Update 11.06.2018 - 16:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Ersthelfer darf zur WM

Normalerweise schaut Dominik Steup als passionierter Fußballer die WM im heimischen Wohnzimmer. Heuer mal nicht. Er ist beim ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft live im Stadion. Die drei Tage in Moskau bekam er als Dankeschön.

Blick am Abend über das Stadion Luschniki, in dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag gegen Mexiko spielt.

"So langsam steigt die Aufregung", gibt Dominik Steup unumwunden zu. Bald geht's los. Von München über Wien nach Moskau. "Das Visum und die Tickets sind schon da", freut sich der Ebermannsdorfer. Und zu seiner großen Überraschung war in dem Paket auch noch ein Deutschland-Trikot. Steup ist beim Paket- und Expressdienstleister DPD beschäftigt.

Als er eines Morgens zur Frühschicht, die um 6 Uhr beginnt, fuhr, klingelte sein Handy. Seine Kollegin rief an und fragte, wo er sei. Er war gerade auf der Autobahn in Richtung Wernberg. Sie bat ihn, an der Ausfahrt Nabburg-West rauszufahren. Ein Fahrer habe sie gerade kontaktiert, er bekomme kaum Luft. Dominik Steup sah das Fahrzeug stehen und öffnete die Tür. Der Mann war noch ansprechbar. Steup leistete Erste Hilfe, blieb an der Seite des Opfers, bis Rettungswagen und Notarzt kamen, die Steups Kollegin in der Zentrale verständigt hatte. Und Steup rief auch noch die Ehefrau des Fahrers an, um ihr zu sagen, dass ihr Mann auf dem Weg ins Krankenhaus sei, sie sich aber keine Sorgen machen müsse.

"Es war gottseidank kein Herzinfarkt, sondern nur ein Nervenzusammenbruch", erzählt er. Froh ist der Ebermannsdorfer, dass der Fahrer noch eine Parkbucht ansteuern konnte. "Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er in den Gegenverkehr gekommen wäre." Über die vorbildliche Erste Hilfe, die Dominik Steup leistete, erschien in einer internen DPD-Zeitschrift ein Bericht und der Arbeitgeber wurde darauf aufmerksam. Die beiden Mitarbeiter wurden im Februar zu einer Convention eingeladen. Dabei wurden Oscars für besondere Verdienste verliehen. Steup bekam einen.

Außerdem gibt es noch eine Premiumclub-Reisen. Damit belohnt werden zum Beispiel die besten Depots in Deutschland. Oder aber jemand, der einen guten Verbesserungsvorschlag gemacht hat. "In den Jahren zuvor führten die Reisen nach Barcelona und Lissabon." Zum diesjährigen Ziel wurde ein Film gezeigt. Und da wurden die Gesichter lang und länger, als sich herauskristallisierte, dass es Russland ist. "Oh Gott, was wollen wir da?", fragte sich Dominik Steup. Doch die Minen erhellten sich, als bekanntgegeben wurde, dass die Gruppe zur WM fliegen und live beim Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft dabei sein wird.

Das Visum ist da, im Päckchen mit den Tickets waren auch ein Reiseführer von Moskau und ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft. "Da war ich echt überrascht", gibt der 34-Jährige zu. Los geht's am 16. Juni. Dominik Steup und seine Kollegin Judith Gasparin, die aus Pfreimd kommt, fliegen von München nach Wien und von dort weiter in die russische Hauptstadt. Insgesamt sind es 20 Leute des DPD aus dem gesamten Bundesgebiet, die zur WM dürfen. Bis auf seine Kollegin kennt Dominik Steup niemanden, "wir haben aber schon eine Whats-App-Gruppe eingerichtet", erzählt er. Nach der Ankunft in Moskau am 16. Juni geht's erst einmal ins Hotel und abends zu einem Dinner. Am Samstag, 17. Juni, erkundet die Gruppe die siebtgrößte Stadt der Welt mit 11,5 Millionen Einwohnern.

Am Abend steht dann der Programmpunkt an, dem alle entgegen fiebern: Das WM-Auftaktspiel der Deutschen gegen Mexiko im Olympiastadion Luschniki. Für einen Fußball-Fan wie Dominik Steup ist das natürlich ein besonderes Erlebnis. Er war selbst aktiver Fußballer, trainierte beim FC die A-Jugend und vorher die Herren beim ESV. "Für mich ist das der Jackpot", sagt er grinsend.

"So langsam steigt die Aufregung", gesteht der Ebermannsdorfer. Doch die Freude überwiegt zweifelsohne. Besonders freut er sich, dass er ausgerechnet zu einem Spiel der deutschen Elf darf. "Das ist schon etwas Besonderes." Er hätte sich aber auch jede andere Partie angesehen, "auch Süddkorea gegen Schweden". Dominik Steup schätzt, dass das erste Spiel für die Deutschen hart wird. "Das ist kein Selbstläufer", sagt er und tippt auf ein 1:1 gegen Mexiko. Dennoch glaubt er, dass viel drin ist für das Team von Joachim Löw. "Deutschland ist eine Turniermannschaft", so seine Meinung.

Die beiden anderen Gruppengegner schätzt Steup schwächer ein. "Die Schweden werden sich hinten rein stellen und auf einen Punkt hoffen", analysiert er. "Und Südkorea ist auf alle Fälle zu schlagen." Dass die deutsche Elf ihren Weltmeistertitel verteidigen und das Sommermärchen von Rio wiederholen kann, glaubt Steup nicht. "Ich denke aber, wir kommen ins Halbfinale." Doch jetzt freut er sich erst einmal auf das Auftakt-Match. Mit Eindrücken, um die ihn Millionen Menschen beneiden, wird der Vater zweier Töchter, die sechs und drei Jahre alt sind, am 18. Juni nach Hause kehren.

Dominik Steup sieht sich live im Moskauer Olympiastadion das Auftaktmatch der deutschen Nationalmannschaft gegen Mexiko an.

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