28.06.2018 - 14:54 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Alles will zum ZTKS

Die Klärschlammentsorgung wird, seit die landwirtschaftliche Verwertung erheblich eingeschränkt ist, bundesweit zum Problemfall. Die Mitglieder des ZTKS können sich zurücklehnen. Der Bau der Trocknungsanlage läuft.

Der Bau der Klärschlammtrocknungsanlage des ZTKS hinkt witterungsbedingt etwa drei Monate hinter dem Zeitplan her. Mitte kommenden Jahres soll die Anlage neben dem Müllkraftwerk (im Hintergrund) in Betrieb gehen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

(ch) Bürgermeister Konrad Meier ist erleichtert. "Ich bin froh, dass wir jetzt hier dabei sind", sagte das Oberhaupt des Marktes Beratzhausen am Ende der Verbandsversammlung des Zweckverbands thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) im ZMS-Verwaltungsgebäude. Der Markt war zusammen mit den Städtischen Betrieben Roding neu in den Verband aufgenommen worden (siehe Kasten). Der Verbandsvorsitzende, Schwandorfs OB Andreas Feller, hatte auf die prekäre Lage auf dem Entsorgungsmarkt verwiesen. Wo Klärschlamm noch entsorgt werden kann - etwa zur Rekultivierung im Braunkohlebergbau - werden Preise von bis zu 160 Euro je Tonne aufgerufen. Das ist das Dreifache dessen, was bislang fällig wurde und schlägt letztlich auf die Abwassergebühren durch.

40 weitere Anfragen

Entsprechend groß ist die Nachfrage beim ZTKS: "Es liegen Interessensbekundungen und Anträge auf Mitgliedschaft von rund 40 weiteren Kläranlagenbetreibern aus Niederbayern, Oberbayern und Oberfranken vor", sagte Feller. Ihnen allen muss der ZTKS einen Korb geben - die Anlagenkapazität von 50 000 Tonnen ist ausgereizt. In den vergangenen Monaten habe die Geschäftsführung um Thomas Knoll an vielen Besprechungen zum Thema, etwa im bayerischen Umweltministerium oder beim Gemeindetag teilgenommen. Die Kommunen wollen die Entsorgung in öffentlich-rechtlicher Hand halten. "Der ZTKS gilt dabei bayernweit als beispielhaft und als Blaupause", sagte Feller. Viele Anlagenbetreiber regten an, dass der ZTKS Mengen bündeln und gemeinsame Ausschreibungen organisieren könnte, um günstigere Entsorgungspreise zu erreichen. Diese Frage werde mit Ministerium, Gemeindetag und ZTKS-Mitgliedern im kommenden Halbjahr diskutiert, sagte Feller.

