Update 11.07.2018 - 17:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Viele Tote waren noch Kinder

Eine andere Zeit, ein anderes Leben: Zeitzeuge Ernst Grube unterhält sich mit Schülern über das Judentum und die Judenverfolgung in Hitler-Deutschland.

Zeitzeugengespräch von Ernst Grube mit den Berufsintegrationsklassen der Berufsschule Amberg. Es geht um Judentum und Judenverfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus.

(exb) Auf Einladung von Studienrätin Eva Scharl führte Ernst Grube am Donnerstag als Zeitzeuge ein Gespräch mit Schülern, die an der Amberger Berufsschule die Berufsintegrationsklassen besuchen.

Grube sagte eingangs: "Ihr kommt hierher und erwartet euch viel, habt Hoffnung, aber auch wir haben eine Geschichte, die Einfluss nimmt auf das Heute und Morgen." Er, der 1932 als zweites von drei Kindern einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters geboren wurde, sprach von der Zeit des Nationalsozialismus sowie seiner Kindheit in München. Aus dieser Zeit stammen auch Erfahrungen mit jüdischen Bräuchen wie dem Lichterfest Chanukka, die tief in seiner Erinnerung verankert sind.

Anschaulich erzählte Grube von dem jüdischen Leben in München, aber auch von der Deportation in Lager, wie es nur jemand kann, der es selbst miterlebt hat. Heutzutage wird es immer schwerer, Überlebende aus dieser dunklen Zeit der deutschen Geschichte zu finden. Dass die Schüler die Gelegenheit zu schätzen wussten, merkten Referent und Lehrer laut einer Mitteilung der Schule an dem sehr lebhaften Gespräch, das sich schnell zwischen Grube und den Klassen entwickelt habe.

Die Schüler aus acht verschiedenen Ländern seien sehr angetan, interessiert und teilweise auch sehr berührt gewesen. Gerade die Diskriminierung und der Hass gegen Juden habe mehrfach zu Nachfragen geführt. Aber auch sein persönliches Schicksal im Kinderheim habe die Jugendlichen bewegt.

Besonders die Isoliertheit, die Trennung von den Eltern und die Abwesenheit jedweder Freundschaft - außer die der Leidensgenossen im Kinderheim, die jedoch durch Deportationen in den Tod jäh beendet wurde - bleibe den Zuhörern länger in Erinnerung. Während der Zeit des NS-Regimes war Ernst Grube eine Schulbildung untersagt geblieben. Doch die Tatsache, dass er nach dem Krieg mit 40 Jahren seine Bildung selbst in die Hand nahm, indem er auf die Abendschule ging, um Lehrer zu werden, hinterließ Eindruck.

Zum Schluss betonte der Referent den Grund, warum er den Weg nach Amberg auf sich genommen hat und warum er oft an Schulen spricht. Er erzähle über die Vergangenheit und bemühe sich, die Erinnerung daran wachzuhalten. Er gedenke damit seiner verstorbenen Freunde aus dem Kinderheim und Verwandten. Ihm sei es wichtig, zu informieren, zum Nachdenken anzuregen und Diskriminierung zu bekämpfen.




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