10.01.2022 - 11:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Neujahrskonzert der Stadt Amberg mit Nürnberger Symphoniker und Viva Voce

Das Amberger Neujahrskonzert im ACC begeisterte das Publikum restlos. Der musikalische Start ins Jahr 2022 mit den Nürnberger Symphonikern und Viva Voce war wie eine Explosion der guten Laune, ein Traumschiff auf den Wellen der Musik.

Das Neujahrskonzert der Stadt Amberg mit den Nürnberger Symphonikern und Viva Voce (im Vordergrund) im ACC war ein Ohrenschmaus.
von Marielouise ScharfProfil

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Zu Coronazeiten passt das Sprichwort leider sehr oft. Auch beim Neujahrskonzert der Stadt Amberg im ACC traf es zu, denn Dirigent Enrique Ugarte war erkrankt und Publikum sowie Programm wegen der Pandemie kleingeschrumpft. Und trotzdem, das Konzert war ein Musikgenuss und Mutmacher gegen all den Pessimismus in diesen besonderen Zeiten.

Das normalerweise eher praktisch-nüchterne Bühnenambiente war mit luxuriösen Amaryllis-Blumenarrangements aufgehübscht, die Audio- und Videotechnik beeindruckte auf hochprofessionellem Niveau. Als Kapitän und Frontmann des prächtigen und mächtigen Orchesters betrat der elegant befrackte Dirigent Florian Ludwig das Kommandopodest. Der gebürtige Franke, derzeit Professor für Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik Detmold, übernahm das Ruder. Mit guter Laune, Schwung und Präzision navigierte er seine Musiker durch die Wogen und Wellen des Programms, alle in schwarzer Abendgarderoben-Eleganz mit ebenso glänzenden Instrumenten und beeindruckender Spielfreude und Kompetenz. Künstlerische Qualität und stilistische Bandbreite sind ja ihr Markenzeichen. Seit 1946 begeistern die Nürnberger Symphoniker mit zahlreichen und unterschiedlichen Musikstilen.

Vier Viva-Voce-Virtuosen

Beim Neujahrskonzert in Amberg am Samstagabend im ACC mussten sie sich neben der Stimmphonie von Viva Voce behaupten. Mit eigenen Orchester-Programmnummern punkteten sie eher selten. Die Petersburger Schlittenfahrt war so ein seltenes Symphonikergeschenk, das auch mit viel Vergnügen gehört wurde. Überwiegend bestimmten aber die vier Viva-Voce-Virtuosen David Lugert (Stimme gewordener Charme und erster Tenor), Andi Kuch (wandelndes Schlagzeug und Bariton), Basti Hupfer (Bewegungskomödiant und zweiter Tenor) und Heiko Benjes (Gentleman am Bass) wohin die Reise ging. Optisch hatten sie sich auf die aktuellen politischen Ampelfarben eingeschossen, also trugen sie rote, gelbe und grüne Pullis unter legeren Jacken. Nur einer fiel aus der modischen Reihe und hatte sich lediglich fürs knallrote Einstecktuch entschieden. Musikalisch überzeugten sie mit A-capella-Gesang, dazu mit Pauken, Schlagzeug, Trompeten und lockeren Sprüchen. Eigenkompositionen und clever arrangierte Coverversionen beliebter Klassiker aller Art bildeten ihr Repertoire. „Wir machen weiter und sind auch morgen noch da“, das behaupteten sie und berichteten von ihren Nöten als Künstler und Musiker, von neuer Jobsuche und früheren Studiums- und Ausbildungserfahrungen. Die Coronazeiten seien hart, aber „die 198 Leute, die da sind, wollen wir glücklich machen“, versprachen Viva Voce und hielten dies. Und das schafften sie nicht nur mit dem "Bergfest-Bier-und-MM-Prechtl-Amberg-Solosong" oder dem großen "Hallelujah", in das die Orchestermusiker monströs und eigenwillig hineingrätschten. Auch vom feierlich-festlichen Freiheitsgedanken oder vom Titanic-Liebesdrama war die Rede.

Von feierlich bis flapsig

Beim Song "My Heart Will Go On" breitete auch der Käptn auf der Brücke ergriffen die Arme weit aus und sorgte damit für Heiterkeit im Publikum. Von feierlich bis flapsig wurde ein Kapitel nach dem anderen abgehakt, sehr schwungvoll und mit Temperament, Witz und lustvollem Können. Weit weg vom starren Schubladensystem der E wie „ernsten“ und U wie „unterhaltenden“ Musik überzeugte dieser Konzertabend mit Fröhlichkeit und Optimismus, gepaart mit hochkarätiger Instrumental-, Gesangs- und Unterhaltungskunst. Mit dem Durchhaltesong „Halt mer zam“, der in der Faschingsprunksitzung in Veitshöchheim vergangenes Jahr Premiere hatte, verabschiedeten sich die Künstler. Die begeisterten Amberger spendeten donnernden Applaus.

Festkonzert für Komponist Erwin Walther

Amberg

 

 

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