06.06.2018 - 17:25 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zwei Kinder als Sexualobjekte

Zum Schluss bleibt die Frage: Was geht in einem Mann vor, der seine kleinen Söhne per Handy-Fotos als pornografische Sexobjekte zur Schau stellt? Das Landgericht Amberg hat den 42-Jährigen für vier Jahre ins Gefängnis geschickt.

Das Strafgesetzbuch
von Autor HWOProfil

(hwo) Er legte ein umfassendes Geständnis ab. Das war wohl auch das Mindeste, was der Angeklagte für seine Kinder tun konnte. Denn ansonsten hätten die heute zehn und elf Jahre alten Jungen womöglich als Zeugen vor Gericht aussagen müssen. Ihren Vater vermissen sie nicht. Im Gefängnis wollen ihn die Buben, wie man hörte, keinesfalls besuchen.

Die ganze üble Angelegenheit kam eher durch einen Zufall heraus. Der geschiedene Arbeiter aus Schwandorf hatte über ein Chat-Portal Kontakt zu einer ebenfalls aus Schwandorf stammenden 13-Jährigen aufgenommen und ihr Nacktbilder von sich geschickt. Da kam die Polizei, wurde ermittelt und das Handy des Mannes ausgewertet. Was sie entdeckten, war von der Vorgehensweise her noch weitaus schlimmer und fast schon unvorstellbar.

Als er seine Straftaten nun Schwandorfer am Mittwoch vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts einräumte, ließ der heute 42-Jährige anklingen, dass er irgendwann "vor sechs oder sieben Jahren" homosexuelle Neigungen bei sich festgestellt habe. Also ging er im Internet auf die Suche nach einem Partner und startete diverse Anläufe, ihn zu treffen. In den Chats kam wohl auch die Rede auf Kinderpornografie. Die besaß der Schwandorfer auf etlichen Dateien. Doch er lieferte auch noch, wenn man so wollte, unsägliche "Eigenproduktionen."

Zu Ostern 2016 hatte der geschiedene Mann seine beiden kleinen Söhne bei sich zu Gast. Er ließ sie auf dem Sofa Platz nehmen und nackt ausziehen. Dann mussten die beiden Buben gegenseitig an sich manipulieren. Davon wurden über Handy von ihrem Vater Videos gedreht. Die Filme, jetzt im Gerichtssaal nichtöffentlich vorgeführt, wurden dem bis heute in seiner wahren Identität unerkannt gebliebenen Chatpartner zugesandt.

Als erste Ermittlungsergebnisse auf dem Tisch lagen, kamen Kriminalbeamte, nahmen den Täter fest und brachten ihn wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in U-Haft. Das war im September vergangenen Jahres. "Sie wollen nichts mehr von ihm wissen", sagte jetzt die zum damaligen Zeitpunkt völlig ahnungslose Mutter der beiden Buben vor der Strafkammer. Ungeklärt blieb, wie es dem 42-Jährigen seinerzeit gelang, seine Söhne zu den Sexspielen zu animieren. "Ich weiß es nicht", ließ der Angeklagte vernehmen. Und die Buben mochten daheim bei ihrer Mutter nicht darüber reden.

Da die Videos unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt wurden, mussten nach einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs auch die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung nichtöffentlich gehalten werden. In diesem Fall war das von keiner größeren Bedeutung. Denn schon zu Beginn des Verfahrens hatte die Erste Strafkammer dem Angeklagten eine Haftstrafe zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren für ein umfassendes Geständnis zugesichert.

Der Mann aus Schwandorf wandert für vier Jahre ins Gefängnis. Während des Prozesses hatte der psychiatrische Sachverständige Thomas Lippert dem Angeklagten dringend geraten, sich in eine Sexualtherapie zu begeben. "In jeder Justizvollzugsanstalt sind heute Möglichkeiten dazu geschaffen worden", sagte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber in der Urteilsbegründung. Dabei wurde auch deutlich, dass sich der Mann nur durch sein Geständnis vor einer wirklich ganz langen Haftstrafe rettete. Sein Leben aber hat er durch den sexuellen Missbrauch der eigenen Kinder zweifellos zerstört.

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