Forschungsprojekt läuft

Der Zweckverband Müllverwertung (ZMS) ist derweil im Verbandsgebiet auf der Suche nach einem Standort für eine Klärschlammverbrennungsanlage. Das ZMS-Gelände in Schwandorf scheidet mangels Platz aus. Aus Schmidgaden gab es zuletzt eine Abfuhr (wir berichteten). Möglich ist auch eine Beteiligung an der geplanten Mono-Verbrennungsanlage in Straubing, erläuterte Knoll am Rande der Sitzung. Ergebnisse der ZMS-Studie sind Ende des Jahres zu erwarten. Der in Schwandorf von 25 auf 90 Prozent Trockensubstanzgehalt (TS) getrocknete Schlamm soll zunächst im Zementwerk Burglengenfeld verbrannt werden. In spätestens 15 Jahren wird aber eine Phosphat-Rückgewinnung Pflicht. Das lässt sich bislang wirtschaftlich nur durch reine Klärschlammverbrennungsanlagen darstellen, aus deren Asche das Düngemittel Phosphat gewonnen werden kann. Parallel läuft das Forschungsprojekt der Firma "Susteen Technologies" und der OTH Weiden-Amberg zur TCR-Technik. Dabei wird der getrocknete Schlamm verschwelt, es entstehen Gas, Öl und Kohle. Erste Tests verliefen erfolgreich, zum großindustriellen Betrieb ist es aber noch eine gehörige Wegstrecke. Das Projekt wird vom ZMS und mit zwei Millionen Euro an bayerischen Forschungsgeldern unterstützt.
Verbandskämmerer Markus Decker legte die Zahlen des ZTKS für die Jahre 2015 und 2016 vor. Die Finanzierung der rund 21 Millionen Euro teuren Trocknungsanlage auf dem ZMS-Gelände läuft über Darlehen. Die Rückzahlung wird über die Gebühren finanziert, die die Mitglieder für den angelieferten Klärschlamm bezahlen werden. Die Prüfung der Jahresrechnungen ergab keine Auffälligkeiten, die Entlastung wurde einstimmig erteilt. Technischer Leiter Konrad Rieger und Sebastian Schraml, der künftig für die Anlage zuständig sein wird, führten abschließend rund 15 interessierte Verbandsräte über die Baustelle. Gerade werden die Bunker zur Anlieferung des Klärschlamms montiert, der erste von zwei Bandtrocknern und die Kondensatoren stehen bereits in der Halle. Die Wärme zur Trocknung kommt aus dem Müllkraftwerk.
Der Bau liegt witterungsbedingt etwa drei Monate hinter dem Zeitplan. Die testweise Inbetriebnahme der Anlage ist für das zweite Quartal 2019 vorgesehen, ab Mitte 2019 soll die Anlage dann laufen, sagte Planerin Claudia Scharnagl (Büro UTE). Die Kosten liegen laut Geschäftsführer Thomas Knoll im geplanten Rahmen.

In diese Bunker wird künftig der feuchte Klärschlamm angeliefert. Sie werden noch eingehaust und bekommen Deckel, um die mögliche Geruchsbelästigung zu minimieren. Technischer Leiter Konrad Rieger (Dritter von rechts) führte interessierte Verbandsräte durch die Baustelle.

Ein Teil der Verbandsräte ließ sich durch die Baustelle führen. Rechts ist der erste Trockner zu erkennen.

In den hohen Kondensatoren wird die Feuchtigkeit aus der Luft, die aus den Trocknern kommt, kondensiert. Im Hintergrund ist einer der beiden Trockner zu erkennen.

Info:

Roding und Beratzhausen

Der Zweckverband thermische Klärschlammverwertung (ZTKS) hat am Donnerstag zwei neue Mitglieder aufgenommen: Der Markt Beratzhausen und die Städtischen Betriebe Roding werden künftig ihren anfallenden Klärschlamm auch über den Verband entsorgen können. "Damit ist die Kapazität der Klärschlammtrocknungsanlage weitgehend ausgereizt", sagte der Verbandsvorsitzende, Schwandorfs OB Andreas Feller. Von den 50 000 Tonnen Kapazität werden 5000 Tonnen als Reserve gehalten, um auch Bevölkerungszuwächse in den Verbandskommunen abfangen zu können. Neben den beiden Neuen gehören zum ZTKS: Die Gemeinden Altendorf, Dieterskirchen, Fensterbach, Gleiritsch, Niedermurach, Stadlern, Thanstein, Weiding, die Marktgemeinden Neukirchen-Balbini, Schwarzenfeld, Schwarzhofen, Wernberg-Köblitz,Winklarn und Kallmünz sowie die Städte Nabburg, Neunburg vorm Wald, Oberviechtach, Pfreimd, Schönsee und die kreisfreie Stadt Regensburg.
Weitere Mitglieder sind die Abwasser-Zweckverbände Schwarzach, Nabburg und Stulln, im Sulzbachtal und Schwandorf-Wackersdorf, der Abwasserzweckverband Altenstadt, Neustadt und Störnstein, der Zweckverband zur Abwasserbeseitigung der Stadt Amberg und der Gemeinde Kümmersbruck, die Stadtwerke Burglengenfeld und der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf. (ch)

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