egal, auf welchem Untergrund er seine Bälle drischt. Und mal ganz ehrlich: Wer braucht schon Vertikutierer, Kunstdünger und Rasenkantenschneider? Der wahre Genießer sitzt mit einem kühlen Getränk in der Hand im Liegestuhl auf seinem Moosrasen und schaut versonnen den Nachbarn zu, wie sie sich im Garten abrackern.

Denn das muss man unserem Moos lassen: Er ist pflegeleicht, schmutzt kaum und stellt auch sonst keine großen Ansprüche. Und irgendwann - vielleicht wenn wir in der Rente sind - packen wir es an. Dann wird unser "Moosi" ein echter Rasen, ein Hingucker mit allem Pipapo. Mit richtigem Gras und echten Halmen und sattem Grün sowieso. Und immer, wenn wir diesen Traum träumen, schrecken wir mitten in der Nacht auf und schauen aus dem Fenster. Und sanft silbrig schimmert unser Moosrasen im Mondlicht. Glück gehabt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp